Katholische «Speerspitze des würdigen Sterbens»
publiziert: Mittwoch, 1. Aug 2012 / 21:34 Uhr
Wirkungsfeld der Ostschweizer «Mutter Theresa»: Kantonsspital St. Gallen
Wirkungsfeld der Ostschweizer «Mutter Theresa»: Kantonsspital St. Gallen

Die Psychoonkologie am Kantonsspital St. Gallen findet schweizweit Beachtung. Deren Leiterin, Monika Renz, ist Psychologin und katholische Theologin. Sie praktiziert unter der Fachbe­zeichnung Palliativtherapie christliche Leidens- und Erlösungsseelsorge - Nichtgläubige seien vor dieser Mutter Theresa aus der Ostschweiz gewarnt.

Palliative Medizin heisst das neue Zauberwort: Schmerzlinderung und Begleitung Sterbender, wer könnte da schon etwas dagegen haben. Die Weltgesundheitsorganisation definiert «Palliative Care» ja auch als «aktive und ganzheitliche Behandlung von Patienten, die an einer fortschreitenden Erkran­kung mit einer begrenzten Lebenserwartung leiden. Hierbei besitzt die Beherrschung von Krank­heitsbeschwerden und die psychologische, soziale und auch seelsorgerische Betreuung höchste Priorität.» So weit so gut. Wenn jemand also am Ende des Leidensweges noch bei Sinnen ist, dann kann er oder sie vielleicht noch mitreden, ob es nun psychologische oder soziale oder seelsorgerische Be­treuung sein soll.

Aber was, wenn man sich nicht mehr äussern kann? Was wenn sich eine Person in dieser Situation in der Onkologie in St. Gallen befindet? Dort, wo sich unter dem Namen der Pal­liativtherapie katholische Seelsorge eingenistet hat? Liegt ihr Sterben dann in den Händen von jemandem wie Monika Renz, die überzeugt ist, dass einem gerade die «Ohnmacht im Sterben» Erlebnisse ermögliche, die auf das Jenseits vorbereiten und deshalb unverzichtbar seien? Dabei ist sie der Ansicht, dass wir «Sterbende oft nicht logisch, sondern nur analogisch verstehen» können, dass deren Aussagen ge­deutet werden müssen - und wer versteht sich darauf am besten? Natürlich Monika Renz, die sich als Palliativ-Expertin für die «Menschenwürde» stark macht, welche ihrer Meinung nach im Wesentli­chen im «Bezug des Menschen zu seinem Schöpfer» besteht. Sie erklärt den Angehörigen etwa, wie sich die sterbende Person fühlt und was sie sagen will, wenn sie auf Renz' Fragen «Ahhh» oder «So» stöhnt. Sie könne das «ausdeutschen» und «Gesten, vertiefte Atmung und Verdauungsgeräusche» als Erfolg ihrer «Intervention» interpretieren und damit am Sterbebett noch «Familienprozesse klären». Aber wer weiss, vielleicht heisst das gestöhnte «Ahhh» oder «So» ja auch: «Ahhh, hören Sie auf mit dieser Fragerei» oder «So, gehen Sie jetzt end­lich, damit ich in Ruhe sterben kann». Sind doch - wie Monika Renz selber feststellt - «komatöse und sterbende Menschen auditiv oft ansprechbar und sensibel».

Monika Renz weiss aber noch mehr: «Das Leiden sieht von aussen oft schlimmer aus, als es sich in­nerlich anfühlt. Sterbende lassen irgendwann die Ich-Befindlichkeit mit Ängsten und Bedürfnissen hinter sich. Sie geraten in einen Zustand wie ausserhalb des Ichs. Von ihnen geht dann eine ein­drückliche Atmosphäre aus.» Auch wenn das «oft» noch die Möglichkeit zulässt, dass es genauso oft auch anders sein könnte - Monika Renz scheut sich nicht, ihre theologisch geschulte Interpretation den Angehörigen als Tatsache zu präsentieren.

Als wichtigste persönliche Leistung bezeichnet Monika Renz eine «unter grossen Schmerzen durch­wachte Nacht. Nur Zählen habe in ihrer körperlichen Erstarrung geholfen, bis zum Morgen auszu­halten - und letztlich auch die Bereitschaft, sich in Krankheit und Unbekanntes hinein, aber auch in Richtung eines 'grösseren Du', loszulassen.» Aus dieser persönlichen Leidenserfahrung fühlt sie sich berufen, das Leiden anderer Menschen zu interpretieren und ihnen das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende abzusprechen. Das erinnert fatal an Berichte über Mutter Theresa, die in Kalkutta Spendengelder nicht etwa für das Leiden mildernde Medikamente ausgegeben haben soll, sondern im Gegenteil gemeint habe, die Patienten seien durch ihr Leiden näher beim ihrem christlichen Gott.

Seit 1998 ist Monika Renz an vielen Betten gesessen und hat «Zeugnisse Sterbender» protokol­liert. Woher nimmt sie die Gewissheit, dass sie wirklich immer willkommen war? Wussten alle die Patienten, dass sie ihr als Studienobjekt dienten? Hatten sie je eine Chance, dies abzulehnen?

Palliative Pflege ist wichtig und richtig. Aber wenn die eigenen Selbstbestim­mungsmöglichkeiten schwinden muss gewährleistet sein, dass man nicht hilflos jemandem wie Monika Renz ausgeliefert ist, die verkündet: «Wer noch im Sterben auf Selbstbestimmung pocht, macht sich selber unglücklich.» Sie und ihre Abteilung lassen sich als «Speerspitze des würdigen Sterbens» bezeichnen - Nichtgläubige seien vor dieser Mutter Theresa aus der Ostschweiz gewarnt.

(Reta Caspar/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Sexuelle Belästigung: «Frauen sollten sich deshalb niemals der Illusion hingeben, gleichzeitig beschützt und frei zu sein.»
Sexuelle Belästigung: «Frauen sollten sich deshalb ...
Die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln und in anderen Städten geben einer besonderen Sorte von Zeitgenossinnen und -genossen Auftrieb: Frauenbeschützern, die einheimische Frauen bedroht sehen von einfallenden Horden junger Männer und deshalb nach paternalistischen Massnahmen rufen. mehr lesen 
CDU verschärft Gangart gegen kriminelle Migranten Mainz - Nach den Übergriffen an Silvester in Köln verschärft die ... 1
Sexuelle Belästigung auch in Zürich Zürich - Nach Medienberichten aus Deutschland über Diebstähle und sexuelle Übergriffe ...
Keine Sorge, sie ist nur für Medien ansteckend und bald vorüber, die weihnachtliche Mediengrippe. Die wahre frohe Botschaft zum Jahresende lautet: Es begab sich am 10. Dezember 1948 ... mehr lesen 2
Seit 1948 ein Grund im Dezember zu feiern: Universelle Erklärung der Menschenrechte.
Alternative Nobelpreise ehren vier Kämpfer für Menschenrechte Stockholm - Erstmals sind am Montag in Stockholm Preisträger aus Uganda und Italien mit ...
Der italienische Arzt Gino Strada bekam die Auszeichnung für seine Versorgung von Menschen in Konfliktgebieten.
Typisch Schweiz Bäckerei Zürrer (1957) Wieder mal Zeit für einen Schweizer Kultstreifen, um nicht zu sagen ...
Shopping Eis am Stiel 3 Weil das Wetter draussen so garstig ist, wärmt dieser heisse Streifen besser als jedes Kaminfeuer. Bei der «Eis am Stiel»-Reihe handelte es sich um äusserst erfolgreiche israelische ...
Sony Walkman Anzeige aus den 80er Jahren.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Als Sozialdemokraten gewählt, als Regierende Sozialdemokratie abgewählt: Hartz-IV Architekten Schröder und Clement.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Filter-Bubbles können radikalisieren. (Screenshot des verlinkten TED-Talks)
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Chinesische Marken zum neuen Jahr: Affenmässig schnell ausverkauft.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Ein klares nein zum Darbellayer «Geschenk» ist nötig.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Wettbewerb
   
Die geladenen Gäste werden eine Fahrt durch den mit 57 Kilometern längsten Bahntunnel der Welt machen.
Gotthard-Basistunnel  Bern - 160'000 Personen haben sich bis zum Ablauf des Wettbewerbs für Fahrkarten in jenen beiden Zügen beworben, die am 1. ...
Eröffnungsfahrt zu gewinnen  Bern - Wer am 1. Juni 2016 in einem der beiden Züge, die den Gotthard-Basistunnel eröffnen, mitfahren will, kann sich nun um Fahrkarten bewerben. ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SO MO DI MI DO FR
Zürich 3°C 3°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Basel 2°C 3°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
St.Gallen 5°C 6°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Bern 6°C 7°C bewölkt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Luzern 4°C 8°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Genf 6°C 7°C bedeckt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Lugano 4°C 5°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten