Künstlerin will Agassizhorn umbenennen
publiziert: Mittwoch, 13. Aug 2008 / 07:42 Uhr

Bern - Die schweizerisch-haitianische Künstlerin Sasha Huber will das Agassizhorn umbenennen. Per Helikopter will sie auf dem Gipfel eine Tafel mit dem Namen «Rentyhorn» anbringen. Damit will sie an den umstrittenen Namensgeber des Berges erinnern.

Stein des Anstosses ist der Namensgeber des Agassizhorns, Louis Agassiz.
Stein des Anstosses ist der Namensgeber des Agassizhorns, Louis Agassiz.
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Louis Agassiz (1807-1873) war ein Schweizer Naturforscher und Glaziologe. Gleichzeitig war er ein Rassentheoretiker und gilt in gewissen Kreisen als Vater des wissenschaftlichen Rassismus. Im 19. Jahrhundert wurde der Gipfel in den Berner Alpen nach ihm benannt.

Ende Mai 2007, zum 200. Geburtstag von Agassiz, lancierte der St. Galler Historiker Hans Fässler die Kampagne «Démonter Louis Agassiz». Sie hat zum Ziel, das Agassizhorn in «Rentyhorn» umzutaufen - nach dem Sklaven Renty, den Agassiz als Beweis der Minderwertigkeit der schwarzen Rasse fotografieren liess.

Die Gemeinden Grindelwald BE, Guttannen BE sowie Fieschertal VS, auf deren Gebiet sich das 3953 Meter hohe Agassizhorn befindet und die deshalb für dessen Namensgebung zuständig sind, waren damit nicht einverstanden. Ebensowenig der Bundesrat, der eine entsprechende Interpellation von Nationalrat Carlo Sommaruga (SP/GE) im September ablehnend beantwortete. Auch Sommaruga forderte die Umbenennung in «Rentyhorn».

Gemeinden halten nichts davon

Und auch die für Ende August geplante Aktion von Sasha Huber, Mitglied des rund 16-köpfigen Komitees «Démonter Louis Agassiz», stösst auf wenig Gegenliebe bei den Gemeinden. «Nie und nimmer würden wir einer solchen Aktion zustimmen», sagte Emanuel Schläppi, Gemeindepräsident von Grindelwald, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Louis Agassiz habe zwar nicht alles gut gemacht in seinem Leben, betonte er. Das Agassizhorn sei aber aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit nach ihm benannt worden. Die persönliche Einstellung tue dabei nichts zur Sache.

Gleich tönt es aus den Gemeinden Guttannen und Fieschertal. «Von einer solchen Aktion halten wir gar nicht viel», sagte etwa Hans Abplanalp, Gemeindepräsident von Guttannen.

Keine Landung möglich

Emanuel Schläppi fragt sich, wie Huber die geplante Tafel mit dem Namen «Rentyhorn» überhaupt auf dem Gipfel anbringen will. Da es auf dem Agassizhorn keinen Gebirgslandeplatz gibt, darf der Helikopter nämlich nicht landen.

Das ist auch nicht nötig, wie die Künstlerin auf Anfrage erklärt. Sie und ihre Begleiter würden aus dem schwebendem Helikopter aussteigen. Ein Bergsteiger werde die Sicherungen vorbereiten, bevor sie selber und ihr Kameramann und Fotograf aussteigen würden.

Gemeinden nicht informiert

Geplant ist, die kleine Tafel «am Eis oder am Gipfel» zu befestigen, wie die 33-Jährige weiter sagt. Gehe das nicht, solle sie einfach am höchsten Punkt deponiert werden. Einen Helikopter habe sie für den 23. August gemietet.

Sasha Huber informierte die drei betroffenen Gemeinden nicht über ihr Vorhaben. Weil diese sich klar gegen eine Umbenennung ausgesprochen und ausserdem «keine Sensibilität für Fragen des Rassismus» gezeigt hätten, wie sie erklärt. Ausserdem gehe es um «eine künstlerische Aktion, und das ist eine Sache zwischen mir und dem Gipfel».

Von der Aktion verspreche sie sich, dass «sie auf einen der Ursprünge des Rassismus aufmerksam macht.» Sie wolle die «dunkle Seite des Louis Agassiz erneut beleuchten» und Renty und seiner Familie die Ehre erweisen. Die Aktion soll zudem Teil der Ausstellung von Huber in ihrem Wohn- und Arbeitsort Helsinki sein.

(tri/sda)

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