Justizministerin sieht Versäumnisse in Amstetten
publiziert: Mittwoch, 7. Mai 2008 / 14:09 Uhr

Wien - Im Inzestfall von Amstetten hat erstmals ein Mitglied der österreichischen Regierung Versäumnisse der Behörden eingeräumt. «Bei allem, was wir bisher wissen, sehe ich eine gewisse Leichtgläubigkeit», sagte Justizministerin Maria Berger.

Justizministerin Maria Berger hat diese Woche einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor Gewalt vorgelegt.
Justizministerin Maria Berger hat diese Woche einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor Gewalt vorgelegt.
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Berger bezog sich darauf, dass der Verdächtige behauptet hatte, seine 1984 verschwundene Tochter sei in einer Sekte untergetaucht. «Heute würde man dem sicher genauer nachgehen», sagte Berger der Wiener Tageszeitung «Der Standard».

Die Ministerin hat diese Woche einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor Gewalt vorgelegt. So soll bei länger andauernden Gewalttaten der Strafrahmen auf zehn bis 20 Jahre Haft erhöht werden. Sexualstraftäter sollen zu Therapien verpflichtet werden und die Auflage erhalten, sich Schulen und Kindergärten fernzuhalten.

Der Beschuldigte im Inzest-Fall von Amstetten ist erstmals von der für den Fall zuständigen Staatsanwältin einvernommen worden. Im Polizeiverhör hatte der Mann gestanden, seine Tochter 24 Jahre in einem Verlies im Keller seines Haus eingesperrt und sieben Kinder mit ihr gezeugt zu haben.

«Ich bin kein Monster»

Er beklagte sich über die seiner Meinung nach «einseitige» Berichterstattung über seine Taten. «Ich bin kein Monster», erklärte der Beschuldigte in einer von seinem Anwalt Rudolf Mayer übermittelten Botschaft an die Zeitung «Österreich». «Ich hätte ja alle töten können - dann wäre nichts gewesen. Niemand wäre mir draufgekommen», hiess es in der Erklärung weiter.

Seit 28. April sitzt der 73-Jährige im Gefängnis von St. Pölten. Ihm drohen 15 Jahre Haft wegen Entführung und Vergewaltigung, sowie möglicherweise lebenslänglich wegen Mordes durch Unterlassen an einem siebten Kind, das kurz nach seiner Geburt gestorben war. Sein Anwalt will nach eigenen Angaben auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren.

(fest/sda)

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