«Kiwis», «Amis» oder «Italos» - wer darf Alinghi fordern?
publiziert: Freitag, 13. Apr 2007 / 06:25 Uhr

Elf Syndikate aus neun Nationen segeln ab Montag vor Valencia um das Recht, den America´s-Cup-Sieger Alinghi zum Duell um die älteste Sporttrophäe der Welt herausfordern zu dürfen. Für den Sieg in der Challenger-Serie kommen drei Teams in Frage.

Alinghi nimmt Kurs auf die Titelverteidigung.
Alinghi nimmt Kurs auf die Titelverteidigung.
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Vier Jahre ist es her, seit der Genfer Biotech-Milliardär Ernesto Bertarelli ans Ziel seiner sportlichen Träume gelangte. Alinghi gewann den «Auld Mug», das silberne Objekt der Begierde, dank einem 5:0 im Final gegen Titelverteidiger Team New Zealand gleich im ersten Anlauf.

Damit war klar, dass der America´s Cup nach 152 Jahren auf den Alten Kontinent zurückkehren würde.

1851 hatte sich der US-Schoner America im Rennen um die Isle of Wight gegen eine ganze Flotte britischer Konkurrenten durchgesetzt und den America´s Cup damit begründet.

Vor- und Nachteile

Nun spielt Alinghi die Rolle des Gejagten. In den nächsten zwei Monaten gibt sich die unter der Flagge der Société Nautique de Genève vereinte «Weltauswahl» in teaminternen Rennen den letzten Schliff, während es für die Herausforderer bereits ernst gilt. Das hat Vor- und Nachteile.

«Sie können uns fast jeden Tag beobachten und werden sicherlich mehr über uns lernen, als wir über sie», sagt Chris Dickson, der Skipper des Mitfavoriten BMW Oracle. Gerade Alinghi hat in der letzten Kampagne aber gezeigt, wie stark sich ein Challenger im direkten Kräftemessen mit der Konkurrenz während des Louis Vuitton Cup verbessern kann.

Alinghi hat die Weichen früh gestellt, um als Cupholder nicht wie die Neuseeländer vor vier Jahren auf dem falschen Fuss erwischt werden zu können.

Die von Bertarelli und BMW-Oracle-Boss Larry Ellison (ein anderer Milliardär) eingeführten Vorregatten (Acts) dienten nicht nur kommerziellen Zwecken, sondern auch der regelmässigen Standortbestimmung. Früher tappte der Titelverteidiger bis zum ersten Rennen jeweils im Dunkeln.

Die «Kiwis» sinnen auf Revanche

Nach gut zweieinhalb Jahren mit 13 Acts an vier Destinationen (Valencia, Marseille, Malmö, Trapani) erfolgt nun am Montag der eigentliche Startschuss zur Veranstaltung.

Nach zwei Round Robins wird das Feld der elf Herausforderer auf vier Halbfinalisten reduziert, die in Best-of-9-Serien die Finalisten des Louis Vuitton Cup ermitteln. Spätestens am 12. Juni kennt Alinghi seinen Gegner, der dann zwischen 30 und 38 Match Races hinter sich haben wird.

Es würde niemanden überraschen, wenn dieser Gegner ab dem 23. Juni erneut Team New Zealand heissen würde. Vier Jahre nach dem Debakel im Golf von Hauraki gelten die neuformierten «Kiwis» zumindest unter den Herausforderern als Topfavorit.

Mit Grant Dalton hat ein mehrfacher Weltumsegler das Zepter übernommen, der unter anderem eine neue Design-Crew zusammenstellte und erstmals einen Sponsor aus dem arabischen Raum (die Fluggesellschaft Emirates) von einem Einstieg ins Cup-Business überzeugen konnte.

Zur Überbrückung zwischenzeitlicher Engpässe waren die Neuseeländer auch auf ein Darlehen von Bertarelli angewiesen, für den eine Teilnahme der «Brasilianer des Segelsports» ein Muss ist. An Steuermann Dean Barker hielt «TNZ» fest. Dass der mittlerweile 34-jährige Zögling von Russell Coutts über die unerfahrenste Crew der vier Topteams verfügt, muss nichts schlechtes heissen.

Vom Cup besessen

Wie brasilianische Fussballer sind neuseeländische Segler ein Exportschlager. Im einzigen verbliebenen US-Syndikat BMW Oracle bilden sie innerhalb der «Wasser-Crew» sogar eine Mehrheit.

Im Final des Louis Vuitton Cup könnte es also durchaus zu einem «Derby» unter Landsleuten kommen. BMW Oracle verfügt über fast unbeschränkte Mittel, hat die Millionen bisher aber nicht immer sehr geschickt eingesetzt.

Patron Ellison ist vom Cup genauso besessen wie Bertarelli. Im Gegensatz zum besonnenen Schweizer neigt Ellison aber dazu, in übertriebenen Aktionsimus auszubrechen, sobald es einmal nicht nach Wunsch läuft.

Entsprechend ist es um die Stimmung im Team nicht immer zum Besten bestellt. Skipper und Steuermann Dickson, der von seinem Freund Ellison in Auckland für kurze Zeit kaltgestellt worden war, führt seine Crew auch nicht gerade auf die kumpelhafte Art.

Wie voll ist der rote Mond?

Als dritter Halbfinalist scheint Luna Rossa gesetzt. Das Team von Patrizio Bertelli, dem Chef des Modelabels Prada, nimmt schon den dritten Anlauf.

Nachdem es die Challenger-Serie beim Debüt im Jahr 2000 gewonnen hatte, lief in der letzten Kampagne viel schief. Bertellis Mannen mussten die Segel schon nach dem Halbfinal gegen OneWorld streichen.

Das gegnerische Boot wurde damals von James Spithill gesteuert. Der 27-jährige Australier verrichtet den gleichen Job mittlerweile auf der Luna Rossa. Spithill ist denn auch der grosse Hoffnungsträger.

Er ist bekannt für kompromisslose Starts und wird längst als künftiger America´s-Cup-Sieger gehandelt. Die Design-Abteilung hat Luna Rossa mit Tom Schnackenberg verstärkt, der nach dem Cup-Verlust als Syndikatschef im Team New Zealand keine Zukunft hatte.

«Globalisierung» des Wettbewerbs

Um den vierten Halbfinal-Platz dürften sich primär Mascalzone Latino (It), das Heimteam Desafio Español und Victory Challenge (Sd) streiten. Für die weiteren Teilnehmer Shosholoza (SA), Areva Challenge (Fr), +39 Challenge (It), Team Germany und Team China wäre alles andere als ein Out nach den beiden Round Robins ein kleines Wunder.

Wie in der Formel 1 gibt es in der America´s-Cup-Szene Teams, die weder die finanziellen noch die personellen Voraussetzungen für den grossen Erfolg mitbringen. Sie haben aber zur «Globalisierung» des Wettbewerbs beigetragen, der lange eine rein angelsächsische Angelegenheit war.

Heute präsentiert sich der Cup so international wie noch nie. Erstmals sind auch Afrika, China und Deutschland mit einem Team vertreten. An einen Senkrechtstart, wie ihn Alinghi in Auckland hinlegte, denken die neuen Debütanten aber nicht einmal in ihren kühnsten Träumen.

(von Philipp Bärtsch/Si)

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