Jetzt kann Pinochet nur noch auf Mitleid hoffen
publiziert: Dienstag, 14. Dez 2004 / 12:42 Uhr

Santiago de Chile - Während der 17-jährigen Militärdiktatur in Chile war bis 1990 Augusto Pinochet Herr über Leben und Tod seiner Untertanen. Jetzt kann der alte Mann nur noch auf das Mitleid hoffen, das den Militärs so fremd war.

Der Prozess wurde immer wieder aus Rücksicht auf Pinochets Gesundheitszustand verschoben.
Der Prozess wurde immer wieder aus Rücksicht auf Pinochets Gesundheitszustand verschoben.
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Richter Juan Guzmán erklärte den 89-Jährige am Montag für geistig voll verhandlungsfähig und stellte ihn unter Anklage. Nur wegen seines hohen Alters kam Pinochet nicht ins Gefängnis, sondern wurde unter Hausarrest gestellt.

Angehörige der insgesamt 3200 Toten der Diktatur brachen in Tränen aus, als sie von der Anklage hörten. Guzmán wirft Pinochet vor, die Entführung von mindestens neun Regimegegnern und einen Mord im Rahmen der so genannten Aktion Condor angeordnet zu haben.

Der Anklagebank kann Pinochet jetzt nur noch durch immer neue ärztliche Gutachten entgehen, die ihm körperliche Gebrechen attestieren. Eine Einstellung des Verfahrens wie vor drei Jahren im Falle der Todeskarawane ist nur bei geistiger Demenz möglich.

Der Wind dreht

Pinochet wird damit ein weiteres Mal von seiner grauenvollen Vergangenheit eingeholt. Die Stimmung in Chile hat sich in den vergangenen Monaten gegen ihn gekehrt.

Erst wurde bekannt, dass er auf Konten in den USA zum Teil unter falschem Namen bis zu 15 Millionen Dollar (17,4 Millionen Franken) dubiosen Ursprungs hatte. Dann sorgte ein offizieller Bericht über die Folter unter seinem Regime für Entsetzen.

Präsident Ricardo Lagos hatte das Ergebnis der Befragung von 35 000 Zeugen in einer Fernsehansprache öffentlich gemacht. "Die Durchsicht der Tausenden von Aussagen hat mich erschüttert, so wie auch Sie erschüttert sein werden, wenn Sie sie lesen", warnte Lagos seine Mitbürger.

"Das Ausmass des Leidens, die Sinnlosigkeit extremer Grausamkeit, die Grösse der Schmerzen ist mir sehr nahe gegangen", fügte er hinzu. Die bisher eher verschwiegenen Folteropfer wurden über Nacht fast zu nationalen Helden, denen eine Rente und andere Vergünstigungen zuteil werden sollen.

Engste Verbündete wenden sich ab

Das Militär, das bis vor kurzem behauptet hatte, bei der Folter habe es sich um Exzesse einzelner Untergebener gehandelt, räumte angesichts der erdrückenden Beweise eine Schuld als Institution ein. Damit rückten die höchsten Militärs zugleich von Pinochet ab.

Sogar Teile seiner Familie rückten von Pinochet ab. Seine früher treu ergebende Tochter Lucía sprach vielen Chilenen aus dem Herzen, als sie die Folterungen als eine "durch nichts zu rechtfertigende Barbarei" bezeichnete.

(Jan-Uwe Ronneburger/dpa)

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