Drei von zehn sind betroffen
Krebsbehandlung treibt US-Patienten in Armutsfalle
publiziert: Dienstag, 15. Mrz 2016 / 08:55 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 15. Mrz 2016 / 10:22 Uhr
Zahlreiche Krebspatienten und Überlebende meiden oder verzögern die medizinische Versorgung.
Zahlreiche Krebspatienten und Überlebende meiden oder verzögern die medizinische Versorgung.

Richmond - Das Überleben einer Krebserkrankung ist eigentlich ein Anlass zum Feiern, doch drei von zehn Betroffenen haben danach finanzielle Probleme.

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Diese finanziellen Probleme bringen oft anhaltende psychische und körperliche Beeinträchtigungen mit sich. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Virginia Commonwealth University School of Pharmacy.

Teure Behandlungen

Zahlreiche Krebspatienten und Überlebende meiden oder verzögern die medizinische Versorgung. Sie gehen nicht zu Arztterminen und nehmen Medikamente aus Sorgen vor den Kosten nicht mehr ein. Immer mehr Patienten mit Krebs überleben die Erkrankung. Im Januar 2014 gab es allein in den USA rund 14,5 Mio. Überlebende. Diese Zahl soll bis 2024 dank besserer Therapien und einer höheren Lebenserwartung auf 19 Mio. steigen.

Da sich damit auch die Kosten für die medizinische Versorgung erhöhen, bringt dies steigende Beträge mit sich, die die Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass Krebspatienten je nach Art der Versicherung zwischen 1.730 und 4.727 Dollar (1.500 bis 4.200 Euro) pro Jahr für die Behandlung und weitere Kosten aufbringen müssen. Nur wenige Studien haben bisher die finanzielle Belastung der Betroffenen untersucht.

Das Team um Hrishikesh Kale analysierte die Daten zur medizinischen Versorgung aus dem Jahr 2011 von 19,6 Mio. Überlebenden. Von einer finanziellen Belastung wurde ausgegangen, wenn der Patient sich Geld geliehen oder Konkurs angemeldet hatte, sich Sorgen um die Bezahlung grosser Rechnungen machte, nicht in der Lage war, die Kosten für Untersuchungen zu bezahlen oder andere finanzielle Opfer aufgrund der Erkrankung bringen musste.

Viele machen Schulden

Fast 29 Prozent hatten aufgrund der Diagnose, der Behandlung oder den Folgen von Therapien mit einem finanziellen Problem zu kämpfen. 21 Prozent der Überlebenden machten sich Sorgen über grosse Rechnungen für die medizinische Versorgung, 11,5 Prozent konnten nicht für Arztbesuchte bezahlen, 7,6 Prozent hatten sich Geld ausgeliehen oder Schulden gemacht, 1,5 Prozent meldeten Konkurs an und 8,6 Prozent erbrachten andere finanzielle Opfer.

Diese finanziellen Probleme führten geistig und körperlich zu einer verringerten Lebensqualität. Dazu gehörte auch die höhere Wahrscheinlichkeit von Depressionen und psychischer Belastungen. Die Betroffenen machten sich auch eher Sorgen über einen Rückfall als Überlebende, die keine finanziellen Probleme hatten. Je grösser die finanziellen Probleme waren, desto stärker wurde auch die Lebensqualität in Mitleidenschaft gezogen.

Einige Arten von finanziellen Problemen hatten grössere Auswirkungen. Ein Konkurs stand mit einer um 20 bis 25 Prozent verringerten Lebensqualität in Zusammenhang. Ein Absinken von sechs bis acht Prozent stand mit der Sorge um das Bezahlen grosser Rechnungen in Verbindung. Laut Mitautor Norman Carroll könnten die Auswirkungen auf die Patienten durch eine Verringerung der Kosten verbessert werden.

Dafür seien gemeinsame Lösungen aller Beteiligten erforderlich. Ärzte sollten vor der Auswahl eines Behandlungsansatzes überlegen, kostengünstigere Alternativen mit einem ähnlichen Behandlungserfolg anzubieten. Die Behandlungskosten seien mit den Patienten zu besprechen und auch bei der Entscheidung für eine Therapie einzubeziehen.

(cam/pte)

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