Kernen wieder Fünfter - Rahlves siegt vor Miller
publiziert: Samstag, 3. Dez 2005 / 00:00 Uhr

Die Weltcup-Abfahrt in Beaver Creek (USA) war wie im Vorjahr fest in amerikanischer Hand. Daron Rahlves und Bode Miller sorgten erneut für einen Doppelerfolg.

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Bruno Kernen wurde als bester Schweizer wie in Lake Louise (Ka) Fünfter.

Lange Zeit sah es danach aus, dass die Schlechtwetterfront, die sich gemäss den Prognosen auch in den kommenden Tagen über weiten Teilen Colorados halten soll, die zweite Abfahrt des Winters nicht zulassen würde. Das Rennen wurde schliesslich auf einer um rund 20 Fahrsekunden verkürzten Strecke gestartet und entwickelte sich zu Beginn zu einer Geduldsprobe. Bis die ersten 30 ihr Pensum erfüllt hatten, war das Geschehen auf der «Birds of Prey» nicht weniger als fünfmal wegen zu starkem Wind oder Nebelbänken unterbrochen worden.

Ins Rennen geschickt wurden die Fahrer auf Höhe des Starts der WM-Kombinationsabfahrt 1999, die Bruno Kernen für sich entschieden hatte. Diesmal verhinderte ein Fehler im obersten Teil eine (noch) bessere Klassierung. «Es verschlug mit die Ski. Dadurch habe ich sicher drei bis vier Zehntel und wohl auch Tempo für den Rest der Fahrt verloren», berichtete Kernen. «Mit dem neuerlichen fünften Rang kann ich deshalb gut leben, obwohl ich natürlich höhere Ziele habe.»

Vortag war abgehakt

Fuhr Bruno Kernen nach den Geschehnissen nach dem Super-G vom Vortag mit der Wut im Bauch? «Nein, am Abend hatte ich mit den Trainern ein ausführliches Gespräch. Die Sache war heute Morgen für mich abgehakt.» Auch mit den abermals suboptimalen Bedingungen kam Kernen gut zurand. «Als die Nummer 9 unterwegs war, haben wir unter den Fahrern diskutiert, ob wir das Rennen boykottieren wollen. Das war aber mehr als Galgenhumor gemeint.»

Auch Didier Cuche vermochte mit den besonderen Umständen besser umzugehen als 24 Stunden zuvor. «Warten zu müssen am Start oben ist immer unangenehm. Nach dem gestrigen Super-G haben wir aber gewusst, dass heute gestartet wird.»

Der Neuenburger schaffte als Neunter als zweiter Swiss-Ski-Vertreter den Sprung in die ersten zehn. Drittbester Schweizer war Tobias Grünenfelder. Rang 16 kommt seinem Bestergebnis in der Abfahrt gleich, das seit Februar der 22. Platz in Garmisch war.

«Das wird mein Tag»

Im Vorjahr hatte Miller vor Rahlves gewonnen, womit erstmals nach einem Speedevent im Weltcup zwei Amerikaner auf dem Podest standen. Jetzt drehte Rahlves den Spiess um und untermauerte seine Rolle, die er im Februar bei Olympia zu spielen gedenkt.

«In Sestriere will ich Gold holen», lautet seit Saisonbeginn die nicht unbescheidene Vorgabe. Für den Kalifornier käme der Olympiasieg mit allergrösster Wahrscheinlichkeit dem Schlusspunkt seiner Karriere gleich. «Ich kann mir gut vorstellen, am Ende dieses Winters zurückzutreten», hatte er dieser Tage gesagt.

Dass ihm die Piste in Sestriere liegt, hatte Rahlves mit seinem Sieg beim Saisonfinale im März 2004, seinem bis gestern letzten in der Abfahrt, aufgezeigt. Die Zuversicht war auch vor seinem Heimrennen gross, das er nach 2003 zum zweiten Mal gewann. «Ich habe schon gestern Abend gewusst, dass es auf verkürzter Strecke mein Tag werden könnte.»

«Bode - Go Fast, Be Good, Have Fun» -- Bode Miller vermochte im vierten Speedrennen der Saison endlich dem Titel seines dieser Tage lancierten Buches gerecht zu werden. Miller war schnell, gut und dürfte an seiner Fahrt den Plausch gehabt haben -- auch wenn er sich mit seinem ersten Saisonsieg weiter gedulden muss. «Meine Zeit kommt noch», richtete der Gewinner des Gesamtweltcup eine Kampfansage an die Konkurrenz. «Und hinter einem Landsmann Zweiter zu werden, ist für mich wie ein Sieg.»

In den Tagen zuvor hatte Miller weniger glücklich gewählte Worte von sich gegeben. Der unbedarften Forderung zur Freigabe von Dopingmitteln liess er nun seinem Unmut über den ganzen medialen Rummel um seine Person freien Lauf. Es sei gut möglich, dass die «stets schlimmer gewordenen Zustände, die mich immer mehr nerven», seinen Rücktritt beschleunigen könnten. Er habe schon nach dem vergangen Winter mit dem Gedanken gespielt, den Bettel hinzuwerfen. Verhindert habe dies einzig die Liebe zu seinem Sport. «Wegen dem Geld hätte ich längst aufhören können. Davon habe ich genug.»

Maier erneut geschlagen

Die Ehre der Österreicher retteten Johann Grugger als Dritter und Fritz Strobl, der seinem Sieg in Lake Louise Platz 4 folgen liess. Michael Walchhofer (10.) und Hermann Maier (19.) dagegen mussten sich wie Didier Défago (26.) und Ambrosi Hoffmann (27.) unter den Verlierern einreihen.

Schlussklassement:
1. Daron Rahlves (USA) 1:13,37. 2. Bode Miller (USA) 0,27 zurück. 3. Johann Grugger (Ö) 0,34. 4. Fritz Strobl (Ö) 0,97. 5. Bruno Kernen (Sz) 1,06. 6. Erik Guay (Ka) 1,09. 7. Peter Fill (It) 1,11. 8. Kjetil Andre Aamodt (No) 1,15. 9. Didier Cuche (Sz) 1,19. 10. Michael Walchhofer (Ö) 1,22. 11. Christoph Gruber (Ö) 1,23. 12. Marco Büchel (Lie) 1,32. 13. Bjarne Solbakken (No) 1,49. 14. Yannick Bertrand (Fr) 1,66. 15. Alessandro Fattori (It) 1,69.

16. Tobias Grünenfelder (Sz) 1,73. 17. Kristian Ghedina (It) 1,75. 18. Hermann Maier (Ö) und Benjamin Raich (Ö) 1,86. 20. Antoine Dénériaz (Fr) 1,87. 21. Andreas Buder (Ö) 1,90. 22. Steven Nyman (USA) 1,91. 23. Nicolas Burtin (Fr) und Aksel Lund Svindal (No) 1,93. 25. Didier Défago (Sz) 1,96. 26. Ambrosi Hoffmann (Sz) 2,01. 27. Patrik Järbyn (Sd) und Lasse Kjus (No) 2,02. 29. Stefan Johann Thanei (It) 2,03. 30. Marc Bottollier (Fr) und Pierre-Emmanuel Dalcin (Fr) 2,04.

Ferner 33. Jürg Grünenfelder 2,55.

Ausgeschieden:
Silvan Zurbriggen (Sz).

Der Stand im Weltcup, Abfahrt (nach 2 von 10 Rennen):
1. Fritz Strobl (Ö) 150. 2. Kjetil Andre Aamodt (No) 112. 3. Daron Rahlves (USA) 100. 4. Bruno Kernen (Sz) 90. 5. Bode Miller (USA) 89. 6. Johann Grugger (Ö) 86. 7. Marco Büchel (Lie) 82. 8. Hermann Maier (Ö) 63. 9. Michael Walchhofer (Ö) 62. 10. Erik Guay (Ka) 54.

Ferner: 14. Didier Cuche 40. 17. Didier Défago 32. 20. Ambrosi Hoffmann 23. 27. Tobias Grünenfelder 15. 36. Jürg Grünenfelder 2.

Gesamtwertung (nach 5 von 39 Wertungen):
1. Aksel Lund Svindal (No) 222. 2. Fritz Strobl (Ö) 208. 3. Hermann Maier (Ö) und Daron Rahlves (USA) 205. 5. Kjetil Andre Aamodt (No) 193. 6. Bode Miller (USA) 182. 7. Erik Guay (Ka) 158. 8. Benjamin Raich (Ö) 156. 9. Hannes Reichelt (Ö) 148. 10. Marco Büchel (Lie) 131. 11. Johann Grugger (Ö) 119. 12. Michael Walchhofer (Ö) 118. 13. Bruno Kernen (Sz) 106. 14. Didier Défago (Sz) und Ambrosi Hoffmann (Sz) 87.

Ferner: 21. Didier Cuche 60. 23. Tobias Grünenfelder 49. 46. Konrad Hari 11. 50. Jürg Grünenfelder 9. 57. Silvan Zurbriggen 2.

Nationenwertung:
1. Österreich 1710 (Frauen 381+Männer 1329). 2. USA 603 (145+458). 3. Schweiz 516 (108+408). 4. Norwegen 496 (4+492). 5. Italien 431 (170+261). 6. Kanada 378 (87+291). 7. Schweden 228 (149+79). 8. Slowenien 135 (130+5). 9. Liechtenstein (0+131) und Frankreich 131 (26+105). 11. Kroatien 118 (118+0). 12. Deutschland 50 (50+0). 13. Finnland 46 (24+22). 14. Spanien 40 (40+0). 15. England 18 (6+12). 16. Tschechien 3 (3+0). 17. Australien 2 (0+2).

(David Bernold, Beaver Creek/Si)

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