Kafkas Porno-Hefte als Marketing-Gag
publiziert: Freitag, 8. Aug 2008 / 08:39 Uhr

Hamburg - Berichte über eine Pornosammlung von Franz Kafka sind nach Ansicht seines Biografen Reiner Stach ein «Marketing-Gag» für ein Buch des Briten James Hawes.

Nix Neues über Franz Kafka: Er war kein Heiliger, so ein Experte.
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«Es ist keine Entdeckung. Diese Zeitschriften sind keine Pornosammlung», sagte Stach der deutschen Presse-Agentur dpa. Dass Kafka (1883-1924) Magazine mit pornografischen Darstellungen besessen habe, sei weder neu, noch habe Kafka bisher als keusch oder heilig gegolten.

Unter anderem hatte die «Times» unter Verweis auf das bald erscheinende Hawes-Buch geschrieben, nun würden Kafkas Pornos aus dem Schrank geholt. «Das Ganze kommt mir vor wie ein unglaublicher Marketing-Gag, der auch funktioniert», sagte Stach.

Harmlose Zeichnungen

Es sei längst bekannt, dass Kafka als 24-Jähriger zusammen mit seinem Freund Max Brod die Magazine «Amethyst» und «Opale» abonniert gehabt habe. Ausser Texten enthielten sie auch Bilder.

«Es waren zwar pornografische Darstellungen dabei, aber Sie dürfen sich das nicht so vorstellen wie die harte Pornografie heute. Das sind Zeichnungen, keine Fotos. Das sind spielerische Darstellungen, die haben zum Teil karikaturistischen Wert», sagte Stach.

Kafka habe sie auch nicht streng versteckt, sondern in seinem Bücherschrank gelagert. Dass er diesen abschloss, begründete er 1907 in einem Brief an Brod ganz anders: In dem Schrank lag auch sein Sparbuch, und von dem durfte seine Familie nichts wissen.

Längst bekannt

Die Existenz der Hefte sei auch keineswegs von Biografen verschämt verschwiegen worden. Klaus Wagenbach habe schon vor 50 Jahren darüber geschrieben. «Auch ich werde natürlich in dem Band, der jetzt noch kommt, darüber schreiben - aber so bedeutend scheint mir das wirklich nicht», sagte Stach.

Er legte bisher zwei Bände über Kafka vor. Den dritten über seine Jugend stellte er zurück, bis wichtige zusätzliche Quellen zugänglich sind.

Auch das Kafka-Bild, das Hawes unterstelle, stimme nicht, sagte Stach. Spätestens seit den 50er Jahren stehe Kafka nicht mehr auf einem Heiligensockel. Beispielsweise seien Kafkas Bordellbesuche längst thematisiert worden.

(fest/sda)

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