Jacques Chirac durch Bestechungsvorwurf von Unternehmer belastet
publiziert: Donnerstag, 21. Sep 2000 / 22:39 Uhr

Paris - In Frankreich droht ein Parteispenden-Skandal, der vor allem Präsident Jacques Chiracs durch posthum veröffentlichte Vorwürfe des Bauunternehmers Jean-Claude Mery in Bedrängnis bringt. Chirac wies die Anschuldigungen zurück.

1986 habe er Chiracs neogaullistischer RPR-Partei in dessen Anwesenheit eine illegale Spende in Höhe von fünf Millionen Franc (heute 1,15 Millionen Franken) übergeben, erklärte der 1999 gestorbene Mann auf einem Videofilm, dessen Inhalt die Zeitung "Le Monde" in ihrer Freitagausgabe veröffentlicht.

Auch die heute in Paris regierenden Sozialisten und Kommunisten beschuldigte er illegaler Spendenannahme. In dem Geständnis sagt Mery, er habe auch von anderen Stellen Bestechungsgelder für die RPR erhalten.

Es seien über sieben Jahre hinweg insgesamt 35 bis 40 Millionen Franc (acht bis 9,2 Mio. Franken) gewesen, die eine für den sozialen Wohnungsbau zuständige Firma der Partei des damaligen Premierministers Chirac habe zukommen lassen.

"Unwürdige Lügen"

Chirac tat die Anschuldigung am Abend ebenso wie zuvor schon seine Sprecherin als "Lügen" ab, die "unwürdig" seien. Es müsse Grenzen geben. "Ich bin daher dafür, dass alle Dinge der Justiz übergeben werden", betonte Chirac in einem TV-Interview.

Die an der Regierung beteiligten Grünen verlangten die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

(klei/sda)

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