Kratze an Putin...
publiziert: Montag, 20. Nov 2006 / 12:40 Uhr

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Es gab einmal den Spruch, der besagte, dass, wenn man an einem Russen kratze, ein Tatare zum Vorschein komme. Die wechselhafte Geschichte des einstigen Zarenreiches, indem sich Unterwerfung und unterworfen sein abwechselten und die immer noch orientalische Natur dieses Volkes sollten damit zum Ausdruck gebracht werden.

Doch Russland scheint unterdessen auf dem Weg in einen geistigen Westen zu sein. Der Beitritt zum WTO, der bald Tatsache sein wird, die Handels- und Energielieferverträge mit Westeuropa, das offensichtliche Ende des Drucks auf die baltischen Staaten scheinen alles Zeichen davon zu sein. Dazu kommt noch Vladimir Putin, der polyglotte, charmante Staatsführer, Dutzfreund von Ex-Kanzler Gerd Schröder, ein Mann auf den man zählen kann.

Oder doch nicht? Unter dem Vorwand, dass Russland noch nicht reif für die Freiheit wie im Westen sei, lässt Putin seit Jahren die Presse zensieren und jene, die auch dann noch nicht den Mund halten wollen, sterben unter mysteriösen Umständen.

Am 7. Oktober wurde die regierungskritische Journalistin Anna Politkovskaya in ihrer Wohnung in Moskau ermordet. Sie wurde brutal erschossen – wer die Täter sind, ist bis heute unbekannt. Es ist aber nicht abwegig davon auszugehen, dass sie wegen ihres Engagements gegen die Tschetschenien-Politik von Putin sterben musste. So verstummte eine weitere unbequeme Stimme.

Doch nicht nur Journalisten müssen um ihr Leben fürchten. Als 2004 der ukrainische Präsident eine Dioxin-Vergiftung erlitt, deuteten alle Indizien darauf, dass auch dahinter Leute steckten, die loyal gegenüber Putin waren. Doch der Mordversuch misslang und Juschtschenko überlebte, leidet aber noch heute an den Folgen dieses Anschlages.

Auch Alexander V. Litvinenko wusste, dass er auf der Abschussliste Putins stand. Für Putin musste dieser ehemalige Agent des Russischen Inlandsgeheimdienstes FSB ein besonderer Dorn im Auge gewesen sein. Litvinenko hatte Russland vor 6 Jahren verlassen und 2001 in England Asyl bekommen, nachdem er von 1988 bis 1999 für den FSB gearbeitet hatte. Das allein musste ihn in den Augen von Putin schon zum Verräter gemacht haben.

Als er aber 2003 ein Buch veröffentlichte, in welchem er die Bombenanschläge auf Moskauer Wohnhäuser im Jahr 1999 dem FSB anlastete, dürfte er auf der Abschussliste noch ein paar Ränge nach oben gerückt sein.

Trotzdem machte er weiter. Der Mord an Anna Politkovskaya hat Litvinenko sehr interessiert. Am 1. November erhielt er bei einem Treffen mit einem Informanten Unterlagen zur Verwicklung des FSB in den brutalen Mord. Was er damals ohne sein Wissen aber auch erhielt, waren 3 Gramm Thallium.

Thallium, ein Schwermetall, ist ein langsam wirkendes Gift, von dem normalerweise schon ein Gramm tödlich wirkt. Litvinenko wurde es schon wenige Stunden nach dem Treffen mit dem Informanten übel und er liegt jetzt in einem Londoner Spital, um sein Leben kämpfend.

Von der russischen Regierung ist keine Stellungnahme zu hören gewesen, doch dieser Fall könnte sich zu etwas grösserem auswachsen, denn Litvinenko hat seit einiger Zeit die englische Staatsbürgerschaft, so dass die britische Regierung über diesen Vorfall kaum amused sein dürfte.

Litvinenko und andere regimekritische russische Emigranten in London gelten für Putin als Terroristen. Egal, welchen Pass sie besitzen. Wenn sie seiner Regierung schaden könnten, müssen sie mit dem Tod rechnen. Diese Konsequenz erklärt sich natürlich aus Putins Herkunft... denn wer an Putin kratzt, wird unter der dünnen Patina des Staatschefs vermutlich keinen Tataren sondern einen KGB-Agenten finden.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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