Kerrys «Scherz» lässt Bush hoffen
publiziert: Donnerstag, 2. Nov 2006 / 22:04 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 2. Nov 2006 / 23:40 Uhr

Washington - Ausgerechnet US-Senator John Kerry, Verlierer im Präsidentschaftswahlkampf 2004, hat den Demokraten die Wahlkampftour mit einem «Scherz» vermasselt. Und hat somit den Republikanern einen Gefallen erwiesen.

Kerrys «politischen Fehltritt des Jahres» gibt Bush Auftrieb.
Kerrys «politischen Fehltritt des Jahres» gibt Bush Auftrieb.
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«Bitte hör' auf, (...) hör' auf zu reden, geh' nach Hause», sagte ihm der legendär-raubeinige Radiomoderator und persönliche Freund Don Imus am Mittwoch vor Millionen Hörern.

Kerry folgte dem Rat, sagte alle Wahlkampfauftritte ab - und entschuldigte sich abends schriftlich für seinen «missglückten Scherz».

Kurz vor den Kongresswahlen hätte Demokrat Kerry den Republikanern mit seinem «missglückten Scherz» keinen grösseren Gefallen tun können. Humor-Publizist Daniel Kurtzmann sprach vom «politischen Fehltritt des Jahres».

TV-Moderator David Letterman lästerte, Kerry habe wohl «etwas richtig Dummes sagen wollen, um wie der Präsident zu wirken». Dabei hatte Kerry vor Studenten im kalifornischen Pasadena lediglich einen Scherz über US-Präsident Goerge W. Bush machen wollen.

«Fragt nur Präsident Bush»

Im schriftlichen Redetext hiess es: «Wisst ihr, wo ihr landet, wenn ihr nicht studiert, wenn ihr nicht clever, wenn ihr intellektuell faul seid? Dann landet ihr beim Krieg im Irak. Fragt nur Präsident Bush.»

Das sollte auf die Wissensdefizite von Bush über den Nahen Osten verweisen, der sich deshalb auf das Irak-Abenteuer eingelassen habe. Dieser ohnehin etwas mühsame Witz verlor völlig die beabsichtigte Pointe, als Kerry vergass, Bush zu erwähnen: «Wenn man hart studiert, (...) kann man es zu etwas bringen. Wenn nicht, dann endet man im Irak», sagte er.

Gefundenes Fressen für Republikaner

Bush und die Republikaner griffen die Fehlleistung begierig auf und forderten eine Entschuldigung bei den Militärs. Schliesslich habe Kerry unterstellt, nur Bildungs-Versager landeten bei den Streitkräften. Zwei Tage lang wehrte sich Kerry, um dann angesichts des spürbaren Zorns auch seiner Parteifreunde einen totalen Rückzieher zu machen.

Hillary Clinton: «unangemessen»

Senatorin Hillary Clinton, die in Kerry einen Konkurrenten beim Kampf um die demokratische Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008 sieht, nutzte die Gunst der Stunde. Sie kritisierte mit grösster Kühle die Worte des Parteifreunds als «völlig unangemessen».

Bisher war der Wahlkampf für die US-Demokraten ausgezeichnet gelaufen. Die meisten Amerikaner sind gemäss Umfragen unzufrieden mit Bush und des Irakkriegs überdrüssig. Den von Skandalen gebeutelten Republikanern droht am Dienstag eine herbe Wahlniederlage. Kerry hat im Weissen Haus nun neuen Optimismus genährt.

(von Laszlo Trankovits, dpa/sda)

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