Klimaneutrales Weide-Beef
publiziert: Donnerstag, 26. Mai 2011 / 10:25 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 8. Jun 2011 / 09:00 Uhr
Bernard Lehmann ist Professor für Agrarökonomie an der ETH Zürich.
Bernard Lehmann ist Professor für Agrarökonomie an der ETH Zürich.

Die Landschaften im Alpenraum, wie wir sie heute kennen, wären undenkbar, wenn es keine Rinder und Schafe gäbe, welche das darauf wachsende Gras für die menschliche Ernährung nutzbar machen würden. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Wiederkäuer bei der Verdauung des Grases Methan, ein potentes Treibhausgas, ausstossen.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Klimaneutraler Bauernhof
Beitrag von SF DRS, «Schweiz-Aktuell» vom 05.05.11
www.klimablog.ethz.ch

Vor allem die Produktion von Rindfleisch gerät wegen ihrer im Vergleich zu anderen Fleischarten ungünstigen Klimabilanz vermehrt unter Beschuss. Trotz einem grossen Forschungsaufwand mit vielen Teillösungen ist es bisher noch nicht gelungen, die Haltung von Rindern in grösserem Ausmass klimafreundlicher zu machen. Über kurz oder lang wird sich dies negativ auf den Konsum von Rindfleisch auswirken, was die Landwirte - mangels alternativer Produktionsmöglichkeiten - in vielen Regionen empfindlich treffen wird.

Um ein solche Entwicklung zu verhindern, haben wir in unserer Professur ein Konzept entwickelt, bei welchem die Treibhausgasemissionen aus der Rinderhaltung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb selbst kompensiert werden. Damit kann klimaneutrales Rindfleisch produziert werden.

Treibhausgas-Kompensation in Agroforstsystemen

Der Kern dieses Konzepts ist, dass schnellwachsende Bäume - wie zum Beispiel Pappeln - in so genannten Agroforstsystemen auf Acker- oder Wiesland gepflanzt werden. Die Bäume nehmen beim Wachstum Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichern dieses im Holz. Nach etwa zwanzig Jahren werden die Bäume geerntet und als Energie- oder Bauholz verwendet. Natürlich entsteht bei der Verbrennung des Holzes wieder Kohlendioxid, welches in die Atmosphäre gelangt. Wenn aber durch das Verbrennen des Holzes fossile Energieträger subsituiert werden, dann ist die Klimabilanz des Systems dennoch positiv. Werden pro Rind genügend Bäume gepflanzt, so ist es damit durchaus möglich, klimaneutrales Weidebeef auf lokaler Basis herzustellen.

Geringe Mehrkosten

Dieses System ist leider nicht ganz gratis. In den ersten Jahren nach der Pflanzung würden die Bäume die Erträge der landwirtschaftlichen Kulturen sehr wenig beeinflussen, danach konkurrieren sie aber das Gras, sodass in Agroforstsystemen weniger Gras wächst als auf reinen Weiden. Dieser Minderertrag führt zu einem moderat tieferen Einkommen für den Landwirten. Ergebnisse einer Umfrage über die Wahrnehmung des Klimawandels unter Mitarbeitenden und Studierenden der ETH Zürich deuten aber darauf hin, dass ein Teil der Konsumenten bereit wäre, für die klimaneutralen Nahrungsmittel einen Aufpreis zu bezahlen.

Die Kompensation der Treibhausgasemissionen mittels Agroforstsystemen würde verschiedene Problem auf einen Schlag lösen: Das Klima wird geschont, das Entrecôte kann weiterhin mit gutem Gewissen genossen werden und für die Landwirte öffnet sich ein neuer Absatzkanal. Zusätzlich bieten die Bäume für die Kühe auf der Weide willkommene Schattenplätze. Und die Bäume haben auch einen positiven Einfluss auf das Landschaftsbild und machen unsere Landschaften noch attraktiver.

Agroforstsysteme sind in den Tropen schon weit verbreitet und werden immer häufiger auch in Europa etabliert. In der Schweiz sind sie bisher vor allem in der Form von Streuobstwiesen anzutreffen. Verschiedene Projekte unter anderem an der ART in Reckenholz arbeiten derzeit daran, diese Systeme weiter zu entwickeln.

(Prof. Bernard Lehmann/ETH-Zukunftsblog)

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Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

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