Kriegsverlierer Hollywood: Von US-Publikum abgelehnt
publiziert: Freitag, 30. Nov 2007 / 16:53 Uhr / aktualisiert: Samstag, 1. Dez 2007 / 15:02 Uhr

San Francisco - Die geballte Star-Power von Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford konnte das Polit-Drama «Lions for Lambs» nicht vor dem Untergang retten.

Cruise als Senator Jasper Irving in «Lions for Lambs».
Cruise als Senator Jasper Irving in «Lions for Lambs».
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Der von Redford inszenierte Streifen, der brisante Fragen über den Krieg in Afghanistan, machthungrige Politiker und unkritischen Journalismus aufwirft, ist an den US-Kinokassen gefloppt. Seit Anfang November spielte der für 30 Millionen Dollar gedrehte Film nicht einmal die Hälfte seiner Kosten ein.

«Amerika will sich nicht mit dem Krieg befassen», beklagte sich unlängst der US-Soldat Jabbar Magruder in der Zeitung «San Francisco Chronicle»: «Die Leute sind apathisch». Der 24-Jährige hatte elf Monate im Irak gekämpft.

Kriegsteilnehmer «betroffen»

«Es trifft mich sehr, dass die US-Bürger sich für diese Filme nicht interessieren», pflichtet der Armee-Sanitäter Joe Wheeler bei, der ein Jahr im Irak war. Auch «Mission: Impossible»-Regisseur Brian De Palma ist mit «Redacted» in den USA gescheitert.

Hatte er im September in Venedig noch den Silbernen Löwen für die beste Regie erhalten, so bescherten die US-Kritiker seiner Doku-Fiktion über die Vergewaltigung und Ermordung einer 14-jährigen Irakerin durch US-Soldaten eher schlechte Noten. Entsprechend mager fiel der Kinostart Mitte November aus.

Ist es zu früh?

De Palmas Hoffnung, «dass die Leute wieder auf die Strassen gehen wie in den 60er Jahren gegen den Vietnamkrieg», dürfte dadurch weiter getrübt werden. Gemäss einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew sind zwei Drittel der US-Bürger gegen den Krieg im Irak.

63 Prozent gaben an, dass die Probleme der zurückkehrenden Soldaten in den Medien zu wenig Aufmerksamkeit erhielten und dass nicht genug über deren persönliche Erfahrungen berichtet werde. Doch für die Aufbereitung auf der Leinwand ist es möglicherweise noch zu früh.

Späte Erfolge

Viele Menschen seien gefühlsmässig noch nicht soweit, den Krieg im Kino zu sehen, erklärt der Psychologe Joe Bobrow, der Kriegsheimkehrer betreut. Filme über den Vietnamkrieg (1965 bis 1975) seien erst Jahre nach dem Abzug der US-Truppen aus Südostasien mit Erfolg gelaufen.

Der Antikriegsfilm «Coming Home» mit Jane Fonda und Jon Voight spielte 1978 über 30 Millionen Dollar ein. Ein Jahr später lieferte Francis Ford Coppola mit «Apocalypse Now» einen Treffer.

Oliver Stones «Born on the Fourth of July» mit Tom Cruise als querschnittsgelähmter Heimkehrer und Kriegsgegner brachte 1989 zwei Oscar-Trophäen und mehr als 70 Millionen Dollar ein.

Weitere Kriegskost

Erste Anzeichen für die neue Kriegsmüdigkeit der US-Zuschauer gab es vor einem Jahr, als Hollywoodstar Clint Eastwood mit «Letters From Iwo Jima» über die US-Invasion auf der japanischen Pazifikinsel im Jahr 1945 nur dreizehn Millionen Dollar einspielte.

In den kommenden Monaten wird den US-Bürgern, ob sie es wollen oder nicht, weitere Kriegskost serviert. Anfang Dezember startet das Familiendrama «Grace Is Gone» mit John Cusack als Kriegswitwer und Vater, dessen Ehefrau im Irak getötet wird. 2008 ist Ryan Phillippe als fahnenflüchtiger Soldat in «Stop Loss» zu sehen. «Wenn sich die Leute diese Filme anschauen würden, dann hätten sie keine Entschuldigung mehr, weiter untätig alles hinzunehmen», sagte Geoff Millard dem «Chronicle». Seit seiner Rückkehr aus dem Irak leitet der 26-Jährige den Verband «Irakveteranen gegen den Krieg».

(Von Barbara Munker, dpa/sda)

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