Klarer Sieg von Nationalist De Wever in Antwerpen
publiziert: Montag, 15. Okt 2012 / 09:41 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Okt 2012 / 16:58 Uhr
Die Wahl zeige, dass die Politik der belgischen Regierung nicht mehr von einer Mehrheit der Flamen unterstützt werde, sagte De Wever. (Archivbild)
Die Wahl zeige, dass die Politik der belgischen Regierung nicht mehr von einer Mehrheit der Flamen unterstützt werde, sagte De Wever. (Archivbild)

Brüssel - Die flämischen Nationalisten haben bei den belgischen Gemeindewahlen einen klaren Sieg errungen. In Antwerpen eroberte der Präsident der Neuen Flämischen Allianz (N-VA), Bart De Wever, das Rathaus. Er setzt damit die belgische Regierung in Brüssel unter Druck.

2 Meldungen im Zusammenhang
Nach seinem Sieg in der grössten Stadt Flanderns sprach De Wever von «einem historischen Wendepunkt und einem gelb-schwarzen Sonntag». Die Wahl zeige, dass die Politik der belgischen Regierung nicht mehr von einer Mehrheit der Flamen unterstützt werde, sagte er.

Zuvor hatte De Wever mit 37,7 Prozent in der Hafenstadt Antwerpen den langjährigen sozialistischen Amtsinhaber Patrick Janssens überflügelt. Dieser erhielt nur 28,6 Prozent der Stimmen. De Wever telefonierte mit Janssens und will am Dienstag mit den Koalitionsverhandlungen beginnen.

Im Visier aber hat er die belgische Regierung und will von ihr mehr Unabhängigkeit für Flandern: Den sozialdemokratischen Premier Elio Di Rupo und die frankophonen Politiker forderte er auf, «ihre Verantwortung wahr zu nehmen und mit uns eine Staatsreform anzugehen». Dabei ist die aktuelle belgische Regierung erst gerade damit beschäftigt, die letzte Staatsreform umzusetzen.

Di Rupo kontert

Di Rupo, der mit seiner Partei am Wochenende in der französischsprachigen Stadt Mons die absolute Mehrheit gewann, konterte: «Es gibt keinen Bezug zwischen lokalen Wahlen und den Wahlen auf Bundesebene», sagte er.

Die Arbeit seiner Regierung auf nationaler Ebene könne nicht in einzelnen Gemeinden beurteilt werden, sagte er als Reaktion auf kritische Stimmen, die im Sieg der N-VA eine Niederlage der Bundesregierung und deren Reformpolitik sehen.

Seine Regierung, die erst seit Dezember letzten Jahres im Amt ist, sei eine Reformregierung, sagte Di Rupo. Ihre Arbeit müsse 2014 bei den nationalen Wahlen beurteilt werden.

Schwierige Zeiten

Der Siegeszug der separatistischen N-VA im Norden Belgiens müsse aber der belgischen Regierung zu denken geben, befanden diverse Kommentatoren in den belgischen Medien. Denn die an der Bundesregierung beteiligten flämischen Parteien dürften künftig versuchen, näher an die N-VA zu rücken. Kompromisse werden schwieriger zu finden sein.

Aber auch für De Wever beinhaltet der Sieg eine Herausforderung: Er muss bis zu den nächsten nationalen Wahlen sowohl als neuer Bürgermeister in Antwerpen amten als auch die Partei leiten. Für den N-VA-Präsident dürfte es schwer werden, die beiden Ämter zur Zufriedenheit aller auszufüllen, so die «Gazet van Antwerpen».

Die Kommentatorin des flämischen «Nieuwsblad» sieht noch eine andere Schwierigkeit: De Wever müsse die vielen unerfahrenen N-VA-Leute unterstützen, die dank des Wahlerfolgs erstmals politische Posten auf Gemeindeebene übernehmen.

«Flämischer TGV»

Bildlicher wurde De Wevers Siegeszug in der Mediengruppe «Sud Presse» beschrieben: «Bart De Wever hat den Führerstand eines flämischen TGV übernommen, dessen Endziel nichts weniger als der Tod Belgiens ist.» Die Aufteilung des Landes sei nicht mehr für 2020 avisiert, sondern bereits «für morgen».

Der französischsprachige «Le Soir» präzisierte, dass De Wever durch diese Wahlen «weder belgischer Premierminister» geworden, noch mit der Regierungsbildung beauftragt worden sei. Allerdings warnte die Zeitung auch, dass der N-VA-Chef einen weiteren Sieg auf dem Weg hin zu einer Aufspaltung Belgiens errungen hat. Di Rupos Position werde damit geschwächt.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Bei den belgischen Kommunalwahlen haben die flämischen Nationalisten im Norden des Landes gewonnen. Die Partei ... mehr lesen
Bart De Wever will den Bürgermeisterposten in Antwerpen. (Archivbild)
Der Sieg der säkularen Partei Nidaa Tounes wurde nun durch das amtliche Ergebnis bestätigt.
Der Sieg der säkularen Partei Nidaa Tounes wurde nun durch das ...
Tunesien  Tunis - Nach der Parlamentswahl in Tunesien ist der erwartete Sieg der säkularen Partei Nidaa Tounes (Ruf Tunesiens) durch das vorläufige amtliche Ergebnis bestätigt worden. Das Sammelbecken verschiedener politischer Kräfte konnte sich 85 der 217 Parlamentssitze sichern, wie die Wahlkommission in der Nacht zum Donnerstag bekannt gab. 
Die Parlamentswahl am Sonntag war die zweite demokratische Wahl seit dem Sturz des Herrschers Zine el Abidine Ben Ali 2011. (Symbolbild)
In Tunesien deutet alles auf Sieg von säkularer Partei Tunis - Bei der Parlamentswahl in Tunesien hat sich immer deutlicher ein Sieg der säkularen Kräfte über die ...
Umstritten  Moskau - Moskau will die für Sonntag geplanten Wahlen in den von prorussischen Separatisten kontrollierten ostukrainischen Regionen ...  
«Wir hoffen, dass die Wahlen wie vorgesehen stattfinden werden, und wir werden die Ergebnisse selbstverständlich anerkennen.»
Ukrainische Wähler wollen Annäherung an den Westen Kiew - Die Wähler in der Ukraine haben der Regierung ein klares Mandat für eine weitere Annäherung ...
Die Partei von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk gleichauf mit Petro Poroschenkos Partei.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Unterstützung "Sie stehen im Verdacht, die kriminelle Organisation Islamischer Staat ... heute 13:17
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Eine... Nichtlieferung dieser Schiffe würde das Aus für die französiche ... gestern 10:35
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Der... Krieg in Syrien ist ein Stellvertreterkrieg zwischen Katar, Saudi ... gestern 10:07
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Die... Politik R. Erdogans wird die Türkei im Gegensatz zur EU direkt ausbaden ... Mi, 29.10.14 10:25
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Warum... sollen Israelis nicht in angeblichen Palästinensergebieten siedeln ... Di, 28.10.14 19:50
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Als... Brite war es J. Cantlie wohl bewusst, dass er keine staatliche ... Di, 28.10.14 09:24
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2541
    Im... Grossen und Ganzen ist die Wiederwahl Rousseff wohl die bessere ... Di, 28.10.14 08:43
  • thomy aus Bern 4168
    ... und noch vor wenigen hundert Jahren waren ... ... die ehrenwerten Kreuzritter und die Inquisitoren genau gleich ... Mo, 27.10.14 22:34
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich 8°C 12°C sonnig und wolkenlos leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Basel 4°C 14°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 4°C 12°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Bern 3°C 15°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Luzern 6°C 14°C nebelig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 5°C 16°C sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Lugano 7°C 16°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten