Kann Geoengineering das Klimaproblem lösen?
publiziert: Donnerstag, 6. Dez 2012 / 14:47 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 6. Dez 2012 / 17:51 Uhr
Miriam Kübbeler ist Doktorandin im Bereich Zirrusmodellierung in der Professur für Atmosphärenphysik der ETH Zürich.
Miriam Kübbeler ist Doktorandin im Bereich Zirrusmodellierung in der Professur für Atmosphärenphysik der ETH Zürich.

Zurzeit läuft die 18. UN-Klimakonferenz COP 18 in Katar. Wir alle hoffen, dass endlich eine verbindliche Nachfolgeregelung für das ausgelaufene Kyoto-Protokoll vereinbart wird. Die häufigen Rückschläge in den Klimaverhandlungen der letzten Jahre haben den öffentlichen und politischen Diskussionen um Geoengineering Schub verliehen. Kann Geoengineering das Klimaproblem lösen, falls die Staaten keine Vereinbarung finden?

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Unter Geoengineering versteht man das vorsätzliche Eingreifen des Menschen in das Klimasystem mit dem Ziel, den Klimawandel zu stoppen. Daher gilt Geoengineering neben Emissionsreduktionen als weitere Möglichkeit, das Klimaproblem anzugehen. Obwohl es eine ganze Reihe von theoretischen Überlegungen zu Geoengineering gibt, konzentrieren wir uns hier auf eine der bekanntesten Methoden: das Einbringen von Sulfat-Aerosolen in die Stratosphäre. Diese Technik zielt darauf ab, die Einstrahlung der Sonne zu reduzieren und somit die Erdatmosphäre zu kühlen.

Nebeneffekte von Sulfat-Geoengineering

Kann Sulfat-Geoengineering tatsächlich das Klimaproblem lösen? Und wenn ja, zu welchem Preis? Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Sulfat-Geoengineering zwar das Klima kühlen kann, dass jedoch ungewiss ist, wie viel Sulfat man dafür benötigen würde. Es könnte daher sein, dass wir mit Sulfat-Geoengineering das Klima zu wenig oder zu stark kühlen. Weitere bisher erwiesene Nebeneffekte wären der Abbau von Ozon und somit eine verzögerte Erholung des Ozonlochs, sowie ein verringerter Monsun in Indien und Afrika. Letzteres könnte in diesen Ländern eine lebensbedrohende Lebensmittelknappheit auslösen.

Sulfat-Geoengineering beeinflusst Wolken

Auch unsere Forschungsgruppe beschäftigt sich mit dem Thema Geoengineering. Unter anderem haben wir herausgefunden, dass Sulfat-Geoengineering Wolken beeinflussen kann: Zirruswolken, die nur aus Eis bestehen und oft als Schleierwolken hoch oben am Himmel zu sehen sind, würden bei Sulfat-Geoengineering aus weniger Eiskristallen gebildet.

Nun könnte man denken: Ist doch nicht so wichtig, ob in Zirruswolken 50 oder 100 Eiskristalle in einem Kubikmeter Luft zu finden sind. Doch, es ist wichtig: Die Anzahl Eiskristalle bestimmt darüber, ob Zirruswolken unsere Erdatmosphäre wärmen oder kühlen. Wenn weniger Eiskristalle vorhanden sind, werden Zirruswolken zunehmend kühlen.

Können wir jemals alle Risiken abschätzen?

Natürlich könnten Geoengineering-Befürworter unsere Untersuchungen nun positiv auslegen und sagen, dass der Einfluss von Sulfat-Geoengineering auf Zirruswolken die gewünschte Abkühlung noch verstärkt. Unser Anliegen ist jedoch ein anderes: Wir möchten viel mehr darauf aufmerksam machen, dass mit dem Thema Sulfat-Geoengineering noch immer grosse Unsicherheiten verbunden sind. Bisher hatte man nur spekuliert, ob es solche Einflüsse auf Zirruswolken gibt, nun haben wir gezeigt, dass dem so ist. Was jedoch ist mit all den andern Nebeneffekten, über die wir noch nicht einmal spekuliert haben?

Wie viele und welche unerwünschten Effekte Geoengineering mit sich bringt, wird niemals vollständig zu ermitteln sein mit theoretischen Überlegungen und Klimamodellen. Erst, wenn man tatsächlich Sulfat in die Stratosphäre einbringt, wird man das Ausmass der Auswirkungen abschätzen können. Dann jedoch ist es vermutlich zu spät, um sich auf unerwünschte Nebeneffekte einzustellen.

(Doktorandin Miriam Kübbeler/ETH-Zukunftsblog)

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