Vor etwas mehr als einer Woche hatte noch niemand von Juan José Cobo Notiz genommen. Der Spanier belegte in der Vuelta mit 1:38 Minuten Rückstand den 17. Platz. Doch mit seinem 3. Rang bei der Bergankunft auf La Covatilla am vorletzten Sonntag setzte der Radprofi aus dem Team des Tessiner Managers Mauro Gianetti - mit einer Einladung in der Vuelta, von den Veranstaltern der Tour de France verschmäht - zu einem Höhenflug an, der ihm das rote Leadertrikot eintrug.
Vor diesem Wochenende wies Cobo noch immer 1:27 Minuten Rückstand auf Bradley Wiggins auf. Am Samstag reduzierte der 30 Jahre alte Athlet sein Manko auf 55 Sekunden. Gestern Sonntag holte Cobo zum grossen Schlag aus. Obwohl er vor dem Start behauptet hatte, der L'Anglirù mit seinen bis zu 23 Prozent steilen Rampen liege ihm überhaut nicht, setzte Cobo 7 km vor dem Ziel zu einem Vorstoss an. Danach baute der Spanier seinen Vorsprung kontinuierlich aus, sodass er nun das Gesamtklassement mit 20 Sekunden Reserve auf Christopher Froome und 46 Sekunden vor dessen Teamcaptain Bradley Wiggins anführt.
"Radsport ist meine Leidenschaft"
Er habe sich gut gefühlt und habe deshalb angegriffen, erklärte Cobo, der Mauro Gianetti immer treu geblieben war, der aber auch schon an der Aufgabe seiner Karriere herumstudiert hatte. "Der Radsport ist meine Leidenschaft. Deshalb habe ich weitergemacht, und deshalb ist dieser Triumph sehr wichtig für mich", sagte Cobo, der im neunten Jahr seiner Laufbahn auf acht Siege zurückblickt. Der Gesamtsieg in der Baskenland-Rundfahrt 2007 sowie der Gewinn der drittletzten Etappe der Spanien-Rundfahrt 2009 standen bisher zuerst in Cobos Palmarés.
Am Samstag hatte sich der frühere Bahnspezialist Wiggins ein weiteres Mal bis zur völligen Erschöpfung verausgabt, um sein Leadertrikot zu retten. Bei 23 Steigungsprozenten vermochte der Brite seine Leistungsgrenze nicht mehr zu überschreiten. 1:21 Minuten büsste Wiggins am Anglirù auf Cobo ein. Sogar Wiggins' bester und treuer Helfer Froome war stärker. Das britische Duo zählt nun zu den ersten Herausforderern von Cobo. Die Aussichten, den Spanier noch zu stürzen, sind trotz des nicht zu unterschätzenden Restprogramms in dieser dritten Vuelta-Woche beschränkt, zumal Cobo mit Denis Mentschow und Carlos Sastre zwei Teamkollegen zur Seite hat, die beide schon grosse Landesrundfahrten für sich zu entscheiden vermochten.
Hungerast von Nibali?
Am Samstag machte noch die Mär die Runde, Vincenzo Nibali sei wegen eines 'Hungerastes' gescheitert. Der letztjährige Vuelta-Erste zählte aber auch in der Bergankunft vom Sonntag nicht zu den Protagonisten. In der Gesamtwertung wird der Sizilianer an achter Stelle geführt. Mit schon 3:27 Minuten Rückstand sind die Aussichten Nibalis sehr limitiert, es bis am kommenden Sonntag in Madrid aufs Podest zu schaffen.
Heute Montag können sich Radprofis von den Strapazen in Asturien erholen. Angesichts der bevorstehenden Strassen-WM vom 19. bis 25. September in Kopenhagen ist davon auszugehen, dass verschiedene Berufsfahrer aus der Vuelta aussteigen und den Heimweg antreten.
Resultate:
Spanien-Rundfahrt. 14. Etappe, Astorga - La Farrapona/Lagos de Somido (175,8 km): 1. Rein Taaramae (Est) 4:39:01. 2. Juan José Cobo (Sp) 0:25. 3. David De la Fuente (Sp) 0:29. 4. Wouter Poels (Ho) 0:40. 5. Bradley Wiggins (Gb) 0:45. 6. Christopher Froome (Gb). 7. Bauke Mollema (Ho). 8. Denis Mentschow (Russ), alle gleiche Zeit. 9. Mikel Nieve (Sp) 0:55. 10. Jurgen Van den Broeck (Be) 1:00. - Ferner: 15. Jakob Fuglsang (Dä) 1:24. 17. Oliver Zaugg (Sz) 1:40. 21. Fredrik Kessiakoff (Sd) 1:59. 27. Vincenzo Nibali (It) 2:06. 50. Fabian Cancellara (Sz) 18:45. 150. Michael Albasini (Sz) 30:20. 167. Mathias Frank (Sz). 168. Martin Kohler (Sz), beide gleiche Zeit. - 178 klassiert. Aufgegeben: Michele Scarponi (It), Karsten Kroon (Ho).
Leader: Wiggins 0:07 vor Froome, 0:36 vor Mollema und 0:55 vor Cobo.
15. Etappe, Avilés - Alto de l'Anglirù (142,2 km): 1. Cobo 4:01:56. 2. Poels 0:48. 3. Mentschow. 4. Froome, beide gleiche Zeit. 5. Wiggins 1:21. 6. Igor Anton (Sp), gleiche Zeit. 7. Joaquin Rodriguez (Sp) 1:35. 8. Maxime Monfort (Be). 9. Mollema. 10. Sergej Lagutin (Usb), alle gleiche Zeit. - Ferner: 15. Nibali 2:37. 16. Fuglsang 2:43. 18. Zaugg, gleiche Zeit. 78. Cancellara 14:36. 95. Kohler 15:43. 98. Albasini 16:17. 100. Frank 16:27. - 175 klassiert.
Gesamtklassement: 1. Cobo 59:57:16. 2. Froome 0:20. 3. Wiggins 0:46. 4. Mollema 1:36. 5. Monfort 2:37. 6. Mentschow 3:01. 7. Fuglsang 3:06. 8. Nibali 3:27. 9. Van den Broeck 3:58. 10. Poels 4:13. - Ferner: 25. Zaugg 18:22. 100. Frank 2:21:22. 110. Kohler 2:29:49. 123. Albasini 2:43:08. 135. Cancellara 2:56:23.
(fest/Si)