Jahrelang Körperstrafen im Knabenheim in Niederwangen
publiziert: Dienstag, 4. Mrz 2003 / 17:36 Uhr

Bern - Im einem Knabenheim in Niederwangen BE sind Schüler über Jahre körperlich bestraft worden. Das hat ein Untersuchungsbericht ergeben. Zum Teil seien Stöcke, Teppichklopfer, Seile und Lineale verwendet worden.

Schläge waren im Knabenheim an der Tagesordnung.
Schläge waren im Knabenheim an der Tagesordnung.
Dies sagten 14 der befragten ehemaligen Schüler des Heims aus, erklärte der mit der Untersuchung beauftragte bernische Alt-Oberrichter Ueli Hofer vor den Medien. Die Vorwürfe richten sich gegen den ehemaligen Heimleiter, einen ehemaligen Lehrer und gegen das landwirtschaftliche Personal.

Wegen Verjährung, schwieriger Beweislage oder fehlenden Strafanzeigen werden die Betroffenen voraussichtlich nicht strafrechtlich verfolgt, hiess es von der Kantonspolizei Bern.

Die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe durch Betreuer haben sich laut Hofer im wesentlichen nicht bestätigt. Dagegegen seien laut Aussagen der Schüler sexuelle Handlungen unter Knaben bis hin zu Vergewaltigungen immer wieder vorgekommen.

Die Aufsichtspflicht sei auf allen Ebenen ungenügend wahrgenommen worden, sagte der kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektor Samuel Bhend. Bhend betonte, dass die seit Oktober 2000 tätige neue Heimleitung im Bericht nicht belastet werde.

Die Vorfälle im Heim waren im August 2002 nach einer Brandstiftung bekannt geworden, zu der ein anonymes Bekennerschreiben eingegangen war. Darin wurde die Schliessung des Heims gefordert, da die Knaben sexuell missbraucht und misshandelt würden.

(fest/sda)

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