Online-Gericht in Genf verschafft Firmen ihre Domain-Namen
Jetzt wird den «Internet-Hausbesetzern» der Kampf angesagt
publiziert: Mittwoch, 1. Mrz 2000 / 16:54 Uhr

Genf - Wenn ein Immobilienbesitzer Ärger mit Hausbesetzern hat, gilt sein erster Hilferuf meist der Polizei. Gegen Hausbesetzer im Internet, so genannten Cybersquatters, war dagegen bisher kein Kraut gewachsen.

Von Anne-Beatrice-Clasmann, dpa

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Völlig legal konnten sie sich begehrte internationale Web- Adressen unter den Nagel reissen, oft nur um sie hinterher teuer zu verkaufen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Die ersten Urteile des im Dezember eingerichteten neuen Online- Schiedsgerichts für Internet-Adressen-Streitigkeiten sprechen eine deutliche Sprache: In jedem der fünf Fälle ordneten die Richter die «Räumung» der Seite durch den «Hausbesetzer» an.

Recht für Biscuit-Fabrikanten
Eine der ersten Firmen, die vor dem Gericht geklagt hat, ist der Hersteller von «Stella D'oro»-Biscuits. Die US-Firma ärgerte sich seit langer Zeit darüber, dass sich ein Unternehmen namens «The Patron Group» aus San Francisco die Rechte an der Internet-Adresse «stelladoro.com» gesichert hatte. Ein Angebot der Patron Group, die Adresse für 2300 Dollar zu kaufen, schlug der Biscuithersteller nach eigenen Angaben aus und wandte sich stattdessen an das bei der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) in Genf angesiedelte Online-Gericht.

«Stern aus Gold»
Das Gericht nahm sofort Kontakt zur Patron Group auf, die erklärte, sie habe die Adresse nicht in böser Absicht registrieren lassen, sondern um sie in Zukunft für den Internet-Verkauf von Schmuck in Lateinamerika zu benutzen - denn Stella D'oro bedeutet übersetzt: Stern aus Gold.

Diesen Einwand liess das mit Juristen und Internet-Fachleuten aus aller Welt besetzte Gericht aber nicht gelten. Es wies die Internet-Firma, bei der Patron die Adresse registriert hatte, an, den Eintrag zu löschen.

Urteile werden respektiert
Rechtlich bindend sind die Urteile des Online-Schiedsgerichts zwar nicht. Allerdings haben sich alle Firmen, die eine Lizenz zur Vergabe internationaler Internet-Adressen haben, auf die Respektierung der WIPO-Urteile geeinigt. Das Online-Gericht kann allerdings nur entscheiden, wenn es um internationale Domain-Namen geht, das sind Internet-Adressen, die auf. com,. net oder. org. enden. Für nationale Adressen, die zum Beispiel ein .ch für die Schweiz am Ende haben, ist das neue Gremium nicht zuständig. Auch ist der WIPO-Service nicht kostenlos. Ein Verfahren zur Rückgabe einer Web-Adresse kostet zwischen 1000 und 2500 Dollar. Trotzdem, der Andrang ist gross.

Seit Dezember sind bei der WIPO schon rund 100 Klagen eingegangen. Und ein Blick auf die Liste der noch laufenden Verfahren zeigt: Es sind nicht nur Internet-unerfahrene Firmen, denen die «Hausbesetzer» ins Handwerk pfuschen. Unter den Opfern ist etwa die britische Fluggesellschaft easyJet, die einen beachtlichen Teil ihrer Tickets über die Website «easyjet.com» verkauft. Sie will sich nun gegen den Besitzer der Adresse «easyjet.net» zur Wehr setzen, der auf seiner Seite neben deutschen Staubsaugern auch gleich die Adresse zum Kauf anbietet.

Die Nobelmarke Dior hat gleich mehrere Verfahren angemeldet, um Adressen wie «dior.org» und «christiandiorcosmetics.com» räumen zu lassen. Selbst der Software-Gigant Microsoft hat offensichtlich Ärger mit virtuellen Hausbesetzern, die sich die Adresse «microsoft.org» unter den Nagel gerissen haben.

(sda)

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