Internet ist für Kubaner tabu:
Kuba: Propagandakrieg gegen die USA auch im Cyberspace
publiziert: Freitag, 22. Dez 2000 / 06:46 Uhr

Havanna - Den Propagandakrieg gegen die USA führt Kuba jetzt auch im Cyberspace. Auf einer soeben vorgestellten Homepage informiert die Regierung in allen Details über die gescheiterte Invasion einer exilkubanischen Truppe in der Schweinebucht im April 1961.

1 Meldung im Zusammenhang
Deren 40. Jahrestag soll im nächsten Jahr gross gefeiert werden soll. Wer sich die Seite anschaut, hat dort auch Zugang zu rund 150 Fotos. Als Zielgruppe scheinen die in Havanna regierenden Kommunisten vor allem Kubafreunde im Ausland im Visier zu haben. Denn für die meisten Bürger der Insel ist das Internet noch immer tabu. Das Regime, das auch keine unabhängige Presse zulässt, fürchtet offenbar den freien Fluss von Informationen.

Weder Computer noch Handy für Privatleute

Während sich der Gebrauch des Internets in anderen Teilen Lateinamerikas rasant ausbreitet, haben auf der Karibikinsel nur Regierungsstellen, einzelne Bereiche der Universitäten und ausländische Firmen Zugang zum weltweiten Datennetz. Letztere müssen dafür tief in die Tasche greifen. Wie die Dissidentengruppe «Arbeitsgruppe der internen Opposition» in einem Papier erläutert, darf ein kubanischer Privatmann weder einen Computer noch ein Handy erwerben. In einem Erlass sei ausserdem festgelegt, dass der Zugang zum Datennetz von einer interministeriellen Kommission genehmigt werden muss. «Dies ist eine weitere Form der Blockade des freien Denkens und des Zugangs zu Informationsquellen», heisst es in dem Papier. Anstatt die freie Entwicklung des Netzes zu erlauben, behindere die Regierung sie.

Teure Internet-Cafés

Das heisst allerdings nicht, dass Kubatouristen in Havanna nicht ihre Mailboxen checken könnten. Inzwischen gibt es im «Capitolio», einer Imitation des Washingtoner Kapitols am Rande der Altstadt, ein Internet-Café. Dort zahlt man aber für die Stunde fünf US- Dollar. Das entspricht umgerechnet fast der Hälfte eines durchschnittlichen kubanischen Gehaltes. Ausländische Unternehmen, Medien oder Botschaften können sich in Kuba von der Telefongesellschaft ETECSA einen Internet-Anschluss einrichten lassen. Das Surfen kostet Geschäftsleute bei unbegrenzter Verweildauer 250 US-Dollar (rund 430 Franken) pro Monat. Dies ist fast zehnmal so viel wie beispielsweise die in Mexiko üblichen Tarife. Im sozialistischen Kuba, das nach wie vor totalitäre Züge aufweist, ist es für die Bürger daher ausgesprochen schwer, sich unabhängig von der Regierungslinie über das Weltgeschehen zu informieren.

Antikommunistische Propagandasender

Von der US-Regierung finanzierte antikommunistische Propagandasender wie «Radio Marti» strahlen Radioprogramme nach Kuba aus, Fernsehsendungen kann das Regime in Havanna aber erfolgreich stören. Ausländische Presseerzeugnisse werden nur in den internationalen Hotels verkauft und wären für Kubaner bei Preisen von zwei US-Dollar für eine Zeitung ebenfalls viel zu teuer.

Einige unabhängige Journalisten haben in Kuba vor einigen Jahren begonnen, Beiträge an ausländische Medien zu verschicken. Da ihre Tätigkeit illegal ist, stehen sie mit einem Bein im Gefängnis. Aber ihre Artikel gelangen über ausländische Helfer ebenfalls ins Internet. So bietet etwa die Seite http://www.cubanet.org alternative Informationen zu den offiziellen Verlautbarungen der Regierungs-Website (http://www.cubaweb.cu).

(la/news.ch)

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