Kernkraftwerk Leibstadt erhält «Schutzimpfung»
publiziert: Dienstag, 12. Aug 2008 / 12:22 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Aug 2008 / 12:43 Uhr

Leibstadt - Die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) im Aargau will mit einem präventiven Schutz der Reaktoreinbauten die technische Lebensdauer der Anlage bis mindestens 2045 verlängern. Die Gefahr der Spannungsrisskorrosion soll verhindert werden.

In Leibstadt «impft» man gegen Rost. (Archivbild)
In Leibstadt «impft» man gegen Rost. (Archivbild)
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Bis heute seien keine Risse in den Einbauten des Reaktors festgestellt worden, sagte Andreas Pfeiffer, Abteilungsleiter Maschinentechnik des KKL, an einer Medienkonferenz in Leibstadt. Es handle sich um eine präventive Massnahme, die mit einer «Schutzimpfung» vergleichbar sei.

Das KKL habe sich für die Massnahme zum Schutz des Primärkreislaufes entschieden, um die technische Lebensdauer der Anlage zu verlängern. Ziel sei eine Betriebsdauer von 60 Jahren, sagte Kraftwerksleiter Mario Schönenberger. Als neustes Schweizer AKW war die Anlage 1984 ans Netz gegangen.

Wasserstoff und Platin sollen Chemie verändern

Um eine Spannungsrisskorrosion zu verhindern, wird die Chemie der 200 Tonnen Wasser im Reaktorkreislauf geändert. Pro Stunde sollen zwei Kilogramm Wasserstoff sowie einmal im Jahr rund 730 Gramm des Edelmetalls Platin ins Reaktorwasser beigegeben werden.

In das Projekt investierte das KKL rund 20 Mio. Franken. Die Massnahme soll gemäss Pfeiffer im kommenden November starten. Die Aufsichtsbehörde des Bundes, die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), werde über die Einspeisekampagne orientiert.

Seit Mitte der 80er Jahre zeigte sich bei Siedewasserreaktoren des US-Herstellers General Electric (GE), dass sie entgegen den ursprünglichen Annahmen anfällig auf Spannungsrisskorrosion sind. Ähnliche Massnahmen wie in Leibstadt werden gemäss KKL weltweit in 29 Siedewasseranlagen des US-Herstellers angewendet.

Bei Spannungsrisskorrosion bilden sich Risse in Werkstoffen wie Stahllegierungen, wenn gleichzeitig eine mechanische Spannung und eine Flüssigkeit wie Wasser mit Verunreinigungen vorhanden ist.

(tri/sda)

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