Mildes Urteil für beteiligte US-Soldaten am Haditha-Massaker
Kriegsverbrecher Frank Wuterich muss nicht in Haft
publiziert: Mittwoch, 25. Jan 2012 / 08:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 25. Jan 2012 / 15:50 Uhr
Die Soldaten gingen von Haus zu Haus und töteten 24 Menschen.
Die Soldaten gingen von Haus zu Haus und töteten 24 Menschen.

Camp Pendleton - Das Massaker von Haditha, das das Image der USA im Irak-Krieg nachhaltig beschädigt hat, bleibt ungesühnt. Für eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak muss auch der hauptverantwortliche Soldat nicht ins Gefängnis.

4 Meldungen im Zusammenhang
Ein Militärgericht in Kalifornien verurteilte den Unteroffizier Frank Wuterich am Dienstag (Ortszeit) zwar zu 90 Tagen Haft, doch muss er die Strafe wegen einer Abmachung zwischen Anklage und Verteidigung nicht absitzen. Die irakische Regierung reagierte am Mittwoch erbost auf das Urteil.

Wuterich bekannte sich der Pflichtverletzung für schuldig. Demnach wird der Unteroffizier nun lediglich im Dienstgrad zurückgestuft, muss aber nicht ins Gefängnis. Ihm bleiben auch Gehaltseinbussen erspart. Das Gericht führte dafür als mildernden Umstand Wuterichs Situation als alleinerziehender Vater an.

Die Anklage hatte ursprünglich auf Totschlag in neun Fällen gelautet. Diesen Vorwurf hatte die Anklage bereits fallengelassen, weil sich der 31-Jährige am Montag vor dem Gericht schuldig bekannt hatte.

Rachefeldzug

Am 19. November 2005 war eine Gruppe Marineinfanteristen unter Wuterichs Kommando nach dem Tod eines Kameraden bei einem Anschlag in einem regelrechten Rachefeldzug durch die Stadt Haditha in der Provinz al-Anbar im Nordwesten des Landes gezogen. Rund drei Stunden lang gingen sie von Haus zu Haus und töteten 24 Menschen, darunter zehn Frauen und Kinder.

Die US-Armee hatte anfangs erklärt, die Zivilisten seien durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen. Recherchen des US-Magazins «Time» brachten das Massaker 2006 ans Licht.

Der Angeklagte hatte eingeräumt, den Befehl ausgegeben zu haben, erst zu schiessen und dann Fragen zu stellen. Wuterich erklärte aber, er habe damit eine Bedrohung abwehren und das Leben seiner Leute retten wollen.

In einer Erklärung vor Gericht entschuldigte sich Wuterich bei den Angehörigen der Opfer. Er habe nicht auf unschuldige Frauen und Kinder gezielt, betonte er. Hintergrund seiner Anordnung sei nicht gewesen, zivile Opfer zu treffen, sondern im Angesicht des Feindes potenziell tödliches Zögern zu verhindern.

Widersprüche

Diese Erklärungen widersprechen allerdings Aussagen von Angehörigen der Einheit sowie Vorwürfen der Anklage, wonach Wuterich Schüsse in ein dunkles Hinterzimmer feuerte, in dem eine Frau und Kinder getötet wurden.

Mit dem Urteil vom Dienstag endete der letzte von einst acht Prozessen gegen US-Soldaten in dem Fall. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, in den anderen Fällen wurden die Vorwürfe fallen gelassen. Wuterich hat angekündigt, die Marineinfanterie zu verlassen.

(joge/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Camp Pendleton - Im Militärprozess ... mehr lesen
US-Soldaten übten Rache wegen des Tods eines Kameraden. (Symbolbild)
Nach dem Tod ihres Kameraden übte eine Gruppe Marineinfanteristen ein Massaker an der irakischen Zivilbevölkerung aus.
Camp Pendleton - Mehr als sechs Jahre nach dem Massaker an Zivilisten im irakischen Haditha muss sich der letzte von ursprünglich acht US-Soldaten vor einem kalifornischen ... mehr lesen
Der angeklagte Gefreiten soll zwei Mädchen ermordet haben.
Bagdad - Ein Ermittler der US-Streitkräfte hat sich dafür ausgesprochen, das Verfahren gegen einen US-Soldaten wegen des Massakers an Zivilisten im irakischen Dorf Haditha ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Unsere Streitkräfte haben 460 Leute evakuiert», sagte ...
Gelungene Flucht  Nahe Falludscha - Hunderten Irakern ist am Freitag die Flucht aus der belagerten Stadt Falludscha gelungen. Es war nach irakischen Angaben die grösste Gruppe, die die seit Tagen umkämpfte Stadt verlassen konnte. Dort leben nach Schätzungen rund 50'000 Menschen. mehr lesen 
Haider al-Abadi sagt der IS den Kampf an.
Unterstützung durch USA  Bagdad - Irakische Soldaten haben unterstützt von US-Luftangriffen mit einer Militäroperation zur Rückeroberung der Stadt Falludscha aus den Händen der Terrormiliz Islamischer ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 3°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel 4°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
St. Gallen 2°C 3°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Bern 2°C 4°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern 3°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee freundlich
Genf 2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Lugano 5°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten