Ernährung von rund 50 Millionen Menschen
Kulinarische Globalisierung im Römischen Reich
publiziert: Mittwoch, 12. Aug 2015 / 09:25 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 12. Aug 2015 / 11:08 Uhr
Ein typischer Tag im antiken Rom begann mit dem «Jentaculum» oder Frühstück aus gesalzenem Brot, getrockneten Früchten, Käse und Eiern mit Milch oder Wein.
Ein typischer Tag im antiken Rom begann mit dem «Jentaculum» oder Frühstück aus gesalzenem Brot, getrockneten Früchten, Käse und Eiern mit Milch oder Wein.

Rom - Mittelmeer-Diät und Fastfood-Restaurants haben wir den alten Römern zu verdanken. Denn Essen auf der Strasse gehörte im Römischen Reich zum Alltag - von gesalzenen Erbsen bei den Gladiatorenkämpfen bis zu frittierten Fischen auf dem Heimweg von den Bädern.

Dass die Ernährung eines Reiches mit rund 50 Millionen Menschen vor mehr als 2000 Jahren eine Herausforderung war, zeigt eine Ausstellung in Italiens Hauptstadt. Noch bis Oktober zeigt das Museum Ara Pacis «Die Ernährung des Reiches von Rom bis Pompeji».

Die Versorgung der Bevölkerung war entscheidend für die römischen Kaiser: Lebensmittelknappheit hätte Aufstände zur Folge haben können - ein Risiko, das Augustus (63 vor bis 14 n.u.Z.) nicht eingehen wollte. Also machte er den Import von Weizen, Öl, Wein und anderen Nahrungsmitteln zur obersten Priorität - was die Küche revolutionierte und die viel gerühmte Mittelmeer-Diät hervorbrachte.

«Die von den Römern für ihre Ernährung entwickelte Logistik ist faszinierend», sagt Kuratorin Orietta Rossini. Vor allem die Versorgung der Hauptstadt mit einer Million Menschen sei eine Herausforderung gewesen: Rom war die grösste Stadt der Geschichte, bis die industrielle Revolution London erreichte.

Kaiser als «alleiniger Versorger»

Das eroberte Ägypten war der Kornspeicher des Reiches. Private Schiffseigner brachten jeden Monat bis zu 500 Tonnen Weizen von Alexandria nach Rom - ein frühes Beispiel der heutigen Public-Private Partnerships, sagt Rossini.

Der Kaiser war «der alleinige Versorger, der einzig Verantwortliche für die Lieferung von Lebensmitteln». 20'000 Bürgern - also freie Männer über 17 Jahren - teilte Augustus monatlich je 35 Kilogramm Weizen zu.

Später übernahmen die afrikanischen Provinzen die Rolle Ägyptens: Von Karthago im heutigen Tunesien war Getreide in drei Tagen im römischen Hafen Ostia. Auch Wein, der zu Schleuderpreisen verkauft wurde, sowie Öl und Fleisch wurden importiert. Vor allem Obst und Gemüse war beliebt. «Tiberius liebte Gurken, Augustus Spargel», weiss Rossini.

Zum Mittagessen in die Thermopolia

Ein typischer Tag im antiken Rom begann mit dem «Jentaculum» oder Frühstück aus gesalzenem Brot, getrockneten Früchten, Käse und Eiern mit Milch oder Wein. Das «Prandium» oder Mittagessen gab es an den Thermopolia - Vorläufern der heutigen Fastfood-Restaurants - oder in den Popinae genannten Weinschenken, die von den niederen Schichten frequentiert wurden und auch Glücksspiel und Prostitutierte boten.

Abends veranstaltete die Oberschicht üppige Bankette, bei denen auch Pfauenzungen oder geschmorte Siebenschläfer auf den Tisch kamen. Die übrige Bevölkerung ernährte sich von frischem Gemüse, Eintöpfen und gelegentlich einem Stück Fleisch.

In Eintöpfe kamen Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Linsen, Zwiebeln sowie Pinienkerne, Datteln und Mandeln. Gewürzt wurde mit Kreuzkümmel, Koriander, Sesam und Pfefferminzsamen.

Französischer Wein bereits in der Antike beliebt

Globalisierung gab es schon damals: Der Wein kam aus Gallien und Zypern, das Öl aus Andalusien, der Honig aus Griechenland und das Garum - eine fermentierte Fischsauce - aus Portugal. In der Ausstellung sind verkohlte Lebensmittel zu sehen, die in den Überresten der im Jahr 79 zerstörten Stadt Herculaneum entdeckt wurden - darunter schrumpelige Feigen aus römischer Zeit.

Lebensmittel waren so wichtig, dass Kaiser Diokletian, der von 284 bis 305 regierte, sogar die Preise kontrollierte. Zwei Hühner waren für 60 Silberlinge zu haben, ein halber Liter Falerner Wein für 30, 300 Gramm Schweinefleisch für 12 und 25 Feigen für vier Silberlinge. Ein Bäcker verdiente durchschnittlich 50 Silberlinge am Tag.

(bert/sda)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Leckeres Essen - lustige Atmosphäre.
Leckeres Essen - lustige Atmosphäre.
Publinews Gutes Erlebnis  Man wird es heute wohl kaum übersehen, dass die Zahl der Restaurants auch unheimlich stark angestiegen ist. Dies ist auch damit verbunden, dass die Gründer unheimlich kreativ geworden sind. mehr lesen  
Publinews Jeder Restaurant-Besitzer sollte mit den grundlegenden Tools des Online Marketings vertraut sein. Selbst, wenn die Gäste kommen, heisst das ... mehr lesen  
Viele erfolgreiche Restaurants haben die vielen Möglichkeiten des Online Marketings bereits erkannt.
Service-Personal sollte nicht zu viel Haut zeigen, sondern eher auf ein dezentes Outfit setzen.
Publinews Berufsbekleidung ist nicht nur Erkennungszeichen einer Innung, sondern unterliegt gesetzlichen Vorschriften. Je nach Branche ... mehr lesen  
auf Gummireifen in die Zukunft  Im Dezember 2016 wurde, wie jedes Jahr um diese Zeit, wieder der neueste Guide Michelin vorgestellt. Wieder einmal haben die ... mehr lesen
Michelin Reifen
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 9°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 9°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 7°C 9°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 8°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 5°C 12°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Genf 7°C 12°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 3°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten