Terrorismus - Belgien
Kommentatoren zielen auf die Behörden
publiziert: Mittwoch, 23. Mrz 2016 / 09:00 Uhr
Die belgischen Behörden ernten Kritik.
Die belgischen Behörden ernten Kritik.

Bern - Die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen stufen die Anschläge in Brüssel als nicht unerwartet ein. Sie warnen davor, den Terroristen zu geben, was diese anstrebten: Eine Schwächung Europas. Kritik ernten die belgischen Behörden.

15 Meldungen im Zusammenhang
«Belgien war gewarnt», lautet der Kommentar in der Zeitung «Blick» vom Mittwoch. Doch: «Auch wenn die belgischen Fahnder kein gutes Bild abgegeben haben, eine offene und demokratische Gesellschaft ist nicht völlig zu schützen.»

«Brüssel trifft es nicht mal überraschend: Die Behörden hatten nach der Verhaftung des Paris-Attentäters Salah Abdeslam vor Anschlägen gewarnt», schreibt die «Nordwestschweiz». «Nach Paris lautete der weltweite Appell: Wir dürfen nicht zulassen, dass die Angst siegt! Heute müssen wir ergänzen: Wir dürfen ebenso wenig zulassen, dass wir abstumpfen.»

Auch die «Neue Zürcher Zeitung» fragt, warum «angesichts der Gefahrenlage in Belgien» die Abflughalle des Flughafens ohne Gepäck- und Personenkontrolle zugänglich war. Der Kommentator gibt sich gleichwohl keiner Illusion hin: «So gross die Möglichkeiten besserer Sicherheitsstrukturen auch sein mögen, Terroranschläge werden mit diesen Mitteln nie ganz verhindert werden können.» Zu den kurzfristigen Massnahmen gehöre nun der Schutz der EU-Aussengrenzen. «Um das Problem langfristig zu lösen, muss den Islamisten in Europa, aber auch weltweit der Nährboden entzogen werden.» Parallelgesellschaften gehörten aufgebrochen, die Bildung neuer Ghettos verhindert.

Ursachen und Terroristen bekämpfen

«Der 'Krieg gegen den Terrorismus' muss endlich an zwei Fronten geführt werden», heisst es auch im Editorial der Zeitung «Südostschweiz». «Überwachung, Verfolgung, Bestrafung - die ganze Symptombekämpfung ist wichtig, denn sie rettet Leben.» Nährboden für den dschihadistischen Terror seien Perspektivlosigkeit und soziale Ausgrenzung im Westen; im arabischen Raum kämen Wut auf korrupte Eliten und deren Profiteure im Ausland sowie Rachlust hinzu. «Diese Ursachen gehörten ebenso engagiert bekämpft wie die Terroristen.»

«Es ist ein Anschlag ins Herz Europas, nahe dem Machtzentrum der EU», schreiben «Tages-Anzeiger» und «Bund». Der Ruf nach Kontrollen an den Binnengrenzen dürfte nun noch lauter werden und Schengen ernsthafter denn je in Gefahr sein. «Ein Europa, das sich abschottet und in Angst erstarrt, ist das Ziel der Attentäter.» Dabei drohe den Bürgern nicht Gefahr wegen zu viel, sondern immer noch wegen zu wenig Europa: «Eine geplante Verschärfung des EU-Waffengesetzes wurde gerade beerdigt. Und noch immer behalten die nationalen Sicherheitsbehörden wichtige Informationen für sich, statt sie auszutauschen.» Die Terroristen seien den Sicherheitsbehörden stets ein paar Züge voraus.

«Geschaffen werden soll ein Klima der allgemeinen Verunsicherung, geschürt wird das Misstrauen gegen Passanten und Nachbarn, gegen Politiker und Behörden», schreibt die «Berner Zeitung». Doch das Motto «Bleiben Sie, wo Sie sind» sei auf Dauer «sicher kein gutes Rezept für die offene Gesellschaft in Europa».

«Wir sind am Ende»

«Die Staaten Europas müssen im Antiterrorkampf enger zusammenarbeiten», kommentiert die «Neue Luzerner Zeitung». «Das bedeutet nicht simpel härtere Gesetzte und mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Die europäischen Staaten müssen auch bestehende Regelungen besser nutzen.»

«Die Wahrheit für Paris und Brüssel - und für jede europäische Stadt - ist die bittere Erkenntnis: Die Aufrüstung von Geheimdiensten und Polizei und vielleicht auch die Verschärfung von Gesetzen dürfte zwar für längere Zeit notwendig sein, aber der Terrorismus allein ist damit nicht zu besiegen» , lautet der Kommentar im «St. Galler Tagblatt».

«Wir sind am Ende unseres Lateins, wir sind besiegt», kommentiert die «Basler Zeitung» die jüngsten Anschläge. «Solcher Wahnsinn, so scheint es, kann weder mit Bomben unsererseits noch mit Hätschel-Sozialpolitik, noch mit Geheimdienstmassnahmen und dem Verwandeln von Städten in Hochsicherheitszonen bekämpft und ausgerottet werden», kommentiert die «Basler Zeitung».

«Einzig die Botschaft zählt»

Pessimistisch gibt sich auch die Westschweizer Zeitung «Le Temps»: Sie fragt in ihrem Editorial: «Was, wenn die Terroristen dabei sind, den Krieg zu gewinnen?» Denn augenscheinlich sei niemand in der Lage, die fanatischen Soldaten der Terrormiliz «Islamischer Staat» zu stoppen, wenn diese sich zu einem Schlag entschlossen habe.

Die «Tribune de Genève» kommentiert, Europa sei «zum bevorzugten Schlachtfeld der IS-Kämpfer» verkommen, das Reservoir an menschlichen Bomben scheine unerschöpflich: «Das Leben eines Selbstmordattentäters ist nichts wert, einzig die Botschaft zählt.»

Europa müsse lernen, mit der Terrorbedrohung zu leben, schreibt «24 Heures». Aber der ganze Kontinent müsse auch lernen zu kämpfen. «Ein Ding der Unmöglichkeit», sei das gerade im Lichte der Flüchtlings- und Syrienkrise der letzten Wochen.

Es gelte jetzt, die Wurzel des Bösen anzugehen, schreibt «Le Courrier». Doch die europäischen Länder würden sich zufriedengeben mit «oberflächlichen und symbolischen Antworten», wie etwa dem Entzug der Staatsbürgerschaft.

(sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Nach den Terroranschlägen in Belgien hat das belgische Königspaar den internationalen Flughafen von Brüssel besucht. ... mehr lesen
Brüssel - Mit einer Schweigeminute haben die Menschen in Brüssel am Mittwoch ... mehr lesen
Brüssel - Die belgische Polizei hat laut Medienberichten einen Verdächtigen der Anschläge vom Dienstag ... mehr lesen
Brüssel - Am Tag nach den Anschlägen von Brüssel hat das öffentliche Leben in der Stadt verhalten wieder begonnen. Die ... mehr lesen
Brüssel - Die Terrorserie von Brüssel geht auf das Konto eines radikal-islamisches Bruderpaars, das auch Verbindungen ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Brüssel - Die belgische Polizei hat die Bevölkerung erneut um Hinweise ... mehr lesen
Brüssel - Die belgische Polizei hat eine für Durchsuchungen eingerichtete Sicherheitszone in der Brüsseler Gemeinde ... mehr lesen
Brüssel - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich laut einer ihr nahestehenden Nachrichtenagentur zu den ... mehr lesen 1
Zürich/Frankfurt - Nach den Explosionen auf dem Flughafen Zaventem in Brüssel haben andere Flughäfen in europäischen Städten ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. ... mehr lesen
Etschmayer Faktenpolitik hat ausgedient. Wenn jetzt Unwohlfühlkandidaten wie Donald Trump und Unwohlfühlparteien wie die AfD ... mehr lesen
Flughafen Brüssel: Terror ist der Goldstandard der Angst für Terroristen und Mächtige.
Brüssel - Belgiens Hauptstadt Brüssel ist am Dienstag von Anschlägen ... mehr lesen 1
Brüssel - In Belgiens Hauptstadt Brüssel scheint es am Dienstagmorgen zu einer Anschlagsserie gekommen zu sein. Zwei ... mehr lesen 5
Leider...
werden weltweit keine Proteste auch gegen diesen feigen Anschlag im Namen des Islam zu verzeichnen sein. Diese haben schliesslich nichts mit dem Islam zu tun und sind kaum so schlimm wie Mohammed-Karrikaturen.
Schliesslich leben 1,2 Milliarden Muslime z. B. in Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, Saudi-Arabien, Nigeria friedlich zusammen. In einigen dieser Staaten dürfen Frauen sogar wählen und Auto fahren.
Bei passender Gelegenheit werden die Islamverbände bald wieder eine steigende Islamophobie in Europa ausmachen, die völlig daneben ist wie die Mohammed-Karrikaturen.
Schliesslich leben 1,2 Milliarden Muslime z. B. in Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, Saudi-Arabien, Nigeria friedlich zusammen. In einigen dieser Staaten dürfen Frauen sogar wählen und Auto fahren.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 17
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene Offensive zurückzuschlagen, seien gescheitert. mehr lesen   1
Russland und Westen kooperieren bei Syrien-Hilfe Berlin - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären ... 1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 12°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 13°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 12°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 11°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 12°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 12°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 16°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten