Kantonspolizei verlangt Auskunft von Berlin im Mordfall Lenzlinger
publiziert: Samstag, 4. Okt 2003 / 16:25 Uhr

Zürich - Der bislang nicht aufgeklärte Mord am Zürcher Flüchtlingshelfer Hans Ulrich Lenzlinger vor bald 25 Jahren lässt die Zürcher Kantonspolizei nicht ruhen: Sie stellte dem deutschen Bundeskriminalamt via Interpol ein Auskunftsbegehren.

Über Zeitungsberichte waren die Zürcher Kriminalpolizisten Ende September auf die Festnahme eines mutmasslichen DDR-Auftragsmörders in Deutschland aufmerksam geworden. Der Sprecher der Kantonspolizei, Karl Steiner, bestätigte entsprechende Vorabdrucke der SonntagsZeitung und des deutschen Nachrichtenmagazins Focus.

Der festgenommene 53-Jährige soll zwischen 1976 und 1987 mehrere Menschen im staatlichen Auftrag umgebracht haben. Zeitmässig würde das in die Zeit Lenzlingers passen, sagte Steiner. Mit dem Auskunftsbegehren wollen die Zürcher Polizisten nun in Erfahrung bringen, wo die deutschen Kollegen mit ihren Ermittlungen stehen.

Sollten sich Hinweise ergeben, wonach der Festgenommen als ein möglicher Täter im Falle Lenzlinger in Frage käme, würde die Zürcher Kantonspolizei als nächsten Schritt ein Rechtshilfegesuch stellen.

Lenzlinger wurde am 5. Februar 1979 in seiner Zürcher Villa mit mehreren Schüssen getötet. Er galt als schillernde Figur. Bekannt wurde er als Fluchthelfer für Menschen aus den Ostblockstaaten. In Zürich erregte er auch als Halter von mehreren Wildkatzen in einem Wohnquartier Aufmerksamkeit.

Die Untersuchung des nie geklärten Mordes war im November 1997 einstweilig wieder eingestellt worden. Damals hatte ein Rechtshilfeersuchen an Belgien im Zusammenhang mit dem Fall Dutroux nichts ergeben. Bis ins Jahr 2009 haben die Behörden Zeit, den Mord an Lenzlinger aufzuklären. Dann verjährt der Fall.

(tr/sda)

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