Krisengespräche im Vatikan über irische Missbrauchsfälle
publiziert: Montag, 15. Feb 2010 / 15:03 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Feb 2010 / 20:30 Uhr
Kardinal Sean Brady wird zuerst mit dem Papst sprechen.
Kardinal Sean Brady wird zuerst mit dem Papst sprechen.

Rom - Im Vatikan haben zweitägige Krisengespräche zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Irland begonnen. Tausende Heimkinder waren bis in die neunziger Jahre von Geistlichen in kirchlichen Einrichtungen des Landes gequält und vergewaltigt worden.

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Zwei Untersuchungsberichte hatten die Fälle im vergangenen Jahr aufgedeckt. Die Opfer forderten vom Papst Rechenschaft und von der Kirche finanzielle Entschädigung. Bis Dienstagmittag wird im Vatikan über Strategien diskutiert, «um jede Wiederholung zu verhindern».

Mehr als nur «kosmetische Massnahmen» erwartet

Dabei sollen die Bischöfe einzeln - jeweils etwa sieben Minuten lang - mit dem Papst sprechen, wie der Bischof von Clogher, Joseph Duffy, erklärte. Duffy erwartet von der Begegnung angesichts der «tiefen Wunden» der Kirche mehr als nur «kosmetische Massnahmen».

Das erste Gespräch soll der Papst mit dem Präsidenten der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, führen. Brady wollte dem Kirchenoberhaupt erstmals auch Stellungnahmen der Opfer übergeben. Der Delegation aus Irland gehören insgesamt 24 Mitglieder an.

Tausende Kinder gequält

Die Untersuchungsberichte hatten die Kirche 2009 in eine ihrer tiefsten Krisen gestürzt. Der erste Report zeigte im Mai, dass in Irland von 1930 bis in die neunziger Jahre hinein tausende Kinder von Kirchenleuten geschlagen, kahlgeschoren, mit Feuer oder mit Wasser gequält und vergewaltigt worden waren. Sie hatten Nummern statt Namen. Manchmal waren sie so hungrig, dass sie Abfall assen.

«Wir wollen, dass sich der Papst entschuldigt, nicht allgemein, sondern für das, was in Irland geschehen ist», zitierte der irische Sender RTE das Opfer Michael O'Brien. Es handle sich ausserdem nicht um ein rein irisches Problem, sondern «um ein Problem der katholischen Kirche weltweit», sagte O'Brien.

 

(fest/sda)

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