«Keine Präsenz ohne Honorar»
publiziert: Dienstag, 19. Jan 2016 / 15:06 Uhr
Pure Freude über den Stein: Polo Hofer mit seinem «Schweizer des Jahres»-Award.
Pure Freude über den Stein: Polo Hofer mit seinem «Schweizer des Jahres»-Award.

Polo Hofer, Schweizer Pop-Urgestein, gewann beim letzten Swiss Award, jener Gala, bei der Steine vor dem Veranstaltungsort nicht geschmissen, sondern einer an der Gala selbst an die Hauptpreisträger verteilt wird, den Preis als «Schweizer des Jahres». Da stiess es manchen sauer auf, als sich danach herausstellte, dass er für die Teilnahme ein Honorar (oder Schmerzensgeld?) verlangt hatte.

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Stellen Sie sich mal vor, sie würden zu einer Veranstaltung eingeladen, an der Sie ein Stück auf Plexiglas geklebten Granit bekämen und an der sie sich mit Sven Epiney und Christa Rigozzi unterhalten müssten. Als Alternative könnten Sie an dem Tag auch arbeiten und einen viertel Monatslohn verdienen oder sich entspannen und zurück lehnen. Wie viel würden Sie verlangen, damit Sie den Stein, den sie womöglich gewinnen werden, persönlich abholen würden? Eine tiefe vierstellige Summe wäre wohl keine schlechte Idee.

Nun ist die finanzielle Situation von Herrn Urs Hofer dem Autor nicht bekannt. Er dürfte zwar nicht notleidend sein (vor allem, weil er ja schon seit 5 Jahren die AHV bekommt.), doch Hofer hat eine Karriere in einem winzigen Musikmarkt gemacht, der selbst bei Bestsellern gerade mal ein halbwegs vernünftiges Auskommen ermöglicht. Und 'Alpenrosen' passieren nicht alle Jahre.

Wenn Hofer auf seiner Website gleich als Erstes bei der 'Leider nein..' Rubrik: «Präsenz ohne Honorar» schreibt, dann hat dies vermutlich gute Gründe: Er will Schnorrer fernhalten und. er lebt neben der AHV zumindest bis zu seinem angekündigten Bühnenrücktritt von seinen Auftritten! Sprichwörtlich. Er lebt(e) vielleicht auch für die Auftritte (wer weiss) aber noch viel mehr finanzieren diese seinen Lebensunterhalt.

Es wurde der laut SRF 'niedrige vierstellige Betrag' - unterstellen wir mal Fr. 2500 - natürlich mit Gebührengeldern finanziert. Und das macht das ganze scheinbar wesentlich schrecklicher. 2500 Franken. Man stelle sich das mal vor. Natürlich, für einen Rentner auf Minimum-AHV oder eine allein erziehende Mutter ist das auch heute ein erkleckliches Sümmchen. Aber bei SRF hat alleine das letzte «F» im vor wenigen Jahren neu gestalteten Corporate Design und Rebranding ein vielfaches gekostet.

Wenn das Budget der ganzen Swiss Awards bekannt wäre, würde man sich vermutlich darüber wundern, dass dieses Honorar für einen jener, ohne die dieser Anlass noch sinnloser als ohnehin gewesen wäre, überhaupt ein Gesprächsthema sein kann. Natürlich, es kam aus Konzessionsgeldern. Aber wenn die Politiker, die jetzt reklamieren, in Kommissionen rumsitzen und Sitzungsgelder aus den Steuern dafür bekommen, regen sich diese ja auch nicht darüber auf, dass sie für ihre Präsenz entschädigt werden.

Und im Gegensatz zu jenen war für Herrn Hofer das vielleicht die Jahres-Franchise seiner Krankenkasse, die er so gerade abgedeckt hat. Denn mit über 70 ist es langsam so weit, dass man mehr Zeit in Arztpraxen als in Clubs und auf Parties verbringt. Einkommen bedeutet in diesem Moment Sicherheit. Sicherheit, die Künstler sich bei uns nur für kurze Zeit und immer wieder aufs neue erarbeiten müssen.

Die Empörung über Hofers kleinen Honorar-Stunt ist lächerlich. Denn wenn man ehrlich ist, hatte er ja Recht, als er sagte, dass der Award an sich nichts wert sei. Und die Tatsache, dass dies der letzte 'Swiss Award' gewesen sein dürfte, bestätigt dies ziemlich eindeutig - doch wer weiss, vielleicht wird gerade darum so ein Steinbrocken noch wirklich begehrenswert.

Und spätestens wenn das Ding auf Ebay auftaucht, werden sich wieder viele Leute darüber aufregen. Vor allem, wenn das Ding für einen tiefen vierstelligen Betrag weggehen sollte...

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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Stimmt . . .
Als Selbstständiger ist Polo definitiv auf jeden Franken angewiesen. Es ist eh erstaunlich, dass es in der Schweiz überhaupt noch vollamtliche Künstler gibt. Es gibt nämlich nur ganz wenige, die davon leben können. Die meisten würden bedeutend besser verdienen, wenn sie in der Migros an der Kasse stehen würden. So isses . . .
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