«Joe Coleman, wieso malen Sie dieses bizarre Zeug?»
publiziert: Donnerstag, 7. Jun 2007 / 16:30 Uhr / aktualisiert: Freitag, 8. Jun 2007 / 07:26 Uhr

Joe Coleman (*1955) malt, zeichnet, performt und sammelt. Sein obsessives Werk besteht aus vielfältig aufeinander bezogenen Tafelbildern, Comics, Performances und einer «Totalen Installation». Internal Digging in den KW Institute for Contemporary Art in Berlin ist Joe Colemans erste grosse Ausstellung, die alle Aspekte seines Werkes umfasst.

Joe Coleman - Internal Digging: A Picture from Life’s Other Side (Hank Williams) 1998.
Joe Coleman - Internal Digging: A Picture from Life’s Other Side (Hank Williams) 1998.
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www.klangundkleid.ch/events/internaldigging/

Die Ausstellung
27. Mai – 12. August 2007 Öffnungszeiten Di – So 12 – 19 Uhr, Do 12 – 21 Uhr. KW Institute for Contemporary Art, Auguststrasse 69, 10117 Berlin
www.kw-berlin.de/deutsch/program_frameset.htm

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Joe ColemanJoe Coleman
Die Möglichkeiten dieser verschiedenen künstlerischen Arbeitsweisen ausschöpfend, erkundet und verknüpft Coleman kompositorische Prinzipien der Ikonenmalerei, zumeist unsichtbares Wissen aus dem amerikanischen Underground und zahlreiche, direkte Bildzitate aus allen Bereichen der Bildproduktion.

Eigentümlicher Bilderkosmos

Die daraus resultierende Komplexität lässt einen eigentümlichen und dichten Bilderkosmos entstehen. Biker, Serienmörder, Hillbillies, Entfesslungskünstler und Elefantenmenschen, Kuriositäten aus unseren kollektiven Jahrmarkterinnerungen - die Verletzten und Geschundenen sind die Akteure seines Pandämoniums und zugleich die Subjekte und Objekte seiner Bild- und Lebenswelt. In seiner Brooklyner Wohnung wächst seit über 30 Jahren ein Raum voller Reliquien, Präparate, Dokumente und Skurrilitäten. Als wichtiger Aspekt seines Werkes kombiniert und arrangiert Coleman diese reiche Wunderkammer beständig neu.

Maler, Performancekünstler und Musiker

Von ihm selbst als Odditorium bezeichnet, dient sie ihm als Inspirationsquelle und veritable Referenz gleichermassen. Der Maler, Performancekünstler und Musiker Joe Coleman wurde 1955 in Norwalk (CT) geboren. Heute lebt und arbeitet er in Brooklyn (NY). Sein Besuch der School of Visual Art, New York (1976) blieb eine kurze Episode.

Erste Performances hatte Coleman bereits 1972 mit dem Beginn der Serie Party Explosions aufgeführt. Als Maler und Zeichner weitgehend Autodidakt, begann er illustrierte Erzählungen und Comicgeschichten im Selbstverlag herauszugeben (u.a. The Mystery of Woolverine Woo-bait, 1982). Erste breitere Aufmerksamkeit in Europa erfuhr seine Malerei jedoch erst, als das Victoria and Albert Museum in London 1987 eines seiner Bilder in die Sammlung aufnahm.

Das Interview

Herr Coleman, Ihre Kunst erinnert an die Art Brut des Schizophrenen Adolf Wölfli oder an ähnliche Bilder der sogenannten Outsider-Art. Im Gegensatz zu diesen Autodidakten hatten Sie 1976 eine akademische Ausbildung begonnen, flogen aber von der Kunsthochschule. Wieso?

Joe Coleman: Es gab da ein Prüfungskomitee von Professoren, das in jedem Semester die Bilder bewertete. Für sie war meine Kunst schizophren und faschistisch. Man muss es sich vorstellen: Da ist ein Prüfungskomitee, das über den künstlerischen Wert meiner Arbeiten befindet - und ich bin der angebliche Faschist! Das hat mich so wütend gemacht, dass ich schliesslich aus eigenen Stücken mein Studium beendet habe. Die Professoren störten sich stark an meiner gegenständlichen Malerei, denn minimalistische Kunst lag damals im Geist der Zeit. Nach dem abstrakten Expressionismus hatte man gegenständliche Malerei für tot erklärt, weil Fotografie die reale Welt viel besser abbilden könne. Für mich ist das Blödsinn. Wenn man die gegenständliche Malerei eines Brueghel oder Goya betrachtet, sieht man Szenen, die keine Fotografie einfangen kann.

Wann gab es erstmals positive Reaktionen auf Ihre Kunst?

Joe Coleman: Zunächst mochten mich nur einige kunstinteressierte Outsider. Die Anerkennung durch den Mainstream vollzog sich langsam. Inzwischen hat sich die New York Times mit mir beschäftigt, gab es Ausstellungen in bekannten Galerien in New York und Paris. Offensichtlich nimmt man meine Sachen inzwischen ernst.

Ihre Bilder erinnern an Drogenerfahrungen: Jedes Detail wirkt, als wäre es mit Geist und Leben erfüllt.

Joe Coleman: Ich habe wohl schon jede Droge genommen, die es gibt, ich war lange heroinabhängig, aber ich mache trotzdem keine Drogenkunst im engeren Sinne. Was Sie meinen, hat eher mit dem irisch geprägten Katholizismus zu tun, mit dem ich aufwuchs, und seinem Anteil heidnisch-keltischer Elemente. Es gibt im Katholizismus all diese Ikonen, die Verehrung des heiligen Geistes. Das hat mich einerseits geprägt, andererseits habe ich den Glauben verloren und empfinde die Kirche als scheinheilig. Und doch bilden diese Dinge das Fundament meines Hauses: Das Ritual, das Drama . das versuche ich zu nutzen, ohne mich davon manipulieren zu lassen.

Ich las, dass Sie bei einem Friedhof aufwuchsen, dessen Aura Sie mit Angst erfüllte.

Joe Coleman: Ja, ich kletterte als Kind auf die Friedhofsmauer, setzte einen Fuss auf den Boden und rannte dann vor Angst davon. Aber ich kam wieder und wagte es, beide Füsse auf das Gelände zu setzen. Am Ende wurde der Friedhof zu meinem Spielplatz.

Bei ihren Performances haben Sie selber Angst und Schrecken im Publikum verbreitet und Leuten im Publikum eine Waffe an den Kopf gehalten.

Joe Coleman: Ich musste irgendwie den Schmerz, der mich beschäftigte, rüberbringen. Das konnte ich nicht machen, indem ich einen Blues-Song singe. Für mich gab es damals nur diesen Weg: Das Publikum mit einer Waffe bedrohen.

War die Waffe geladen?

Joe Coleman: Ja, aber mit Platzpatronen. Aber als ich ins Publikum feuerte, wussten das die Leute nicht und rannten davon.

Was fühlt man in solchen Momenten?

Joe Coleman: Ich fühlte mich etwas besser. Ich hatte etwas von dieser Wut rausgebracht.

Sie hatten nie wieder das Bedürfnis, vor Publikum mit Waffen herumzufuchteln?

Joe Coleman: Nein, ich habe nie wieder ein Publikum mit einer Waffe bedroht.

Also haben Malen und Performances am Ende auch als eine Art Therapie funktioniert?

Joe Coleman: Ja, die Kunst spielte eine Rolle, aber auch, dass ich älter und ruhiger geworden bin. Und natürlich die Liebe meiner Frau. Die Kombination dieser Dinge hat mir geholfen.

(Interview: Nils Michaelis/news.ch)

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