Judenfeinde im «Gelobten Land»
publiziert: Sonntag, 22. Apr 2007 / 11:03 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Apr 2007 / 11:43 Uhr

Jerusalem - Nicht im Traum hätte Abraham Lewin daran gedacht, dass ihn ausgerechnet in Israel judenfeindliche Skinheads zusammenschlagen. Genau das ist dem Rabbiner aber passiert, vor einigen Wochen, als er in einem Vorort von Tel Aviv auf dem Heimweg war.

Antisemitismus ist laut israelischem Gesetz nicht einmal verboten. (Archivbild)
Antisemitismus ist laut israelischem Gesetz nicht einmal verboten. (Archivbild)
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«Sie haben sich auf mich geworfen, haben mich geschlagen und meine Mutter auf Russisch beleidigt», berichtet Lewin. Er habe sich zwar den Arm gebrochen, «aber Gott hat mir das Leben gerettet», sagt der 38-Jährige.

Am schlimmsten habe er es gefunden, dass die Bande ihn als «Shid» beschimpft habe. Shid ist ein russisches Schimpfwort für Jude, und Lewin ist nicht der einzige, der es ausgerechnet im jüdischen Staat mit Antisemiten zu tun bekommt, wie Salman Gilitschenski sagt.

Der ultraorthodoxe Jude leitet das Dmir-Zentrum, das judenfeindliche Übergriffe und Angriffe im Auge hat und die Opfer unterstützt. Schon seit den 90er Jahren würden in Israel Angriffe auf Juden verübt, und in den meisten Fällen kämen die Täter aus den früheren Sowjetrepubliken, sagt Gilitschinski.

Eine Millionen Sowjets

Gemäss dem israelischen Einwanderungsministerium liessen sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den frühen 90er Jahren mehr als eine Million Einwanderer in Israel nieder.

Das israelische Gesetz räumt ihnen das Recht auf «Rückkehr» ein, weil sie selbst, ihre Eltern oder ihre Grosseltern jüdisch sind, wie Gilitschinski sagt. Dabei würden sich mehr als 300 000 von ihnen selbst gar nicht als Juden betrachten.

In ihrer Heimat, den früheren Sowjetrepubliken, hätten diese Menschen ein schlechtes Bild von den Juden bekommen, denn dort sei der Antisemitismus besonders stark, sagt Gilitschinski. «Alles in allem gibt es in Israel mehrere hundert Neonazis.»

Behörden schauen weg

Das Dmir-Zentrum verzeichnet im Jahr an die fünfhundert Zwischenfälle, wie der Leiter der Einrichtung sagt. Aber die israelischen Behörden schauten bei solchen Angriffen einfach weg.

«Israel ist schnell damit bei der Hand, Judenfeindlichkeit im Ausland zu kritisieren. Zu Antisemitismus im eigenen Land sagt es nichts.» Tatsächlich nennen weder die Polizei noch die Justiz noch das Innenministerium Zahlen dazu.

Im israelischen Gesetz sei Antisemitismus nicht einmal verboten, sagt Gilitschinski - die Abgeordneten hätten sich früher nämlich gar nicht vorstellen können, dass es ausgerechnet im Staat der Juden dazu kommen könnte.

«Vandalismus»

«Wir haben nicht einmal die Möglichkeit, einen Zwischenfall in Israel als judenfeindlich zu definieren», sagt ein Mitarbeiter des Justizministeriums, der nicht namentlich genannt werden will. «Das fällt alles unter den allgemeinen Begriff Vandalismus.»

Der bislang schlimmste Vorfall geht auf den Mai 2005 zurück: Damals verwüsteten unbekannte Täter die Synagoge von Petah Tikwa, einem Vorort von Tel Aviv, und hinterliessen judenfeindliche Schmierereien.

Kurz darauf musste sich ein Soldat verantworten. Er hatte die erste Neonazi-Seite Israels ins Internet gestellt, die unter anderem einen Link zum Text von Adolf Hitlers «Mein Kampf» enthielt. Der Mann wurde zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

(von Ron Bousso, AFP/sda)

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