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Kein Geld, keine Hoffnung - eine Zeltstadt im Gazastreifen
publiziert: Freitag, 25. Dez 2009 / 19:44 Uhr / aktualisiert: Freitag, 25. Dez 2009 / 20:06 Uhr

Es ist ein grauer, nasskalter Dezembertag im Gazastreifen. Barfuss springen kleine, ziemlich verwahrlost wirkende Kinder immer wieder in eine tiefe Regenpfütze.

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Viele empfinden Wut nicht nur auf Israel, sondern auch auf die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation.
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Die Eltern in den umliegenden Zelten kümmert das wenig. Wer in der Zeltstadt von Al-Atatra gestrandet ist, hat die unterste Sprosse auf der sozialen Leiter erreicht: Keine Wohnung, kein Geld, keine Hoffnung.

Saleh Abu Laila vegetiert auf diesem unwirtlichen Flecken Erde mit zwei Frauen und 20 Kindern seit nunmehr knapp einem Jahr. Während des Gaza-Krieges sei sein Haus in Beit Lahija von israelischen Kampfeinheiten zerstört worden, sagt der 52-Jährige.

«Meine Kinder gehen nicht mehr zur Schule, sie haben das Gefühl, keine Zukunft mehr zu haben. Warum sollen sie lernen? Sie verdienen ein besseres Leben. Warum müssen sie leiden?» fragt der gebrochen wirkende Mann.

«Ich bedaure, dass ich Hamas gewählt habe»

«Die Zelte sind sehr kalt im Winter und unerträglich heiss im Sommer. Ich weiss wirklich nicht, was ich machen soll. Ich bete, dass sich alles bald ändert», sagt der Familienvater. Seine Wut richtet sich nicht nur auf Israel, sondern auch auf die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation.

«Ich bedaure noch immer, dass ich Hamas gewählt habe», sagte Abu Leila. «Ich erinnere mich noch an die Tage, als wir in Israel gearbeitet haben und jeden Monat tausende Dollar verdient haben.»

Mit seinem Elend ist Abu Leila im Gazastreifen nicht allein. Hunderte Familien hausen nach Angaben der Vereinten Nationen ein Jahr nach Kriegsbeginn noch in Zelten.

Obwohl die Lage im Grenzgebiet so ruhig wie seit zehn Jahren nicht mehr ist, hält Israel an seiner Blockade des Gazastreifens fest. Erst soll die radikal-islamische Hamas den im Juni 2006 entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit im Zuge eines Gefangenenaustausches freilassen.

Wiederaufbau unmöglich

Die Folgen sind verheerend: Wegen der israelischen Sanktionen sind Importe von Zement, Holz oder Glas für den Wiederaufbau Tausender zerstörter oder beschädigter Häuser nicht möglich. Möbel, Matratzen und sonstiger Hausrat? Fehlanzeige. Und das wenige, was durch Schmugglertunnel kommt, reicht nicht aus und ist zu teuer.

Knapp elf Monate hat Marwan al-Attar mit seiner Familie im Zelt verbracht. Ein Fernseher auf einem Hocker, ein Kühlschrank sowie durchgelegene Matratzen auf dem Boden - die ganze Habe der zehnköpfigen Familie.

«Eine Panzergranate ist in unserem Haus eingeschlagen. Wir haben alle gedacht, wir sterben», erinnert sich der 36-Jährige an die schicksalhafte Nacht im Januar. Da nahm die Katastrophe nämlich ihren Lauf. Auch der Esel wurde getötet.

«Alles nur noch schlechter»

Nachdem Sturm und Regen das Familienzelt unbewohnbar gemacht haben, ist die Familie jetzt in die Ruinen ihres alten Hauses gezogen. Einen Raum hat Vater Marwan notdürftig repariert.

«Ich möchte eine bessere Zukunft für meine Kinder, ich möchte, dass sie wie andere Kinder auf der Welt leben», sagt Al-Attar. «Aber es sieht so aus, als ob mein Traum nie wahr wird. Seit einem Jahr hat sich nichts verändert. Im Gegenteil, es ist alles nur noch schlechter geworden.»

(Hans Dahne, dpa/sda)

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