Kampf gegen Zwangsheiraten wird verstärkt
publiziert: Freitag, 14. Sep 2012 / 12:34 Uhr
In der Schweiz gibt es nach wie vor viele Zwangsheiraten. (Symbolbild)
In der Schweiz gibt es nach wie vor viele Zwangsheiraten. (Symbolbild)

Bern - Der Bundesrat will mehr gegen Zwangsheiraten unternehmen. Bis zum Jahr 2018 sollen in allen Regionen der Schweiz «Netzwerke gegen Zwangsheiraten» bestehen, die mögliche Opfer sensibilisieren und ihnen wenn nötig Schutz bieten - etwa in einem Frauenhaus.

5 Meldungen im Zusammenhang
Das Programm «Bekämpfung Zwangsheirat» kostet für die Jahre 2013 bis 2018 insgesamt 2 Millionen Franken, wie der Bundesrat am Freitag mitteilte. Das Geld stammt aus den bestehenden Krediten des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements (EJPD).

In den Netzwerken sollen Lehrpersonen, Berufsleute und Beratungsstellen in den Bereichen häusliche Gewalt und Integration zusammenarbeiten und sich regelmässig austauschen. Ziel seien Präventionsmassnahmen für Opfer und Täter sowie ein besserer Schutz der Frauen im Ernstfall, schreibt der Bundesrat.

Die Massnahmen sind eine Ergänzung zum neuen Gesetz über Zwangsheiraten, das das Parlament im vergangenen Juni verabschiedet hat. Darin ist zum Beispiel neu verankert, dass erzwungene Ehen ungültig sind. Wer jemanden zu einer Ehe nötigt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Die Räte hatten zudem mehrere Vorstösse überwiesen, die den Bundesrat zum Handeln aufforderten.

Täglich sind junge Frauen in Not

Zwangsheiraten sind in der Schweiz nach wie vor an der Tagesordnung: Gemäss einer Studie der Universität Neuenburg wurden in den vergangenen zwei Jahren rund 1400 junge Frauen von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, zu heiraten, eine Liebesbeziehung zu beenden oder auf eine Scheidung zu verzichten. Justizministerin Simonetta Sommaruga hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben und im vergangenen August der Öffentlichkeit vorgestellt.

Eigentliche Zwangsheiraten, bei welchen eine Person unter Druck gesetzt wird, eine ungewollte Heirat zu akzeptieren, machen in der Schweiz den kleinsten Anteil aus: Die Forscherinnen zählten 348 Fälle.

Es gibt jedoch auch andere Zwangssituationen. In 384 Fällen wurde eine junge Frau unter Druck gesetzt, eine selbst gewählte Liebesbeziehung zu beenden. Und in 659 Fällen musste eine Person auf ihr Begehren nach einer Scheidung verzichten.

Ausländerinnen betroffen

Die Zwangsheirat und die verbotene Liebesbeziehung betreffen vor allem junge Frauen ausländischer Herkunft zwischen 18 und 25 Jahren. Die meisten stammen aus den Balkanländern, aus der Türkei und aus Sri Lanka. Auf Scheidungen verzichten müssen vor allem über 25-jährige, im Ausland geborene Frauen, die wirtschaftlich von ihrem Ehemann abhängig sind und deren Aufenthaltsstatus unsicher ist.

Das nun präsentierte Programm stützt sich auf die Ergebnisse der Neuenburger Studie. Die Forscherinnen empfahlen dem Bundesrat, die Formen der Zwangsheiraten als häusliche Gewalt zu beurteilen und entsprechend zu handeln.

Die Studie habe die Annahme bestätigt, dass viele Betroffene einen Migrationshintergrund haben, schreibt der Bundesrat in seinem Bericht ans Parlament. Das Phänomen sei aber nicht mit Kultur im eigentlichen Sinne zu erklären, sondern es weise wichtige Parallelen zur Problematik der häuslichen Gewalt auf.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Verfolgung von Zwangsheiraten wird ab Juli 2013 verschärft. Der Bundesrat hat am Mittwoch das entsprechende ... mehr lesen
Zwangsheiraten sollen künftig strenger geahndet werden.
Gut die Hälfte aller Gewaltdelikte in den eigenen vier Wänden ereignen sich in einer aktuellen Partnerschaft.
Neuenburg - Die Fälle häuslicher Gewalt sind im Zeitraum von 2009 bis 2011 um 7,3 Prozent zurückgegangen. Um ein Viertel ... mehr lesen
Bern - Zwangsheiraten in der Schweiz sind keine Einzelfälle: In den vergangenen zwei Jahren wurden gemäss einer Studie rund 1400 junge Frauen von ihrer Umgebung unter ... mehr lesen
In der Schweiz gibt es immer noch zu viele Fälle von Zwangsheiraten.
Bern - Zwangsheiraten werden in der Schweiz nicht mehr toleriert. Wie der ... mehr lesen
Das Strafen für Zwangsehen werden verschärft.
Insgesamt sind von September 2013 bis Ende August dieses Jahres 153'122 Ausländerinnen und Ausländer in die Schweiz eingewandert. (Symbolbild)
Insgesamt sind von September 2013 bis Ende August ...
Ausländerstatistik  Bern - Ende August haben 1,924 Millionen Menschen ohne Schweizer Pass dauerhaft in der Schweiz gelebt. Die Zahl der Ausländerinnen und Ausländerinnen stieg innert zwölf Monaten um 59'430 Personen. Das entspricht einer Zunahme um 3,2 Prozent. 
28 Prozent provozieren und beleidigen  London/Vösendorf - Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der amerikanischen Internetnutzer war bereits einmal im Netz als Troll unterwegs, hat also ...  
Troll: Das Online-Pendant hat viele Gesichter.
World Vision unterstützt die Bevölkerung mit sanitären Hilfsmitteln bei der Bekämpfung des Ebola-Virus.
World Vision World Vision unterstützt Kampf gegen Virus  Bereits 4'500 Menschen fielen dem Ebola-Virus zum Opfer. Es gibt aber auch erfreuliche ...  
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 6°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 5°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 7°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 7°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 8°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 10°C 16°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten