Studie attestiert hohes Vertrauen
Justiz hat ein Imageproblem
publiziert: Samstag, 20. Feb 2016 / 12:23 Uhr
Eine Demokratie funktioniert nicht ohne Vertrauen in die Justiz.
Eine Demokratie funktioniert nicht ohne Vertrauen in die Justiz.

Zürich - Die Schweizer Justiz hat gemäss einer Studie trotz hohem Vertrauen durch die Bevölkerung ein Imageproblem. Die Gerichte sollten deshalb nach den Worten des Politik- und Verwaltungswissenschaftlers Christof Schwenkel aktiver über ihre Arbeit informieren.

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Schwenkel äusserte sich in einem Interview des «Tages-Anzeigers» zu den Ergebnissen seines vierjährigen Forschungsprogramms zur Justiz, in dessen Rahmen er fast 3500 Befragungen durchgeführt hatte.

Dass die Gerichte von fast der Hälfte der Befragten sehr gut bewertet wurden, sei erfreulich. Dies könne beispielsweise mit der hohen Rechtssicherheit und tiefen Korruption in der Schweiz erklärt werden. Aber auch damit, dass die Gerichte in den Kantonen wohl grundsätzlich keine schlechte Arbeit leisteten, sagte Schwenkel.

«Trotz hohem Vertrauen der Bevölkerung in die Gerichte hat die Justiz ein Imageproblem», sagte der Verwaltungswissenschaftler weiter. Dies hänge mit der medialen Berichterstattung über Gerichtsfälle zusammen. Seine Studie zeige, dass eine umfassende negative Medienberichterstattung über die Justiz in einem Kanton dem Vertrauen in die Gerichte schade. Auch der aktuelle Abstimmungskampf über die Durchsetzungsinitiative dürfte nicht spurlos an den Gerichten vorbeigehen.

Verbessete Informationspolitik gefordert

Verbessert werden sollte aus der Sicht von Schwenkel die Informationspolitik der Gerichte. Denn rund 60 Prozent der Bevölkerung fühle sich heute sehr schlecht oder eher schlecht über die Gerichte im eigenen Kanton informiert.

«Die Gerichte sollten unbedingt aktiver über ihre Arbeit informieren, eine professionelle Medienarbeit und Krisenkommunikation betreiben», sage Schwenkel. Das Vertrauen könne zudem dadurch gestärkt werden, dass sich die Gerichte als Dienstleistungsbetrieb verstünden und sich darum bemühten, die hohe Zufriedenheit von Personen mit Gerichtskontakten aufrechtzuerhalten.

Ein gesundes Mass an Misstrauen gegenüber den politischen Institutionen tue einer Demokratie zunächst einmal gut und sei auch notwendig. «Würde das Vertrauen in die Justiz aber bröckeln, würde dies dann problematisch, wenn Gesetze nicht mehr beachtet und Entscheide der Gerichte nicht mehr akzeptiert werden», sagte Schwenkel weiter. Die Justiz könnte ihre wichtige Rolle im demokratischen System - Stichwort Gewaltenteilung - nicht mehr einnehmen.

(bert/sda)

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