Heisse Diskussionen
Ja zur SVP-Initiative Topthema im Ausland
publiziert: Sonntag, 9. Feb 2014 / 21:21 Uhr / aktualisiert: Montag, 10. Feb 2014 / 07:02 Uhr
Die Beziehung zu Europa muss neu definiert werden.
Die Beziehung zu Europa muss neu definiert werden.

Bern - Auf den Online-Portalen ausländischer Zeitungen ist die Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative Topthema gewesen. In vielen Fällen kommentierten Hunderte von Leserinnen und Lesern das Abstimmungsergebnis online. Und auch auf Twitter & Co. wurde es breit diskutiert.

19 Meldungen im Zusammenhang
Für die Regierung, die politischen Parteien (abgesehen von der SVP) sowie die Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften ist das Abstimmungsergebnis die schwerste Niederlage seit der knappen Ablehnung des Beitritts der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum 1992, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

So wäre es ein Wunder, wenn das Ausländerthema nach diesem Sonntag einfach verschwinden würde. Regierung und Wirtschaft wiederum werden alle Hände voll zu tun haben, um die negativen Folgen der Abstimmung «Gegen Masseneinwanderung» für die Zusammenarbeit mit der EU und den Zusammenhalt innerhalb Europas zu begrenzen.

«Die Schweiz hat sich in dieser Frage in zwei Hälften gespalten», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» . Doch auch wenn das Ergebnis denkbar knapp ausfiel - es ist ein Erfolg der Gegner der «Masseneinwanderung». In Brüssel und in anderen EU-Hauptstädten wird die eidgenössische Entscheidung nun Sprengkraft entwickeln. Von der Schweiz kann ein Signal ausgehen für die Union. Oder ein Fanal.

Schweiz ein geteiltes Land

Am Ende des Abstimmungskrimis steht gemäss der Online-Ausgabe von «Die Welt» ein geteiltes Land, in dem der deutschsprachige Teil klar für eine Einschränkung der Zuwanderung plädiert, während der frankophone Teil gegen die Initiative abstimmte. «Die Schweiz muss ihre Nähe zur EU neu justieren. Ein »Weiter-so« ist keine Option.» Christoph Blocher, die graue Eminenz der SVP, sei allen Dämonisierungen zum Trotz ein Mann pragmatischer Lösungen. «Seine Partei muss dafür sorgen, dass dieser Sieg, mit Polemik erkauft, nicht zum Anfang des Endes des Schweizer Wirtschaftswunders wird.»

Die europäischen Rechtspopulisten und Nationalisten werden den Sieg als Fanal und Ermutigung begreifen, schreibt «Der Tagesspiegel». Ihre hetzerische Saat gehe auf. Mit dem Ergebnis werde wahrscheinlicher, dass die Anti-Europäer am 25. Mai mit einem Viertel der Abgeordneten die grösste Gruppe im Europaparlament stellen. Die Befürchtung von Martin Schulz, dem Spitzenkandidaten der europäischen Sozialdemokratie, dass «jene, die Europa zerstören wollen, dabei sind, die Wahlen in Europa zu gewinnen», könnte Wirklichkeit werden.

Die «taz.de» (Tageszeitung) rechnet mit folgendem Szenario: Als Reaktion auf das Abstimmungsergebnis wird die Europäische Union möglicherweise die für Mittwoch angesetzte Unterzeichnung zweier neuer bilateraler Abkommen mit der Schweiz zunächst einmal verschieben.

Mit «Schweizer legen sich mit der EU an» übertitelte die «Frankfurter Rundschau» ihren Bericht. Das Ergebnis könnte das Abkommen zwischen Brüssel und Bern sprengen. Zunächst müssten aber beide Seiten erst einmal mit dem Ergebnis umgehen. «Nun muss also wieder geredet werden. Bilateral. Stets mit Blick auf die Guillotine», heisst es weiter.

Unter dem Titel «Schweizer stimmen für Abschottung» wird auf «Spiegel Online» auf das knappe Resultat hingewiesen. Abgedruckt wurde aber ein vom Autor ergänzter Agenturtext, der sich vorwiegend nach den Fakten richtete.

«Uusländer raus!» titelte die sozialistische Tageszeitung «Neues Deutschland» ihren Online-Bericht. «Die Schweizer werden wieder eine Gesellschaft mit begrenzter Zuwanderung.»

«Die Schweizer Regierung ist nun aufgefordert, binnen drei Jahren ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen», schreibt «Zeit Online». Damit müsse Bern bei der EU auf Änderung des 1999 unterzeichneten Abkommens über Personenfreizügigkeit dringen. «Das könnte viele Bundesbürger treffen, die in der Schweiz arbeiten wollen.»

Chaos programmiert?

Die Schweiz riskiere damit eine Spannung in den Beziehungen mit den europäischen Nachbarn, schrieb die französische Tageszeitung «Le Monde». Zitiert wird in der Zeitung der Genfer Politologe Pascal Sciarini, gemäss dem die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU wieder bei Null beginnen und ein Chaos provoziert werden könnte.

«Gut gemacht, Schweiz! Eine echte Demokratie!» Dies schrieb der stellvertretende Vorsitzende der französischen rechtsextremistischen Partei Front National, Florian Philippot, am Sonntag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.

«Standard» (Wien): «Wachsender Lohndruck und Konkurrenz am Arbeitsplatz; volle Pendlerzüge und Knappheit am Wohnungsmarkt - das sind die Kehrseiten des wirtschaftlichen Erfolgs...» «Mit ihrem knappen Votum haben die Schweizer nun diese Sorgen höher gewichtet als die Angst, mit einer Begrenzung der Zuwanderung die Europäische Union zu verärgern und den eigenen wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig aus Spiel zu setzen». Die politischen Folgen dieses überraschenden Ja seien am frühen Sonntagabend aber noch nicht deutlich abzusehen gewesen.

Folgen für italienische Grenzgänger im Zentrum

Die liberale italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» stellt auf ihrem Internet-Portal beunruhigt fest, dass der Kanton Tessin mit einem Ja-Anteil von 68 Prozent die Initiative zum Stopp der Masseneinwanderung am wuchtigsten angenommen hat.

Betroffen von diesem Volksentscheid dürften vor allem die 60'000 Grenzgänger sein, die im Kanton Tessin arbeiten, befürchtet das Blatt. Die Schweiz werde künftig inländisches Personal bevorzugen. Nur bei einem Mehrbedarf kämen Ausländer zum Zuge.

Tausende Italiener hätten nach 2008 Arbeit im Tessin gefunden. Dabei hätten diese Grenzgänger auch tiefere Löhne als ihre Schweizer Kollegen akzeptiert. Dieser Lohndruck habe wohl zur Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative beigetragen, schreibt der «Corriere».

Die italienische Zeitung «La Stampa» stellt ebenfalls ernüchtert fest, dass das Tessin und die Deutschschweiz bei der Abstimmung den Ausschlag gegeben hätten, während die Westschweiz gegen die Vorlage votiert habe. Sie zitiert in der Folge kritische Stimmen.

Roberto Maroni, Präsident der Region Lombardei, habe der Schweiz bereits früher klargemacht, dass sie die Grenzgänger nicht wie «Mäuse» behandeln könne. Vielmehr seien sie Arbeitnehmer, denen in Würde Respekt entgegen zu bringen sei.

Das Blatt zitiert ferner Aussagen von EU-Kommissionspräsident, Manuel Barroso, in einem «NZZ»-Interview: «Die EU-Staaten akzeptieren nicht mehr, dass die Personenfreizügigkeit von anderen Freiheiten getrennt wird. Ich hoffe, die Schweiz hat das verstanden.»

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
3
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von 3 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Dschungelbuch Das Forschungsinstitut für Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) und «Media Tenor» haben im Nachzug der Abstimmung zur MEI ... mehr lesen 13
Schwingen: Für die «Arena» scheinbar Symbol für den politischen Diskurs.
Jean-François Rime fordert nach Branchen differenzierte Arbeiterkontingente.(Archivbild)
Bern - Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime fordert nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative nach Branchen differenzierte Arbeiterkontingente. Er geht davon aus, ... mehr lesen
Bern - SVP-Vizepräsident und alt ... mehr lesen 2
Christoph Blocher hat eine andere Reaktion von der EU erwartet.
Vorallem in Ostdeutschland sind die Bürger für eine Zuwanderungsbegrenzung. (Symbolbild)
Bonn - 48 Prozent der deutschen Bürgerinnen und Bürger würde sich bei einer Volksabstimmung für eine Begrenzung der Zuwanderung ins eigene Land aussprechen. 46 Prozent sind gegen ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Brüssel - Nach dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative ... mehr lesen
Bundesrat Didier Burkhalter.
Fähre aus Friedrichshafen in Romanshorn.
Bern - Nach der gewonnen Abstimmung zur Zuwanderungsinitiative stellt die SVP konkrete Forderungen zu Familiennachzug und Bewilligungsentzug. Am Freitag will sie in der ... mehr lesen 1
Bern - Nach dem Ja zur ... mehr lesen
Handwerker sind gefragt wie schon lange nicht mehr.
Die Zukunft des Stromabkommens zwischen der EU und der Schweiz ist noch nicht sicher festgelegt. (Symbolbild)
Brüssel - Nach dem Schweizer Ja ... mehr lesen
Berlin - Nach der Annahme der ... mehr lesen 2
Wolfgang Schäuble steht hinter der Personenfreizügigkeit.
 
Nebelspalter ... und ihren «diffusen Ängsten» mehr lesen
Bern - Nach dem jüngsten Abstimmungserfolg bleibt für die SVP die Ausländerpolitik ... mehr lesen 2
Angst schüren: Erfolgsrezept der SVP.
EU-Kommissarin Viviane Reding setzte der Kompromissbereitschaft der EU in Sachen klare Grenzen.(Archivbild)
Brüssel/Bern - Ein hoher EU-Diplomat in Brüssel spricht Klartext: «Neuverhandlungen der Freizügigkeit ist für die EU ausgeschlossen.» Die Einführung von Quoten könne die EU ... mehr lesen 19
Zürich - Eine starke Reduktion der Zuwanderung als Folge der angenommenen ... mehr lesen 1
Aus der Wohnungsknappheit könnte ein Überangebot werden.(Symbolbild)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann sprach von einer grossen Herausforderung.(Archivbild)
Bern - Bundesrat Johann Schneider-Ammann will nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative nicht von einer Katastrophe für die Schweizer Wirtschaft sprechen. Die Herausforderung sei ... mehr lesen 5
Bern - Volk und Stände haben der ... mehr lesen 19
Zuwanderungsinitiative: Da die Fehlerquote bei plus/minus drei Prozent liegt, ist sowohl ein Ja als auch ein Nein möglich.
warum Merkwüdig?
Das ganze ist doch einfach. Deutschlands Devise ist billig billiger am billigsten.
Die Schweiz hat den Weg Wachstum und tiefe Steuern gewählt um zu überleben. Zumindest bist gestern.
Deutschland hat den Weg hohe Steuern und Lohnsubention gewählt um zu überleben. Das Sparpotential ist in den Billigarbeitskräften. Diese werden wiederum von den Steuern subventioniert. Das hält die Produktionskosten tief und sie können so munter weiter Exportieren. Aktuell scheinen sich recht erfolgreich damit zu sein.

Hat doch alles irgenwie seine Logik. In 15 Jahren sehen wir, wer damit weiter gekommen ist.
Das...
ist doch schon sehr merkwürdig. Gut ausgebildete Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken und gehen in die Schweiz und die hochkarätigen deutschen Politiker warten händeringend auf Fachleute aus Rumänien und Bulgarien etc. Statt die eigenen Fachleute im Land zu halten, treibt man sie ins Ausland und wartet auf "Fachleute", die meistens nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind.
Anti-Europäer und Europa-Zerstörer
Das Vokabular des EU-Burgzinnen-Wächterrats stimmt nachdenklich.

Sitzen in ihrer Trutzburg auf dem Stuhl, der Geld und Bürgerfreiheiten unaufhörlich in sich aufsaugt und betiteln ihre Gegner als "Anti-Europäer"!!

Die Wahrheit liegt wohl eher in dem Bereich, dass diejenigen, die aus unserem schönen Europa der Vielfalt einen ausgelaugten, überregulierten und geknechteten Einheitskontinent machen wollen, in dieser EU-Wagenburg sitzen. Sie haben aus Europa eine Wirtschaftsdiktatur hervorgehen lassen und damit das alte Europa, dessen Stärken in der Vielfalt von Ländern und Kulturen in geordnetem, funktionierendem Miteinander lagen, mit legalistischen Mitteln, mit Erpressung und Nötigung in Schutt und Asche gelegt.

Ich lasse mich nicht von den Zerstörern Europas als "Anti-Europäer" betiteln.
Die Bürger Europas werden sich gegen diese Wirtschaftsdiktatur wehren.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Abstimmung am 5. Juni  Bern - Neben den fünf eidgenössischen Abstimmungsfragen entscheiden am 5. Juni die Stimmberechtigten über zahlreiche kantonale Vorlagen. In den Kantonen St. Gallen und Thurgau wird über das Schicksal der Expo2027 befunden. mehr lesen 
Laut Umfrage  Zürich - Die Zustimmung für die Pro-Service-public-Initiative schmilzt laut einer Umfrage. Doch die ... mehr lesen  
Mehr Bürger als noch im April lehnen die Pro-Service-public-Initiative ab.
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Etschmayer Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Wahlen 2015  Bern/Lausanne - Die SVP hat ihr gutes Resultat bei den Wahlen 2015 einer soliden Wählerbasis und der verbreiteten Sorge um Migration zu verdanken, wie die Selects-Wahlstudie zeigt. Der FDP kam zugute, dass sie als führende Wirtschaftspartei wahrgenommen wird. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Basel 9°C 15°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen 6°C 14°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Bern 8°C 14°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Luzern 9°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 8°C 12°C bedecktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
Lugano 9°C 15°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten