John Wolf überwacht Nahost-Roadmap: Ein US-Diplomat ohne Profilneurose
publiziert: Donnerstag, 5. Jun 2003 / 09:35 Uhr

Washington - Für die brisante Mission im Nahen Osten hat sich US-Präsident George W. Bush einen Mann aus der dritten Reihe ausgesucht. John Wolf, Abteilungsleiter im Aussenministerium, ist ein noch unbeschriebenes Blatt und bislang nur Insidern ein Begriff. Das State Department verkauft dies als Vorteil.

John Wolf steht vor einer historisch bedeutsamen Aufgabe.
John Wolf steht vor einer historisch bedeutsamen Aufgabe.
1 Meldung im Zusammenhang
Künftig wird der Karrierediplomat dafür zuständig sein, die Einhaltung des Friedensplans durch Israelis und Palästinenser zu überwachen - ein Top-Job mit enormer Verantwortung: Denn schliesslich hat der US-Präsident die "Roadmap", die auf die Gründung eines palästinensischen Staates abzielt, mit seiner Reise in den Nahen Osten zur Chefsache erklärt.

Wolf sei sicherlich nicht der Erste, der einem für den schwierigen Job in den Sinn komme, wurde in Regierungskreisen freimütig eingeräumt. Aber er sei für die Aufgabe durchaus geeignet: "Er ist ein sehr fähiger und engagierter Typ."

Offenbar suchte Bush für die heikle Mission einen routinierten Diplomaten ohne Profilneurose, der sich darauf versteht, diskret im Hintergrund den nötigen Druck auszuüben.

Wolf, der in seinen mehr als 30 Jahren im diplomatischen Dienst in Australien, Vietnam, Griechenland und Pakistan und Malaysia im Einsatz war, zählt zu den erfahrenen Leuten im State Department.

Als ausgesprochener Nahost-Experte ist er bisher allerdings nicht hervorgetreten. Wolf soll schon bald in den Nahen Osten starten. Ein genauer Termin wurde jedoch noch nicht bekanntgegeben.

Wolf soll ein Team leiten, dem neben weiteren Vertretern des Aussenministeriums auch Agenten des Geheimdienstes CIA angehören sollen; letztere sollen vor allem auf die Neustrukturierung der palästinensischen Sicherheitskräfte Einfluss nehmen.

Nach Worten des US-Präsidenten soll das Team dafür zuständig sein, die Verhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis voranzubringen, die Fortschritte im Friedensprozess zu kontrollieren und darüber Bericht zu erstatten, ob die Konfliktparteien die ihnen durch die "Roadmap" auferlegten Verpflichtungen erfüllen.

Nach Angaben aus US-Regierungskreisen soll die Mission vor allem den Druck auf die palästinensische und israelische Seite Aufrecht erhalten, den Bush durch seine Reise nach Nahost erzeugt hat.

Seit 1970 im State Departement

Wolf, der aus Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania stammt, gehört seit 1970 dem diplomatischen Dienst an. Seit Oktober 2001 ist er im Aussenministerium für Massnahmen gegen die Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen verantwortlich.

In dieser Frage war er auch schwerpunktmässig mit den Rüstungsprogrammen in Irak und Iran befasst. Wolf war zwischen 1992 und 1995 Botschafter in Malaysia, danach Botschafter beim Asien-Pazifikforum (APEC) und dann Berater des US-Präsidenten für Energiefragen am Kaspischen Becken.

Dass Wolf in der Nahostpolitik ein unbeschriebenes Blatt ist, wurde vom State Department allerdings als Vorteil verkauft. Auf diese Weise könne er von vornherein den Vorwurf der Parteilichkeit vermeiden, hiess es.

(Daniel Jahn/afp)

?
Facebook
SMS
SMS
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Gaza - Der US-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, John Wolf, ist erstmals mit ... mehr lesen
John Wolf.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 3°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Basel 3°C 9°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 1°C 5°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Bern 2°C 6°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Luzern 3°C 7°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Genf 4°C 8°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 9°C 14°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten