Katastrophen vertreiben 72 Mio. Menschen
publiziert: Dienstag, 16. Okt 2012 / 16:59 Uhr
Auf der Flucht. (Symbolbild)
Auf der Flucht. (Symbolbild)

Genf - Katastrophen und Konflikte treiben Jahr für Jahr Hunderttausende von Menschen in die Flucht. Derzeit sind weltweit mehr als 72 Millionen Kinder, Frauen und Männer Vertriebene - mindestens einer von jeweils 100 Erdbewohnern sah sich irgendwann zur Emigration gezwungen.

Gemeinnützige internationale Hilfsorganisation
4 Meldungen im Zusammenhang
Das geht aus dem Weltkatastrophenbericht hervor, der am Dienstag von der Föderation der Rotkreuz- und Roter Halbmond-Gesellschaften (IFRC) in Genf veröffentlicht wurde. Im vergangenen Jahr verloren den Angaben zufolge rund 31'000 Menschen durch Naturkatastrophen ihr Leben. Das seien aber weniger als früher.

In dem Bericht beklagen die humanitären Organisationen, Politiker vieler Länder würden immer öfter wegschauen, wenn Vertriebene und Flüchtende Hilfe nötig hätten.

«Die steigende Zahl von Vertriebenen stellt eine Herausforderung für die humanitäre Hilfe dar», erklärte IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta. Die Ursachen für erzwungene Migration seien vielfältig. Sie reichten von politischen Unruhen über blutige Bürgerkriege - wie in Somalia und derzeit vor allem in Syrien - und Naturkatastrophen bis hin zu den Folgen des Klimawandels.

Auch manche Entwicklungsprojekten wie Staudammbauten, die ohne Rücksicht auf davon unmittelbar betroffene Bevölkerungsgruppen durchgesetzt würden, zwingen laut IFRC Millionen von Menschen zum Verlassen ihrer Heimat.

Tsunami grösste Naturkatastrophe

Aus der Opferbilanz des IFRC-Berichts geht hervor, dass 2011 insgesamt 31'105 Menschen durch Naturkatastrophen ums Leben kamen - mehr als 19'000 fielen alleine dem Tsunami in Japan zum Opfer. Hinzu kommen Tausende Todesopfer technischer Katastrophen wie Schiffs- oder Flugzeugunglücke.

Insgesamt seien 2011 aber weniger Menschen durch Katastrophen umgekommen als in anderen Jahren. Die Zahl von 336 Naturkatastrophen sei 2011 die geringste der vergangenen zehn Jahre gewesen und habe um 15 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt gelegen.

Hinsichtlich der verursachten Schäden war 2011 jedoch mit einem Umfang von 365,5 Milliarden Dollar (rund 341 Milliarden Franken) das teuerste der vergangenen zehn Jahre. Deutlich mehr als die Hälfte der Schadenskosten - 210 Milliarden Dollar - seien allein durch die Folgen des Tsunami in Japan im März 2011 und das dadurch ausgelöste Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima entstanden.

Frühwarnsysteme gefordert

Die Kosten, die der internationalen Gemeinschaft bei der Hilfe für Zwangsmigranten entstehen, bezifferte der IFRC-Generalsekretär auf acht Milliarden Dollar pro Jahr (rund 7,47 Milliarden Franken). Angesichts des enormen menschlichen Leids, das mit Flucht und Vertreibung einhergehe, seien grössere und entschlossenere Hilfsaktionen als in der Vergangenheit erforderlich.

Wichtig seien dabei auch Massnahmen zur Verhinderung oder zumindest rechtzeitigen Warnung vor Naturkatastrophen wie Tsunamis oder auch vor Missernten, die zu Hungersnöten und Massenfluchten führen. Besorgniserregend sei auch, dass immer mehr Flüchtende versuchten, sich in städtischen Ballungsgebieten durchzuschlagen.

So nehme das Wachstum von Slums weiter zu. Die Experten sprechen von einer «sekundären Katastrophe» durch das Entstehen grosser Elendsviertel selbst in Gegenden, die wegen Überschwemmungsgefahr oder anderer potenzieller Katastrophen nicht als Siedlungsgebiete geeignet seien.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Genf - Fast 10'000 Menschen sind bei Natur- und Technikkatastrophen im Jahr 2012 weltweit getötet worden. Dies war der tiefste ... mehr lesen
«Bopha» zerstörte im letzten Dezember auf den Philippinen etwa 70'000 Häuser.
Genf - Wegen zahlreicher neuer Flüchtlingskrisen kommt das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge ... mehr lesen
Das UNHCR muss sparen. (Archivbild)
Die erwarteten 710'000 Flüchtlinge sind fast viermal so viel, wie noch im Juni vorhergesagt worden war.
New York - Die Zahl der Flüchtlinge ... mehr lesen
Gemeinnützige internationale Hilfsorganisation
Plan ist ein unabhängiges Hilfswerk, das sich weltweit für benachteiligte Kinder und deren Familien stark macht.
Die Not der Menschen im Irak ist gross - auch Kinder leiden.
Die Not der Menschen im Irak ist gross - ...
Spendenaufruf  New York - Für die notleidenden Menschen im Irak erbitten die Vereinten Nationen 2,2 Milliarden Dollar (2,1 Mrd. Franken) an Spenden von ihren Mitgliedsländern. Der nicht bindende Spendenaufruf ging am Donnerstag an die 193 Mitgliedsländer. Laut UNO sind im Irak 5,2 Millionen Menschen in Not. 
Syrien und Irak: Was Ihre Spenden vor Ort bewirken Die Hilfsmassnahmen von World Vision erreichen rund 700'000 Notleidende ...
Flüchtlingzahlen steigen weiter an Die Gewalt im Nordirak und in Syrien treibt täglich tausende Menschen in die Flucht. ...
Flüchtlinge im Irak: Es fehlt am Nötigsten Tausende Flüchtlingsfamilien im Nordirak leben unter schwierigsten Umständen in ...
Ebola-Epidemie  Brüssel - Der Zyprer Christos Stylianides, neuer EU-Kommissar für Humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung, ist auch neuer ...
Christos Stylianides soll die Hilfsangebote der EU-Länder aufeinander abstimmen.
Einreisekontrollen wird es an Schweizer Flughäfen weiterhin nicht geben. (Symbolbild)
Bundesrat hält sich über Ebola auf dem Laufenden Bern - Der Bundesrat hat sich an seiner wöchentlichen Sitzung am Mittwoch über den Stand der Vorbereitungen in der Schweiz ...
US-Regierung verschärft Bestimmungen für Reisende aus Ebola-Ländern Genf/Washington - Passagiere aus westafrikanischen ...
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 4°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 4°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 4°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 4°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 7°C 14°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 6°C 16°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten