Kosovo-Unabhängigkeit : Alle tippen auf den 17. Februar
publiziert: Samstag, 9. Feb 2008 / 17:15 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Feb 2008 / 17:37 Uhr

Belgrad/Pristina - Auch die Serben sind sich inzwischen ziemlich sicher: Die Albaner in der abtrünnigen Provinz Kosovo werden sich am 17. Februar für unabhängig erklären.

Agim Ceku, der  frühere Kosovo-Regierungschef, hatte das Datum 17.11. durchsickern lassen.
Agim Ceku, der frühere Kosovo-Regierungschef, hatte das Datum 17.11. durchsickern lassen.
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Es gebe «bedeutsame Informationen» in diese Richtung, berichtete die Regierung in Belgrad am Freitag. Am Tag zuvor hatte der frühere Kosovo-Regierungschef Agim Ceku, immerhin noch bis Anfang Januar federführend an den Vorbereitungen beteiligt, ebenfalls dieses Datum genannt.

«Jedenfalls wird es noch im Februar passieren, genauer gesagt, in der Mitte des Monats», sagte er in Slowenien. Und EU-Diplomaten in Pristina bestätigen hinter vorgehaltener Hand: «Der Tipp 17. Februar ist der wahrscheinlichste.»

Ceku-Nachfolger Hashim Thaci hatte die Trennung von Serbien und die Selbstständigkeit der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz wiederholt als «Frage von Tagen», jedoch ohne konkretes Datum angekündigt.

Am Donnerstag stellte dann die Kosovo-Regierung eine Million Euro bereit, mit denen die Feiern bei der Gründung dieses jüngsten europäischen Staates bezahlt werden sollen.

«Alles bereit»

Vertreter der Kosovo-Regierung versichern, alles sei bereit. Die Staatsfahne ebenso wie die Nationalhymne und die Grundzüge der Verfassung.

Alles folge streng den Vorschlägen des UNO-Vermittlers Martti Ahtisaari, dessen Plan einer eingeschränkten Unabhängigkeit unter Aufsicht der EU von Serbien und Russland verworfen worden war. Genau dieser Plan soll jetzt mit Unterstützung der USA und Brüssels realisiert werden.

Datum setzt EU und UNO unter Druck

Warum wird der gerade der 17. Februar als Termin angepeilt? Der 17. ist ein Sonntag. Sonntags tritt der UNO-Sicherheitsrat in New York traditionell nie zusammen, um eventuell diesen Schritt der Albaner zu verurteilen.

Am 18. Februar treffen sich die EU-Aussenminister. Die wären dann gezwungen, ihre Differenzen in der Kosovo-Frage beiseitezulassen und Farbe zu bekennen. Die Kosovo-Regierung wird nach diesem Szenario die schon lange vorbereitete EU-Mission mit knapp 2000 Polizisten, Zöllnern, Richtern und Verwaltungsexperten ins Land bitten.

Ursprünglich war geplant, dass UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die EU-Mission ins Kosovo einladen soll, um die bisherige UNO-Verwaltung (UNMIK) zu ersetzen, wie westliche Diplomaten berichtet hatten. Wegen des Widerstandes von Russland habe sich der UNO-Chef dazu aber nicht durchringen können.

Der wirkliche Zeitpunkt der Unabhängigkeit des Kosovos müsse in Brüssel festgelegt werden. Denn auch Serbien müsse in diesen Prozess eingebunden werden, heisst es.

Zeit wird knapp wegen Spanien-Wahl

Sollte der 17. Februar platzen, wird die Zeit knapp. Denn bei den Parlamentswahlen in Spanien am 9. März könnten die Konservativen an die Macht kommen.

Schon jetzt ist die sozialistische Regierung wegen der Minderheiten im eigenen Land nicht begeistert von einem unabhängigen Kosovo. Basken oder Katalanen könnten sich an diesem Präzedenzfall orientieren, so die Sorge.

Während die Sozialisten dennoch an einem Strang mit der EU-Mehrheit ziehen, könnten die Konservativen eine härtere Position einnehmen und sich querlegen. In jedem Fall wird es eng für die Konditorei «Fellini» in Pristina. Die Zuckerbäcker wollen für den Jubeltag eine Riesentorte von 100 Quadratmetern in Gestalt der Kosovo-Landkarte herstellen. Zum Backen benötigen sie wenigstens zehn Tage Vorlaufzeit.

(Thomas Brey/sda)

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