Probleme mit Nachbarstaat
Kritische Töne beim Besuch von Napolitano im Tessin
publiziert: Mittwoch, 21. Mai 2014 / 17:00 Uhr
Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano.(Archivbild)
Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano.(Archivbild)

Lugano - An seinem zweiten Tag in der Schweiz hat der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano das Tessin besucht. Am Rande einer Konferenz an der Universität in Lugano wurden auch die Probleme des Kantons mit dem Nachbarstaat angesprochen.

5 Meldungen im Zusammenhang
In seinen Begrüssungsworten an den italienischen Staatspräsidenten kam der Tessiner Staatsratspräsident Manuele Bertoli auch auf das Thema Grenzgänger zu sprechen. «Viele Italiener kommen ins Tessin zum Arbeiten. Das birgt ein grosses Potenzial, schafft aber auch Probleme», sagte er.

Der Kanton würde als Nachbar mit Anteilnahme auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Italien schauen, sagte Bertoli. Er sei froh über die Zusicherung des italienischen Präsidenten, bestehende Probleme gemeinsam mit der Schweiz lösen zu wollen.

Hintergrund dabei sind die Sorgen der Tessiner im Hinblick auf den regionalen Arbeitsmarkt. Befürchtet wird, dass die wachsende Zahl der Grenzgänger, die aktuell bei rund 66'000 liegt, zu Lohndumping und einer Verdrängung der im Kanton wohnhaften Arbeitnehmer führt. Die Wirtschaftskrise im Nachbarland forciert das Interesse der Italiener an einem Job in der Schweiz.

Vertrauen haben

Der italienische Staatspräsident äusserte sich in einem kurzen Grusswort am Ende der einstündigen Veranstaltung zufrieden über seinen Besuch in der Schweiz. An Bertoli gewandt sagte er, dass sich die Tessiner Bevölkerung nicht zu sehr von den Anzeichen in Italien für wirtschaftliche Probleme beeindrucken lassen sollte.

Sie könnte stattdessen Vertrauen in die Energie haben, über die Italien noch verfüge. Er verwies auf die enge Freundschaft zwischen den beiden Staaten. Es sei dabei kein Hindernis, dass Italien Gründungsmitglied der Europäischen Union sei, während die Schweiz den Weg der Unabhängigkeit wählte.

Erfreulicherweise würden die Beziehungen zwischen den Staaten immer intensiver, ergänzte Napolitano. Der italienische Staatspräsident wurde in Lugano von Bundespräsident Didier Burkhalter begleitet. Ihm dankte er für seine Sensibilität in den offiziellen Gesprächen am Vortag in Bern.

Besuch im Tessin hat Tradition

Napolitano und Burkhalter, in Begleitung ihrer Ehefrauen, wurden nach der Anreise aus Bern an der Università della Svizzera Italiana (USI) in Lugano vom gesamten Tessiner Staatsrat begrüsst. Geladen waren sie als Gäste einer Konferenz mit Vorträgen von Architekt Mario Botta und dem Professor für italienische Studien, Carlo Ossola, zu kulturellen Verbindungen mit Italien.

Der Staatsbesuch wurde von den Gästen in der Aula der USI mit grossem Applaus begrüsst. «Es ist Tradition, dass ein italienischer Staatspräsident auf seinem Besuch in der Schweiz auch das Tessin besucht», sagte Staatsratspräsident Manuele Bertoli. Es sei ein grosses Geschenk für den Kanton, dass Napolitano an dieser Tradition festhalte.

Offizielle Gespräche am Vortag

Offizielle Gespräche mit dem italienischen Präsidenten waren im Tessin nicht geplant. Im Anschluss an die Konferenz folgten ein Aperitif und ein Essen. Der Besuch von Giorgio Napolitano in der Schweiz ging damit zu Ende. Gespräche mit der Delegation aus Italien gab es dafür am Tag zuvor in Bern.

An diesen nahmen von Schweizer Seite neben Burkhalter auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, Verkehrs- und Umweltministerin Doris Leuthard sowie Wirtschafts-und Bildungsminister Johann Schneider-Ammann teil. Verschiedene bilaterale Dossiers wurden angesprochen.

(ig/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rom - Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano ist zurückgetreten. Der ... mehr lesen
Giorgio Napolitano verkündete seinen Rücktritt.
Eine Angleichung und Anhebung der steuerlichen Belastung sei gerechtfertigt.
Bellinzona - Grenzgänger, die täglich ... mehr lesen
Eveline Widmer-Schlumpf.
Bellinzona - Das Grenzgängerabkommen mit Italien soll verändert werden. Das versprach Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf dem Tessiner Staatsrat im Rahmen eines Treffens in ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 Millionen Franken aus der Radio- und Fernsehabgabe direkt unterstützt.
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 ...
57.5 Millionen Franken für entgangene Werbeeinnahmen  Bern - Die Coronavirus-Pandemie trifft die Medien hart. Ihre Werbeeinnahmen sind bereits drastisch gesunken. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Medien für die Demokratie hat das Parlament in der ausserordentlichen Session breit abgestützte Motionen überwiesen, um finanzielle Soforthilfe im Umfang von 57.5 Millionen Franken zu leisten. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. Mai 2020 zwei entsprechende Notverordnungen verabschiedet. mehr lesen 
Verbände Detailhandelsumsätze im März 2020  Bern - Die um Verkaufs- und Feiertagseffekte bereinigten Detailhandelsumsätze sind im März ... mehr lesen  
Der Detailhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren verbuchte eine Zunahme der nominalen und realen Umsätze von jeweils 8,4%.
Auch die Online Medien sollen profitieren  Bern - Die Medien sind für unsere direkte Demokratie von zentraler Bedeutung. Sie informieren die Bevölkerung und ermöglichen dadurch wichtige Debatten. Sinkende Erträge machen ihnen jedoch zu schaffen. Um die Rahmenbedingungen für die Medien zu verbessern und ein vielfältiges Angebot in den Regionen zu fördern, hat der Bundesrat beschlossen, die Medien mit einem Massnahmenpaket zu unterstützen. An seiner Sitzung vom 29. April 2020 hat er die Botschaft an das Parlament verabschiedet. Neben einem Ausbau der indirekten Presseförderung sieht der Bundesrat eine Unterstützung von Online-Medien sowie allgemeine Massnahmen zugunsten der elektronischen Medien vor. Die Unabhängigkeit der Medien bleibt gewahrt. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 16°C 32°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Basel 19°C 33°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 17°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Bern 16°C 32°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Luzern 18°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Genf 20°C 31°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Lugano 21°C 32°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten