Kombinierer nehmen heute Anlauf
publiziert: Freitag, 25. Nov 2005 / 08:46 Uhr / aktualisiert: Freitag, 25. Nov 2005 / 12:08 Uhr

Die schlechten Leistungen der letzten Saison haben für die nordischen Kombinierer von Swiss-Ski auch einen Vorteil: Es kann im Olympia-Winter eigentlich nur besser werden.

Ronny Heer benötigt für Turin z.B. einen Top-Ten-Platz im A-Weltcup.
Ronny Heer benötigt für Turin z.B. einen Top-Ten-Platz im A-Weltcup.
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Die erste Gelegenheit zur Wiedergutmachung bietet sich heute in Kuusamo (Fi). Die frappanten Fortschritte im Winter 2003/04 hatten die Erwartungen der Kombinierer nach oben schnellen lassen. Der Disziplinchef Hippolyt Kempf dachte an Weltcup-Podestplätze im Einzel und träumte von einer Team-Medaille an einem Grossanlass.

Doch der vergangene Winter endete im Debakel. «Wir kamen vom Weg ab und wurden regelrecht durchgeschüttelt», sagte Kempf. Ausser dem 3. Platz mit der Mannschaft an der Olympia-Hauptprobe in Pragelato schaute nichts Zählbares heraus. Zum Sündenbock wurde der Trainer Michael Angermann gestempelt. Der Österreicher hatte in der Vorbereitung zu viele intensive Einheiten angesetzt und das damit Gros der Athleten überfordert. Sie waren vor den ersten Ernstkämpfen platt und liessen sich vom schlechten Saisonstart verrückt machen.

Hire and fire

Die Suche nach einem Nachfolger für Angermann verlief turbulent. Der von Kempf engagierte (und in den höchsten Tönen angepriesene) Deutsche Urban Hettich wurde nach kurzer «Probezeit» wegen unterschiedlicher Auffassungen nicht weiter beschäftigt. Für das A-Weltcup-Team ist jetzt der Entlebucher Eugen Krügel (33) zuständig. Obwohl der bisherige Junioren-Trainer auf Weltcup-Niveau keine Erfahrung hat, erledigte er seinen Job bisher zur Zufriedenheit aller. «Ich profitierte in der Vorbereitung viel von Berni Schödler, weil wir auf den neuen Schanzen in Einsiedeln oft mit den Spezialspringern trainierten», sagte Krügel.

Die Hauptverantwortung für die Gestaltung der Trainingspläne übernahm Kempf. Er hat die Bruchlandung im vergangenen Winters nicht vergessen und will nicht wieder übertriebene Erwartungen schüren. Als Ziele für «Torino 2006» nannte der Olympiasieger von 1988 je ein Diplom, also ein Rang unter den ersten acht, in den beiden Einzel-Wettkämpfen und den 6. Platz mit der Mannschaft. Ausserdem sollen einige Top-Ten-Klassierungen im Weltcup her.

An Gründen zur Zuversicht fehlt es Kempf nicht. «Jan Schmid, Andreas Hurschler und Ronny Heer sind in der Form ihres Lebens», sagte er. Was diese wert ist, wird sich heute weisen, wenn Hurschler, Schmid und Ivan Rieder zum Weltcup-Auftakt in Finnland den Sprint bestreiten. Teamleader Hurschler versuchte die Erwartungen zu dämpfen: «Die ersten Wettkämpfe machen wir aus dem Training heraus. Den Formhöhepunkt wollen wir im Februar an den Olympischen Spielen erreichen.»

Fünf «Turiner»

Um in Turin dabei zu sein, sind entweder ein Top-Ten-Platz im A-Weltcup, zwei Klassierungen unter den ersten 20 oder zwei Podestplätze im B-Weltcup gefordert. Krügel traut momentan fünf Athleten zu, die Selektionshürde zu nehmen. Neben dem A-Weltcup-Trio und Heer hat er Hurschlers jüngeren Bruder Seppi auf der Rechnung. Andy Hartmann hingegen, das «ewige Talent», geniesst kaum noch Kredit; nachdem er an den Winterspielen in Salt Lake City die Ränge 8 und 9 belegt hatte, ging es mit ihm bergab. Der Bündner erfüllte nicht einmal die Kriterien für die Aufnahme ins achtköpfige A-Kader.

Die «Elite» nahm derweil in der Vorbereitung einige Änderungen vor, um auf den Erfolgspfad zurückzufinden, von dem sie vor einem Jahr abgekommen war. Kempf und Krügel verdoppelten den Umfang des Langlauftrainings auf Schnee und reduzierten dafür die Intensität. Für Andreas Hurschler hatte der Trainerwechsel auch auf der Schanze Konsequenzen. Nachdem er seine Technik unter Angermann contre-coeur den Vorstellungen des Trainers angepasst hatte und damit nicht zu Rande kam, springt Hurschler jetzt frisch von der Leber und so gut wie noch nie.

Wie den meisten Konkurrenten mangelt es Hurschler allerdings an Sprüngen auf Schnee wegen der europaweit ungewohnt hohen Herbsttemperaturen. Zwei Tage in Rovaniemi und einige Sprünge in Kuusamo mussten reichen, um die Umstellung von der Keramik- auf die Eisspur zu schaffen. Keine Sorgen machen sich die Schweizer in Sachen Langlauf. In den Ausdauertests wurden reihenweise persönliche Bestleistungen erzielt. Auch darauf stützen Kempf, Krügel und die Athleten ihre Hoffnungen auf Besserung.

Termine:

Weltcup. 25./27. November in Kuusamo (Fi/Sprint, Klassische Distanz). 3./4. Dezember in Trondheim (No/Klassische Distanz, Mannschaft). 17./18. Dezember in Ramsau (Ö/Sprint, Massenstart). 30. Dezember in Oberhof (De/Klassische Distanz). 3. Januar in Ruhpolding (De/Sprint). 6. Januar in Schonach (De/Klassische Distanz). 14./15. Januar in Val di Fiemme (It/Sprint, Massenstart). 21./22. Januar in Harrachov (Tsch/Sprint, Klassische Distanz). 28./29. Januar in Seefeld (Ö/Sprint, Klassische Distanz). 4./5. März in Lahti (Fi/Sprint, Klassische Distanz). 11./12. März in Oslo (No/Sprint, Klassische Distanz). 18./19. März in Sapporo (Jap/Klassische Distanz, Massenstart).

Olympische Spiele: 11. - 21. Februar in Pragelato/Turin (Klassische Distanz, Mannschaft, Sprint).

Kader

A-Kader: Ronny Heer (24, Einsiedeln). Michael Hollenstein (21, Oberdürnten). Andreas Hurschler (28, Trachslau). Seppi Hurschler (22, Einsiedeln). Pascal Meinherz (24, Götzens/Ö). Ivan Rieder (29, Kandersteg). Jan Schmid (22, Tiller/No). Lucas Vonlanthen (24/Trachslau). -- B-Kader: Andy Hartmann (25, Klosters). -- C-Kader: Tim Hug (18, Gerlafingen). Felix Kläsi (18, Rüti). Tommy Schmid (17, Tiller/No). -- Disziplinchef: Hippolyt Kempf. A-Weltcup-Trainer: Eugen Krügel. B-Weltcup-Trainer: Robert Stadelmann (Ö).

(ht/sda)

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