Psychologen sollen künftig auf Krankenkassenkosten therapieren
Krankenkassen sollen Psychologen bezahlen
publiziert: Sonntag, 19. Feb 2012 / 16:44 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 19. Feb 2012 / 17:05 Uhr
Psychologen behandeln Volkskrankheiten.
Psychologen behandeln Volkskrankheiten.

Bern - Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) prüft, ob Psychologen künftig auf Krankenkassenkosten therapieren sollen. Im Zentrum steht dabei ein «Anordnungsmodell», wonach ein Arzt den Patienten zum Psychologen schickt.

1 Meldung im Zusammenhang
Der Therapeut rechnet dann selbst mit der Krankenkasse ab, wie es die Physiotherapeuten schon heute tun. BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher bestätigte eine entsprechende Meldung der «NZZ am Sonntag».

Abgeklärt wird auch, ob Psychotherapeuten als selbständige Leistungserbringer gelten sollen. In diesem Fall könnten Patienten ohne Umweg über einen Mediziner eine Therapie durch die Grundversicherung bezahlen lassen. Dafür wäre allerdings eine Gesetzesanpassung notwendig.

Vorgebracht wurden die Ideen im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten zur Inkraftsetzung des Psychologieberufegesetzes. Dieses Gesetz wurde im vergangen März von den eidg. Räten verabschiedet. Es definiert schweizweit Standards und Anforderungen dazu, wer sich Psychologe oder Psychologin nennen darf.

Erstaunlich sind die Ideen insofern, als es in der Botschaft zum Psychologieberufegesetz heisst, dass «die Zulassung der nichtärztlichen, psychologischen Psychotherapie zur Abrechnungsberechtigung zulasten der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung heute nicht vorgesehen ist».

Nur die Hälfte lässt sich behandeln

Gleichzeitig ist die Idee, den Zugang zur Grundversicherung für Psychologen zu vereinfachen, auch begründet: Gemäss dem Nationalen Gesundheitsbericht von 2008 leidet knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal im Leben an einer psychischen Störung, die therapiert werden sollte.

Jährlich sind gemäss dem Bericht bei 10 Prozent der Bevölkerung behandlungsbedürftige Störungen zu verzeichnen. In Behandlung waren jedoch nur etwas über 5 Prozent der Bevölkerung. Die negativen Folgen verzögerter Behandlungen sind gross. Psychologen könnten helfen, die Lücke zu schliessen. Das Gesetz regelt jedoch nur den Titelschutz.

Schon frühere Versuche, psychologische Therapien durch die Grundversicherung bezahlen zu lassen, scheiterten. Einerseits, weil die Krankenkassen die Kostenfolgen fürchteten, und anderseits, weil sich Ärzte und Psychologen nicht einigen konnten. Am Widerstand der Krankenversicherer hat sich heute nichts geändert.

Heute können Psychologen ohne Medizinstudium nur als Angestellte und unter Aufsicht eines Arztes ihre Therapie bei der obligatorischen Grundversicherung abrechnen. Nimmt eine Patient die Arbeit eines Psychologen direkt in Anspruch, muss er die Kosten selbst tragen oder eine Zusatzversicherung abschliessen.

(fest/sda)

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Das sehe ich nicht so . . .
. . . hätten Sie schon traumatisierte-, oder depressive Menschen gepflegt, würden Sie den Wert einer psychotherapeutischen Behandlung anders einstufen. Tausende von essgestörten, paranoiden, depressiven und suchtkranken Patienten suchen unsere Kliniken auf. Ein Grossteil davon wird wieder gesund und jene die länger brauchen finden zumindest Wege, ihr Leben wieder weiterzuführen. Ich kenne persönlich geheilte Leute, die ohne Behandlung nicht mehr leben würden. Nach der Behandlung "funktionieren" sie jedoch wieder als Eltern, Mitarbeiter oder sogar Künstler. Wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft und ich bin sicher, dass da jeder Kassenfranken gut investiert ist.
Nachweislich?
Wenn eine Gesellschaft, die auf Druck und Profit aufgebaut ist den einzelnen krank macht, ist die Ursache zu beseitigen und nicht im Nachhinein das Resultat zu korrigieren.
Es gibt keine Psychotherapie, deren wirksamkeit nachgewiesen ist - das ist schlichtwegs nicht wahr!
Wenn man nicht mehr arbeiten kann . . .
. . . dann ist man krank und dann muss man von qualifizierten Fachleuten behandelt werden. Wenn unsere Hochleistungsgesellschaft Menschen krank macht, dann hat sie diese Schäden auch zu behandeln, ansonsten können wir auf die Krankenkasse gleich verzichten. Jede Ausklammerung vom Versicherungsschutz führt zur Entsolidarisierung die letztlich nur den Versicherungen nützt. Psychotherapien sind anerkannte Methoden, die den Krankheitsverlauf nachweislich verbessern und auch verkürzen.
Von Schwachsinnigen behandelt - KVG-Schafe bezahlen
Tolle Aussichten!
Es ist erwiesen, dass Psychotherapien zu nichts nutze sind ausser den Stand der Therapeuten zu finanzieren. Eine weitere Geisselung derjenigen, welche für Ihre geistige und körperliche Gesundheit
sorgen und sich von den KRANKEN Kassen beuteln lassen.
Dem BAG kommt eine solche Lösung sicher Recht, sind doch diese Zahlen für den BIP erfolgswirksam.

Wer auch immer solche Ideen publiziert, sollte sich auf seine geistige Gesundheit untersuchen lassen - am besten von einem Therapeuten!
Es bleibt wies ist - der Arzt behandelt, der Therapeut therapiert und die Schafe bezahlen!
Heilen können eben wirklich nur Heiler!
besser so als...
ich finde wenn der esoterik-schnickschnack schon bezahlt wird dann darf die überweisung vom hausarzt an einen psychologen auch bezahlt werden. evtl. wirkt sich das sogar positiv auf die kostenentwicklung aus.
nice to have !
Die Handschrift bzw. die ideologische Herkunft des Vorstehers des EDI ist klar zu erkennen. Der Staat soll es richten und die Allgemeinheit über die Krankenkassenprämien bezahlen. So einfach ist das. Seit der Einführung des KVG durch die SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss kennen die Krankenkassenprämien nur eine Richtung, nämlich steil nach oben. Irgendwann wird es für viele unbezahlbar und wer bezahlt dann, der Staat - und wer ist der Staat? Sozialdemokratische Politik ist ein bisschen zu einfach, aber vieles ist wünschenswert und realisierbar, solange man es nicht selbst bezahlen muss.
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