Kritik zielt nicht auf alle Belgier
Kolumne der Politologin Regula Stämpfli war nicht beleidigend
publiziert: Donnerstag, 25. Okt 2012 / 11:56 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Okt 2012 / 21:33 Uhr
Die Berner Politologin Dr. Regula Stämpfli lebt in Belgien und veröffentlicht regelmässig Kolumnen auf news.ch
Die Berner Politologin Dr. Regula Stämpfli lebt in Belgien und veröffentlicht regelmässig Kolumnen auf news.ch

Der Schweizer Presserat hat die Beschwerden gegen die auf news.ch veröffentlichte Kolumne der Politologin Regula Stämpfli abgewiesen. Der Text zum Car-Unglück von Siders VS diskriminiere weder das belgische Volk noch würden Tatsachen entstellt, begründet das Ethik-Gremium seinen Entscheid.

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Schweizer Presserat
Stellungnahme des Schweizer Presserats vom 12. September 2012
presserat.ch/_55_2012.htm

news.ch veröffentlichte die Kolumne «Belgisation: weshalb Unglücke auch politisch sind» kurz nach dem Car-Unglück, bei dem viele belgische Kinder starben. Stämpfli stellt darin die These auf, es sei kein Zufall, dass es sich um einen belgischen Car handle und sie begründet ihre Behauptung mit mehreren Beispielen.

Die Kolumne löste mehrere Beschwerden an den Presserat aus. Stämpfli stelle in «diskriminierender» Weise Zusammenhänge zwischen dem Car-Unglück und dem belgischen Staat und Volk her. Und sie begründe dies mit Unwahrheiten. Die Empörung gipfelte in einer Anti-Regula-Stämpfli-Gruppe auf Facebook, einer Onlinepetition, die Stämpfli die Akkreditierung als Journalistin entziehen wollte.

news.ch-Kolumnisten äussern ihre persönliche Meinung

news.ch entgegnete, Kolumnisten äusserten ihre persönliche Meinung. Die faktischen Grundlagen der kommentierenden Wertungen Stämpflis seien belegt.

Der Presserat erinnert in seiner Stellungnahme daran, dass Redaktionen bei Kolumnen lediglich dann redigierend eingreifen müssen, wenn berufsethische Normen offensichtlich verletzt sind. Bei der Kolumne von Regula Stämpfli habe keine Gefahr bestanden, dass die Leserschaft durch die übertriebenen Behauptungen und Metaphern getäuscht werde. Und eine Diskriminierung sei deshalb zu verneinen, weil sich die Kritik der Kolumnistin nicht gegen die Belgier im Allgemeinen, sondern an den Staat Belgien, an die Verantwortungsträger in Verwaltung und Justiz sowie an die Politiker richte.

Feststellung des Schweizer Presserats vom 12. September 2012:
«news.ch hat mit der Veröffentlichung der Kolumne 'Belgisation: weshalb Unglücke auch politisch sind' der Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli vom 14. März 2012 die Ziffern 1 (Wahrheit), 2 (Trennung von Fakten und Kommentar), 3 (Entstellung von Tatsachen), 5 (Berichtigung) und 8 (Diskriminierung) der 'Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten' nicht verletzt»

 

(li/news.ch)

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nicht falsch - aber pietätlos
Wäre dieser Artikel nicht im direkten Zusammenhang mit diesem tragischen Unglück geschrieben worden, so wäre er vermutlich nicht falsch gewesen. Es ist leider so, dass viele Politiker / Beamte einem Zustupf gegenüber nicht abgeneigt sind und dafür ein, manchmal auch zwei Augen zudrücken. Wir können selbst bei uns beobachten, wie Zu- bzw. Missstände toleriert werden, bis etwas Tragisches passiert. Im Nachhinein haben es dann alle Politiker und Beamten schon immer gewusst und verstecken sich hinter dem Vorwand, dass irgendjemand geschlampt habe. KKK (Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren) ist zwar ein uralter militärischer Befehl, der aber nach wie vor seine Gültigkeit hat.

Es ist meines Erachtens aber komplett pietätlos, so etwas in den Kontext zu einem grauenhaften Unglück mit vielen toten Jugendlichen zu setzen. Dies hätte von news.ch so nicht veröffentlicht werden dürfen, auch wenn sich jetzt die Redaktion dahinter versteckt, dass die Kolumnisten ihre eigene Meinung vertreten, welche sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken müsse. Der Schreibstil dieser ’Dame’ liegt auch sonst vielfach unter der Gürtellinie und bewegt sich oft auf dem Niveau eines Pubertierenden.
Morallosigkeit und Taktlosigkeit
ist keine Beleidigung. Da hat der Presserat wohl recht.
Dass das Schreiben tortz allem unter aller Sau war, daran ändert auch die Meinung des Presserates nicht. Dass Presse und Jouranlisten oft Taktgefühl vermissen lassen um ihren unsäglichen Senf dazuszugeben, das beweisen sie täglich.
Ich frage mich täglich immer mehr. Wieviel Pressefreiht braucht die Presse? An welche Regeln soll sich die Presse halten? Etwas Einschränkung dürfte es wohl sein. Sie schrecken ja vor nichts zurück. Das hat Frau Stämpfli bewiesen. Zwischen Recht haben und Recht können, ist ein riesen Unterschied.
Presserat: Stämpflis Fall
Auch wenn der Presserat die Kolumne "Belgisation" nicht als diskriminierend und ehrverletzend einstuft. Der Text von Frau Stämpfli bleibt unterste Schublade. Sie hat mit ihrem Kommentar zum Carunglück nicht nur Gefühle von unzähligen Menschen und der betroffenen Eltern verletzt, sondern sogar die toten Kinder verhöhnt. Meine Konsequenz: Ich lese Frau Stämplis Kolumnen nicht mehr.
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