Kremlkritiker Kasparow muss vor Gericht
publiziert: Freitag, 24. Aug 2012 / 21:33 Uhr
Der russische Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow ist ein langjähriger Kritiker von Präsident Wladimir Putin.
Der russische Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow ist ein langjähriger Kritiker von Präsident Wladimir Putin.

Moskau - Wegen einer Demonstration, bei der er einen Polizisten gebissen haben soll, ist der russische Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow am Freitag vor Gericht erschienen. Etwa 20 Unterstützter jubelten dem 49-Jährigen zu, als er das Moskauer Gerichtsgebäude betrat.

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Im selben Gebäude waren vor einer Woche die Mitglieder der Kreml-kritischen Punkband Pussy Riot zu je zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Kasparow hatte damals an einer Demonstration zur Unterstützung der drei Frauen teilgenommen.

Formell beschuldigt ist Kasparow bisher nur, gegen Bestimmungen bei der Organisation der Demonstration verstossen zu haben. Dafür sind maximal 15 Tage Haft vorgesehen. Sollte er jedoch wegen des Angriffs auf den Polizisten angeklagt werden, könnten ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen.

Laut dem privaten Fernsehsender Doschd zeigte sich Kasparow vor Gericht am Freitag kämpferisch. Er habe bereits fünf Mal wegen aus seiner Sicht politischen Vorwürfen vor Gericht gestanden, sagte der langjährige Kritiker von Präsident Wladimir Putin demnach.

Video-Bilder von der Demonstration am Tag des Pussy-Riot-Urteils zeigen, wie ein Polizist Kasparow anscheinend auf den Kopf schlägt. Er wird danach in einen Bus der Sicherheitskräfte gebracht. Ein Beamter beschuldigte den Schachmeister später, ihn ausserhalb der Sichtweite der Kameras in die Hand gebissen zu haben.

Gegenklage von Kasparow

Kasparow weist dies zurück und hat den Polizisten wegen illegaler Festnahme und Verleumdung verklagt. Die Moskauer Polizei hat die Untersuchung der Biss-Vorwürfe an den Bundesermittlungsausschuss weitergegeben, der bereits gegen eine Reihe anderer prominenter Putin-Kritiker vorgeht.

Die Pussy-Riot-Musikerinnen waren am Freitag vergangener Woche wegen «Rowdytums» und «Anstiftung zu religiösem Hass» zu jeweils verurteilt worden. Sie hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein «Punk-Gebet» gegen Putin aufgeführt. Das Urteil rief weltweit Kritik hervor.

(asu/sda)

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