Begrüssungsrituale
Küsschen Küsschen
publiziert: Montag, 8. Jun 2015 / 16:17 Uhr
Pfötchen oder Schnäuzchen?
Pfötchen oder Schnäuzchen?

Begrüssungen sind nicht immer einfach. Wann kennt man sich gut genug, um einander Küsschen zu geben? Dann gibt es wieder die Situationen, die an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten sind.

So traf ich kürzlich eine Bekannte, die ihren Freund, den ich noch nicht kannte, dabei hatte. Sie stellte uns vor und wir gaben uns, was ich normal finde, formell die Hand. Wir redeten kurz und tauschten Neuigkeiten aus, um uns dann zu verabschieden. Natürlich umarmte ich meine Bekannte, weil das bis anhin unsere Gepflogenheit war. Als ich ihrem Freund wiederum die Hand schütteln wollte, merkte ich, dass ich in seiner Wahrnehmung bereits zur Familie gehörte und er mich deshalb auch umarmen wollte. Also ich mit Hand in der Luft und er im Anlauf zur Umarmung, wenn weisch was ich mein.

Während er merkte, dass ich mich noch nicht als seine Schwester sah, erkannte ich, dass ich jetzt mit ihm verwandt bin, ohne es gewusst zu haben. Also zog ich die Hand zurück um zu umarmen, während er wiederum die Hand ausstreckte. Mimik Theater pur. Peinlich dazu auch. Wenigstens bin ich manchmal in solchen Situationen schlagfertig und sagte: «Wämer Walzer tanze?», was augenblicklich das Eis brach und wir lachten alle drei.

Immer wieder schön sind auch die Situationen, wenn man Leute aus dem Ausland trifft. Garantiert hängt man knallhart mit Duckface in der Luft, wenn der Automatismus zum dritten Küsschen ansetzt. «Ah yes, in Switzerland you give three ...» Kännsch sicher au oder?

Viele meiner Freunde finden diese Sitte unsäglich und hassen das oberflächliche Geknutschte mit Menschen, die sie nicht genug gut kennen. Ich war aber schon oft dankbar dafür, konnte ich die Zeit des Luftküssens nutzen, darüber nachzudenken, wer das jetzt wohl sein möge. Zudem lockert es uns steife Schweizer doch noch etwas auf und gibt uns eine Plattform, ein unverkrampftes Gespräch zu initiieren.

Es gibt aber auch Tage, da verträgt man keinen Körperkontakt und schon gar nicht mit jemandem, den man nur flüchtig kennt.

Ein Freund von mir hustet dann immer fest oder schnäuzt sich unappetitlich die Nase, um dann entschuldigend ein «leider kann ich keine Küsschen geben, bin ja sooo krank» zu näseln. Herpes ist auch noch hilfreich, wenn auch nicht wirklich hübsch.

Wie auch immer, solltet ihr mich sehen und kennen, seid nicht verwirrt, wenn ich unbeholfen umezucke ... Packt mich eifach und tanzt einen Walzer mit mir, damit es niemand merkt. Merci!

*Sabrina Pesenti ist freelance Style Journalistin bei Gala Schweiz sowie Stylistin und Eventmanagerin. Zusammen mit Tamara Cantieni betreibt sie Blonderblog und ist neu wöchentlich in der Sendung «Bös & Boser» auf TV24 zu sehen.

(Sabrina Pesenti*/news.ch)

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