Machtwechsel in Argentinien
Konservativer Macri neuer Präsident
publiziert: Montag, 23. Nov 2015 / 20:20 Uhr / aktualisiert: Montag, 23. Nov 2015 / 23:49 Uhr
Mauricio Macri löst Christina Fernández de Kirchner ab.
Mauricio Macri löst Christina Fernández de Kirchner ab.

Buenos Aires - Nach rund zwölf Jahren linkspopulistischer Regierungen übernimmt in Argentinien ein Konservativer die Macht. Mauricio Macri steht in dem zweitgrössten Land Lateinamerikas vor grossen Herausforderungen.

6 Meldungen im Zusammenhang

In der zweiten Runde der Präsidentenwahl setzte sich der 56-jährige Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires am Sonntag mit 51,4 Prozent der Stimmen gegen den Kandidaten der Regierung, Daniel Scioli, durch. Dieser kam nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis in einer Stichwahl auf 48,6 Prozent.

Der konservative Oppositionsführer Macri löst die linkspopulistische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ab, die seit 2007 an der Macht ist.

«Dies ist ein historischer Tag, ein Epochenwechsel, der uns eine Zukunft des Wachstums und Fortschritts bringen wird», sagte Macri, der für das Mitte-Rechts-Bündnis Cambiemos («Lasst uns verändern») antrat. Sein Ziel sei, «ein Argentinien mit Null Armut aufzubauen, den Drogenhandel zu besiegen und alle Argentinier zu einen». Zugleich warnte er: «Revanchen oder Abrechnungen dürfen diesen Wandel nicht aufhalten.»

Regierbarkeitspakt mit allen Parteien

Macri, Ingenieur, Unternehmer und einst Präsident des Maradona-Fussballvereins Boca Juniors, hat allerdings im Parlament keine eigene Mehrheit. Als einen seiner ersten Schritte kündigte er deshalb an, einen Regierbarkeitspakt mit allen Parteien auszuhandeln.

Einen ersten Rückschlag erlitt der gewählte Präsident am Montag mit der Ankündigung des Parteichefs der Zentrumspartei UCR, Ernesto Sanz, er werde sich von der aktiven Politik zurückziehen. Sanz hatte mit Macris Partei PRO die Koalition Cambiemos gebildet und stand im Gespräch als Minister. Macri bestätigte am Montag, dass Sanz sein Angebot abgelehnt habe, das Justizministerium zu übernehmen.

Zur zukünftigen Aussenpolitik erklärte Macri, er setze auf Fortschritte in den Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen des regionalen Wirtschaftsbündnisses Mercosur mit der EU. Er werde ausserdem auf dem nächsten Mercosur-Gipfel im Dezember in Asunción die Aussetzung der Teilnahme Venezuelas beantragen. Die Regierung des Präsidenten Nicolás Maduro werde «klar und überzeugend» der Verletzung der Demokratieklausel des Mercosur beschuldigt.

Msacri setzt sich im Gegensatz zu den vorherigen linkspopulistischen Regierungen für mehr Marktwirtschaft und weniger Einfluss des Staates in Argentinien ein. So will er Geldgeber anlocken.

Die drittgrösste Volkswirtschaft Lateinamerikas macht derzeit wirtschaftlich schwierige Zeiten durch. Auch aussenpolitisch deutete Macri einen Wandel an: Die Kirchner-Regierung hatte noch die Nähe Venezuelas, Russlands oder Chinas gesucht.

Der 58-jährige Rivale Scioli gestand seine Niederlage noch in der Wahlnacht ein. Fernández de Kirchner rief Macri an und lud ihn für Dienstag zu einem Treffen in der Präsidentenresidenz ein. Die Amtsübergabe ist für den 10. Dezember geplant.

Kirchner durfte nicht mehr kandidieren

Die Staatschefin selbst durfte laut Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren. Zuvor hatte ihr 2010 verstorbener Mann Néstor das Land von 2003 bis 2007 regiert. Die Wahlbeteiligung lag bei 81 Prozent.

Argentinien ist nach Brasilien das zweitgrösste Land Lateinamerikas und hat 41,8 Millionen Einwohner. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2016 ein Minus bei der Wirtschaftsleistung von 0,7 Prozent.

Die grössten Handelspartner sind Brasilien und China, gefolgt von den USA und Deutschland. Hauptexportwaren sind Agrarprodukte wie Soja und Erzeugnisse der Automobilindustrie.

(fest/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Buenos Aires - Argentinien strebt ... mehr lesen
Der Peso soll bald weniger Wert sein.
Mauricio Macri setzt auf eine unternehmerfreundlichere Politik.
Buenos Aires - Mit der Amtsübernahme des Konservativen Mauricio Macri ist die Ära der Präsidentin Cristina Fernández de ... mehr lesen
Buenos Aires - Argentiniens ... mehr lesen
Macri stellt im Kabinett einiges um.
Neugewählter Präsident Argentiniens.
Buenos Aires - Der konservative ... mehr lesen
Buenos Aires - In Argentinien ist am ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Der Ausgang des Duells gilt noch als offen.
Buenos Aires - Nach einem überraschend starken Abschneiden des Oppositionskandidaten Mauricio Macri in der ersten Runde steuert Argentinien auf eine Stichwahl um das Präsidentenamt zu. ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Der erste Wahlgang soll annuliert werden.
Der erste Wahlgang soll annuliert werden.
Untersuchungskommission empfiehlt Neuwahlen  Port-au-Prince - Angesichts Haitis anhaltender Wahlkrise hat eine unabhängige Untersuchungskommission Neuwahlen für das Präsidentenamt empfohlen. Der Leiter der Kommission, François Benoit, riet am Montag zur Annullierung des ersten Wahlgangs der Präsidentenwahl. mehr lesen 
Befürworter holen auf  London - Die Gegner eines Verbleibs Grossbritanniens in der EU holen einer neue Umfrage zufolge auf. In einer am Montag vorab verbreiteten ... mehr lesen  
Noch 51 Prozent befürworten einen Verbleib in der EU.
US-Wahlen  Washington - Der US-Republikaner Marco Rubio will nicht als Vize-Präsidentschaftskandidat unter Donald Trump antreten. «Ich wäre nicht die richtige Wahl für ihn», sagte Rubio dem ... mehr lesen  
Mit 55,8 Prozent der Stimmen  Orlando - Im US-Wahlkampf hat die libertäre Partei den ehemaligen Gouverneur Gary Johnson zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl gekürt. Der 63-Jährige erhielt beim Parteitag am ... mehr lesen
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 3°C 10°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 3°C 7°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
St. Gallen 9°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 2°C 7°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Luzern 4°C 11°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Genf 4°C 9°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Lugano 8°C 8°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten