Forgeschrittener
Kleinbauern meistern Dürre eher als Agrarkonzerne
publiziert: Dienstag, 21. Feb 2012 / 08:10 Uhr
Bodenernte bei Dürre betroffen.
Bodenernte bei Dürre betroffen.

Traditionelles Erfahrungswissen bester Hungerschutz.

Umwelt- und Trinkwasseranalysen, Produktesicherheit
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Landwirtschaftliche Kleinbetriebe sind mit der jüngsten Dürre und Hungersnot am Horn von Afrika besser zurande gekommen als die grossindustrielle Landwirtschaft. Das zeigt eine Studie, die die Climate Chance Adaption and Development Initiative (CC DARE) gemeinsam mit der UNDP und der UNEP präsentiert hat. Kleine Initiativen zum Schutz der Landschaft und zur Verringerung des Pestizid- und Düngereinsatzes reagieren weitaus flexibler auf Umweltänderungen. Sie bessern Ernteertrag, Bodenqualität und Ernährung, während Kosten, Wasserverbrauch und Zeitaufwand sinken.

Die Forscher um Richard Munang werteten ein UN-Projekt in Uganda aus, das sich speziell der Anpassung an den Klimawandel widmet. Die Initiative war demokratisch organisiert und liess alle Stakeholder vor Ort die unternommenen Schritte gemeinsam entscheiden und verantworten. Die Kleinbauern bauten vor allem Mais und Hülsenfrüchte an und verwendeten dabei konservierende Techniken. Der Erfolg stellte sich ein - und könnte auf grösserer Ebene wiederholt werden, berichten die Forscher.

Gut für Boden und Finanzen

Unterstützung dieser Ergebnisse kommen von Felix zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). «Ist ein Kleinbauer auf den Zukauf von Betriebsmitteln angewiesen, wird er dadurch oft in einen Schuldenkreislauf getrieben, den es beim ökologischen Landbau nicht gibt. Gerade in Staaten, in denen die Geldwirtschaft noch weniger entwickelt ist, sind mehrere verschiedene Ernten pro Jahr stets vorteilhafter als die eine grosse Ernte der Monokultur, deren Ausfall für den einzelnen Bauern zudem eine totale Katastrophe bedeuten würde.»

Doch auch die Böden schützt der Öko-Landbau besser, betont zu Löwenstein. «Die hohe Intensität des grosstechnischen Anbaus etwa von Mais schwächt den Humus. Diese Schicht kann als einzige Wasser binden und entscheidet somit, ob ein Acker eine Dürre übersteht.» Die Hülsenfrüchte-Zucht baut hingegen Humus auf, liefert wertvolle Proteine für den Verzehr und bringt zusätzlichen Stickstoff in den Boden, was die Düngung mit dem Stickstoff-Sack überflüssig macht.

Bedrohtes Wissen

Allerdings bedeutet ökologischer Landbau nicht, der Natur freien Lauf zu lassen und in der Hängematte auszuruhen, warnt der Experte. «Damit Biolandbau funktioniert, braucht es eine sehr gezielte Mischung der Kulturen, etwa der Flach- und Tiefwurzler oder verschiedener oberirdischer Etagen, um Bodenschichten oder das Sonnenlicht optimal auszunutzen und durch Wechselwirkungen die Krankheitsanfälligkeit zu minimieren.»

Besonders in Entwicklungsländern ist das traditionelle Landbau-Wissen vielerorts abhanden gekommen und muss erst mühsam wieder erarbeitet werden. «Etwa im Südsudan ging das ausschliesslich mündlich weitergegebene Erfahrungswissen verloren, da eine gesamte Generation in Lagern verbracht hat und dann nur noch mit dem Rezept-Landbau von Saatgut, Spritz-, und Düngemitteln gearbeitet hat.» Die Situation erinnert an den Gebrauch von Navi-Geräten, die ihre Nutzer allmählich den Orientierungssinn rauben würden, so zu Löwenstein.

(alb/pte)

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Claudio Beretta ist Doktorand in Umweltwissenschaften an der ETH Zürich.
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