John McCain der Kampfpilot
publiziert: Samstag, 27. Sep 2008 / 16:12 Uhr

John McCain war einst ein US-Kampfpilot und verbrachte fast sechs Jahre als Kriegsgefangener im Vietnamkrieg. Er wurde abgeschossen und gefoltert.

Die Wall Street ist nicht der Ort, an dem McCain kämpfen sollte.
Die Wall Street ist nicht der Ort, an dem McCain kämpfen sollte.
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Man könnte also sagen, dass es momentan vergleichsweise gut für ihn steht. Andererseits sieht es momentan ein bisschen so aus, als wäre er schon wieder abgeschossen worden.

Vor gerade einmal zwei Wochen war McCains Kampagne auf dem Höhenflug. Die Energie und der Enthusiasmus der Kampagne wurden vor allem gestützt durch die Wahl von Sarah Palin zu seiner Vizekandidatin. Die Republikaner führten in öffentlichen Umfragen – und zwar zum ersten Mal seit dem Start der Kampagne.

Mit McCain ging es abwärts

Doch dann brachen die Finanzmärkte zusammen und mit McCain ging es abwärts. Grund dafür ist nicht etwa, dass die Demokraten so gut abgeschnitten hätten – vielmehr erinnern die Probleme an der Wall Street die Wähler an McCains persönliche Schwächen.

Mangel an Expertise

Die erste Schwäche ist der Mangel an Expertise. Letztes Jahr sagte er gegenüber einem Journalisten, er kenne sich in der Wirtschaft nicht so gut aus, wie er sollte.

Sein zweites Problem ist, dass McCain zu dem Teil der Republikaner gehört, der die freie Marktwirtschaft unterstützt. Er ist überzeugt davon, dass alle am meisten profitieren, wenn die Regierung sich nicht in Wirtschaftsfragen einmischt.

Derzeit sieht es allerdings so aus, als hätte eine stärkere Regulierung die extremen Ausschweifungen der Wall Street verhindern können. Da diese Chance verpasst ist, propagiert die Bush-Regierung nun eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln als einzigen Weg, um einen vollständigen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.

Persönlicher Bezug zu Finanzkrisen

McCain hat im übrigen einen sehr persönlichen Bezug zu Finanzkrisen: von einem Senatskollegen wurde er für seine schlechte Einschätzung der letzten Krise öffentlich gerügt. In den achtziger Jahren hatte McCain Regulatoren unter Druck gesetzt, damit ihre Untersuchungen eines Unternehmens, das seinen Wahlkampf mitfinanzierte, milder ausfielen.

Dieses Unternehmen, Lincoln Savings and Loan, brach später zusammen. Es war nur eine von Hunderten von Finanzinstitutionen, die in einer Krise im Ausmass von hundert Milliarden Dollar bankrott gingen, die der derzeitigen US-Bankenkrise nicht unähnlich war.

Als Ergebnis der Krise liegt McCain nun in Umfragen hinter Obama. Letzten Umfragen von CNN zufolge wollen mehr Wähler für Obama stimmen als für McCain (51 Prozent gegenüber 46 Prozent für McCain). Auch sind mehr Menschen der Meinung, dass Obama die Wirtschaft besser in den Griff bekommen könnte (53 Prozent gegenüber 43 Prozent).

Bis zu den Wahlen im November bleibt McCain noch etwas Zeit. Doch ist er nach wie vor besser bekannt als der Vietnam-Veteran, der den Krieg im Irak gewinnen will. Die Wall Street ist nicht der Ort, an dem er kämpfen sollte.

Jonathan Mann - Campaign Trail Column für den 26.9.08
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «The Campaign Trail» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.

(CNN-Kolumne von Jonathan Mann)

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