Klingeltöne statt Songs
publiziert: Dienstag, 28. Dez 2004 / 08:21 Uhr

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2004 war also noch immer nicht das Jahr der Wende für die kränkelnde Musikindustrie. Trotz grösserem Anti-Piracy-Budget und Gerichtsurteilen, werden mehr Tracks illegal runtergeladen, als je zuvor.

Doch einen Aspekt scheint die Musikindustrie nicht ganz durchschaut zu haben: Das Geld wird Online nicht mehr mit den ganzen Songs gemacht, sondern mit den Handy-Klingeltönen.

Wenn man Jugendliche fragt, ob sie schon einmal von dem anscheinend ach so erfolgreichen iTunes gehört haben, dann ringt denen das höchstens ein müdes Lächeln ab. “Warum bezahlen, wenn man alles gratis haben kann?“

Fragt man dieselben Kids jedoch nach ihrem Klingelton, so strahlen sie übers ganze Gesicht und erzählen voller Freude vom Schnäppchen, das sie gemacht haben, als sie den neusten Eminem-Ton für nur 2.- bekommen haben.

Eigentlich paradox, würden sie doch für den ganzen Song bei iTunes genauso viel bezahlen.

iTunes hat sich mit (laut Pressemitteilungen) über 100 Millionen bezahlten Downloads etabliert. Dies jedoch nur im so genannten “Erwachsenenmarkt“ – den Leuten über dreissig Jahren.

Mit dem iPod wurde zwar ein Versuch gestartet, auch das Jugendsegment zu erobern, dieser kann aber nach einer ersten Analyse getrost als gescheitert bezeichnet werden.

Kaan Yigit, Präsident der Solutions Research Group, welche die Technologie Trends der USA untersucht, sieht es denn auch ähnlich pragmatisch: “Der durchschnittliche Jugendliche hat mehr Zeit als Geld.“

“Die Jugendlichen schauen sich nach all den Gerichtsverhandlungen um, merken, dass niemand im Gefängnis ist, den sie auch nur annähernd kennen und dass Britney Spears noch immer genug Geld verdient – warum sollten sie die Ersten sein, die mit dem Downloaden aufhören?“, sagt Yigit.

Oder wie es ein Anwalt mit Spezialgebiet Copyright ausdrückt: “Die Musikdownloads kann man auch mit etwas ganz alltäglichem vergleichen: Jeden Tag werden Copyright-Geschützte Texte in allen Schulbibliotheken kopiert. So etwas lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen stoppen.“

Vielleicht lernt die Musikindustrie ja auch dazu und beginnt die Songs ja plötzlich als das, was sie sind, zu verstehen: Werbung für die Klingeltöne. Als Beispiel: Der Rapper 50 Cent verdiente im Jahr 2004 fast dreimal so viel an Tantiemen von Handy-Ringtones, wie mit Plattenverkäufen.

(von René Rödiger/news.ch)

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