Kühe, Schweine, Frauen
publiziert: Freitag, 23. Mrz 2012 / 11:21 Uhr / aktualisiert: Freitag, 23. Mrz 2012 / 11:46 Uhr
Kühe: In etwa gleichwertig mit Frauen für gewisse Republikaner
Kühe: In etwa gleichwertig mit Frauen für gewisse Republikaner

In den ländlichen Gebieten so manch orientalischen Landes existiert immer noch eine aus den Urzeiten des Nomadentums überbrachte Werteordnung: Kühe - Ziegen - Frauen. Was uns absolut gerechtfertigter weise barbarisch und überkommen erscheint, feiert unterdessen in den USA in gewissen Gegenden und bei gewissen Parteien ein Comeback. Nur dass unterdessen die Ziegen durch Schweine ersetzt wurden.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Blog mit Video der Rede Englands
In diesem Blog wird der Redenausschnitt in einem Video gezeigt
thinkprogress.org

Der Gesetzesvorschlag, der im Parlament von Georgia diskutiert wurde, heisst HB 954 und er will Frauen verbieten, nach der 20. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung bekommen zu dürfen, selbst wenn der Fötus eine Totgeburt sein wird oder aus einem anderen Grund davon ausgegangen werden muss, dass das Kind die Schwangerschaft nicht überlebt.

Der republikanische Kongressabgeordnete Terry England argumentierte mit folgenden Worten für die Vorlage: «Das Leben gibt uns viele Erfahrungen ... zum Beispiel jene, Kälber auf die Welt zu bringen. Tot und Lebendig. Schweine, auch tot und lebendig. Es bricht unsere Herzen, wenn es diese Tiere nicht schaffen», um danach noch unglaublicheren Schwachsinn zu verzapfen (Siehe Video)

OK. Jetzt wird so manches klar, was hinter dem Krieg der konservativen Republikaner gegen die Frauen steht und hinter dem fanatischen Kampf für das ungeborene Leben, während das geborene Leben nicht wirklich interessant ist (ausser es geht in die Armee oder wird schwanger): Konservative Republikaner betrachten Frauen als Nutztiere.

Doch dummerweise hatten sich diese Nutztiere einige Rechte erkämpft, was die Autonomie über ihren Körper angeht. Ein unglaublicher, empörender Vorgang, der nun seit Jahren, zum Teil in ganz Amerika aber vor allem in einzelnen Staaten, rückgängig gemacht wird.

Dabei trampeln die «Gesetzgeber» mit Freude nicht nur auf spezifischen Rechten der Frauen herum, sondern verletzen auch noch grundsätzlichste Menschenrechte der Betroffenen, wie deren Recht auf Leben, deren Recht auf Intimsphäre, Freiheit, körperliche Integrität und das Recht darüber zu entscheiden, wann und wie sie Kinder haben wollen.

Die Absicht, Frauen - auch wenn ihr Leben dabei gefährdet wird - zu zwingen, Totgeburten auszutragen ist von einer Perversität und Menschenverachtung, die sonst irgendwelchen Sharia-Ländern zugeschrieben wird. Und dieses Gesetz ist nur der jüngste Vorstoss in einer Reihe von durch «christliche» Politiker propagierten Gesetzen, die in den ganzen USA debattiert oder gar in Kraft gesetzt werden.

Lebensgefährliche Schwangerschaften dürfen deshalb vielerorts nicht mehr abgebrochen werden - wenn die Frau stirbt, dann ist das eben so: Gott wollte das oder eben die männlichen Parlamentarier, die ihrem Frauenhass auf den Friedhöfen des Landes Ausdruck geben können.

Der ganze Wahnsinn basiert auf der irren Idee, das Zygoten Persönlichkeitsrechte verliehen werden, während den Müttern genau jene abgesprochen werden, zum Beispiel, wenn sie nach Vergewaltigungen abtreiben wollen. Eines der tollen Argumente: Zum einen wüssten die Frauen nicht was sie machten, die Definition von Vergewaltigung sei nicht so klar und ausserdem könnte es ja nur eine Ausrede sein, um an eine ansonsten verbotene Abtreibung zu kommen.

Dass diese Themen vor allem in den einstigen Süd-, Sklaven- und Rassentrennungsstaaten brennend sind, wo sich hinter einer abstossenden Fassade von Frömmigkeit ein Hass auf die Welt, die anders ist, versteckt, ist bestimmt kein Zufall. Ebenso wenig, dass ausgerechnet die, welche jungen Frauen den Zugang zu Verhütungsmittel und Abtreibungen verwehren, ohne Scham behaupten, dass allein erziehende Frauen eine Bedrohung für die Gesellschaft seien (Rick Santorum). Der Wahnsinn hat Methode ... aber keine Logik und er hat eine Heimat in der Tea-Party gefunden - und diese bestimmt die republikanischen Vorwahlen mit ihrem Liebling Santorum nicht unwesentlich mit.

Es sollte denn nicht verwundern, wenn irgendwann in diesen Staaten (oder bei einem Präsidenten Santorum in der ganzen USA) «Vergewaltigung zum Zweck der Reproduktion» straffrei gemacht würde, denn auch wenn Sauen und Kühe vergewaltigt werden, tragen sie ihre Kälber und Ferkel aus. Frauen sollen nicht so empfindlich sein sich an diesen Viechern ein Beispiel nehmen, wenn man sich auf die profunde Lebenserfahrung von Kongressmann England beruft, nicht wahr? Und wenn Sie es nicht selbst tun - dann hat es sicher eine Reihe rechtskonservativer, hasserfüllter, bibelschwingender Männer, die dies für sie tun werden.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
7
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
CNN-News Wird der US-republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum, der wachsende Umfragewerte erzielt, ... mehr lesen
Sanorum meint, dass Barack Obama einer «gefälschten Theologie» anhänge.
O Herr schmeiss Hirn ra'
"Was Du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu". Davon haben die Herren Santorum & Co. noch nichts gehört, oder?

Gelten diese Gesetze denn dann eigentlich auch für die Frauen von diesen Typen?
Bravo!!
Soll ich eine Übersetzung in die englische Sprache sponsern? Bestimmt wäre ein solcher Text auch in Teilen der USA druckbar...
Kühe, Schweine,Frauen
mir wird schlecht...! "Dummheit ist lernbar" schrieb einst Jürg Jegge. Amerika ist am lernen! (Jegge meinte es andersrum). Da kann man den Populisten nur zurufen: Mein Gott!!
ehehehe...
lol...
(Bitte nicht!)
Wow . . .
Etschmayer at its best. Der Patrik könnte doch das Rumpelstämpfchen ein wenig inspirieren (oder befruchten) das wäre fantastisch.
Unglaublich
Ein sehr guter Artikel Herr Etschmayer. Unglaublich dass so ein Gedankengut in unserer Zeit noch vertreten wird!
Finde ich gut
aber nicht nur Frauen sollten dem Nutzvieh untergeordnet werden, überhaupt sollte man die Gesellschaft schlicht nur noch in zwei Kategorien aufteilen.
Die Reichen und die die für die Reichen noch mehr Reichtum produzieren, auch Mittelschicht genannt (noch).

Gerade in England ist Cameron daran diesen feuchten Traum von jedem Rechtskonservativen zu verwirklichen.
Steuern massivst runter für Reiche, das hilft ja in der Krise scheints.
Privatisieren. Alles. Damit noch mehr Superreiche Konzerne entstehen, die das Volk komplett in der Hand haben.
Staat verkleinern, massiv. Damit irgendwann die wenigen Superreichen und deren Konzerne die Regierungen übernehmen können, nicht nur hintenrum sondern offen für alle sichtbar.
Dieses Ziel hat ja auch und vor allem die Tea Party.
Schlimm ist das England und die USA immer noch Vorbild sind und nachgeahmt werden.
Wenn Cameron die Thatcher Ära im Zeitraffer wiederholt und ein radikalisierter Republikaner Präsident an die Macht kommt, dann gnade allen die weniger als eine Million pro Jahr verdienen.

Dann können wir uns nur noch ergeben und unser modernes Sklaventum leben
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 
Erstmals «Super»-Erreger in den USA festgestellt Miami - In den USA ist erstmals ein sogenannter Super-Erreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten ...
Resistent gegen Antibiotika: E-Coli-Bakterien.
Welt ist nicht genügend vor tödlichen Erregern geschützt Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wappnet sich für die ...
Globaler Aktionsplan gegen «Superbakterien» gefordert London - Britische Experten schlagen Alarm: Wenn nichts dagegen ...
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher ... mehr lesen
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Am 5. Juni stimmen die Schweizer Bürger über die Pro-Service-public-Initiative ab.
Pro-Service-public-Initiative bei Linken und SVP populär Bern - Die von Bundesrat und allen Parteien im Parlament bekämpfte Pro-Service-public-Initiative würde derzeit vom ... 3
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat zugenommen.
Shopping 62 Franken pro Kopf für fair gehandelte Produkte Zürich - Schweizerinnen und Schweizer haben 2015 für 520 Millionen Franken fair gehandelte Produkte mit dem Label Max Havelaar eingekauft. Den ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 13°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 14°C 25°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 13°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 11°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 12°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 11°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 16°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten