Expedition vor Chile gescheitert
«Kon-Tiki 2» in Seenot
publiziert: Freitag, 18. Mrz 2016 / 13:52 Uhr

Santiago de Chile - Mit ihrer Expedition «Kon-Tiki 2» wollten sie dem legendären norwegischen Forscher Thor Heyerdahl nacheifern, doch nach knapp vier Monaten auf hoher See mussten sie aufgeben. Die 14 Abenteurer liessen sich am Donnerstag von einem Frachter aus Seenot retten.

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Alle Besatzungsmitglieder der zwei Flösse seien wohlauf, wenn auch müde, teilte der Leiter der chilenischen Seefahrtssicherheit, Mario Montejo, mit.

Die 14 Abenteurer waren 114 Tage ununterbrochen auf zwei schlichten Holzflössen auf dem Pazifik unterwegs. Zur Mannschaft gehörten Teilnehmer aus Norwegen, Peru, Schweden, Mexiko, Neuseeland und Russland. Mit ihrer Expedition hatten sie belegen wollen, dass Südamerikas präkolumbische Einwohner mit den damaligen Mitteln bereits in der Lage waren, Polynesien zu erreichen.

Für die Expedition wurden aus Balsaholz und Kordeln zwei Flösse mit den Namen «Rahiti Tane» und «Tupac Yupanqui» gebaut. Sie sind 17 Meter lang und sieben Meter breit. Ihr einziger Antrieb war der Wind. Die zwei Flösse starteten am 7. November aus dem peruanischen Hafen Callao. 43 Tage später erreichten sie die Osterinseln.

Südwärts getrieben

Am 6. Januar machten sich die Expeditionsteilnehmer von den Osterinseln auf den Rückweg nach Peru. Auf der Fahrt wurden die Flösse allerdings südwärts getrieben, so dass sie sich schliesslich rund 1800 Kilometer westlich der südchilenischen Hafenstadt Puerto Montt befanden. Am Mittwoch setzte die Besatzung schliesslich einen Notruf ab.

Die chilenische Küstenwache schickte daraufhin ein Aufklärungsflugzeug los, um die exakte Lage der Flösse zu bestimmen, und beorderte ein Handelsschiff dorthin. Der Frachter nahm die Besatzung an Bord. Ein anderes Schiff sollte sie übernehmen und sie bis Montag nach Puerto Montt bringen.

Es wäre zu gefährlich geworden

Montejo führte aus, die Besatzung habe noch Proviant für weitere 30 Tage gehabt. Der Zustand der Flösse habe sich aber verschlechtert, so dass es gefährlich worden wäre, an Bord zu bleiben.

Expeditionsleiter Torgeir Higraff gab das Ende der Expedition bekannt. Er verwies darauf, dass die Unternehmung angesichts des derzeit besonders starken Klimaphänomens El Niño nicht unter normaltypischen Bedingungen stattgefunden habe.

«Uns ist klar geworden, dass eine Fahrt nach Südamerika zu lange dauert, und wir evakuieren lieber, um die Sicherheit aller zu garantieren», schrieb Higraff auf der Website der Expedition. Zugleich beruhigte er: «Die Besatzung ist bei guter Gesundheit und Laune, und es gibt keine Notlage.»

Das Vorbild der Expeditionsteilnehmer, der Norweger Heyerdahl, hatte 1947 mit seiner Expedition auf dem Floss «Kon-Tiki» zeigen wollen, dass die Ureinwohner der polynesischen Inseln womöglich auch aus Südamerika gekommen waren. Er schaffte es mit seiner Mannschaft, die 8500 Kilometer lange Strecke zurückzulegen.

(bert/sda)

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