Kult-TV-Serie «The Wire»: Dritte Staffel jetzt auf DVD
publiziert: Sonntag, 5. Aug 2012 / 17:45 Uhr

Erst 10 Jahre nach Beginn erreicht die HBO-TV-Serie mit der Veröffentlichung der 3. Staffel verdienten Kult-Status.

Noch nie zuvor hat es eine TV-Serie geschafft, im Nachgang einen so gewaltigen Boom zu erleben. «The Wire» startete in den USA zwischen 2002 und 2008 auf dem Pay-TV-Sender HBO. Kritiker von «Time-Magazine» und «New York Times» bis zum britischen «Guardian» zelebrierten die ausserordentliche Qualität dieses TV-Epos und bescheinigten der komplexen Erzählform und den spannenden Handlungssträngen der Episoden «literarische Qualitäten».

Von Mai 2008 an sendete der deutsche Pay-TV-Channel Fox eher unbemerkt eine deutsch synchronisierte Fassung, gefolgt von der ersten DVD-Veröffentlichung im Jahre 2010. Damit war der Grundstein für die stetig steigende Zahl von «The Wire»-Fans auch in Deutschland gelegt. Das euphorische Lob aus den englischsprachigen Ländern setzte sich in den deutschen Leitmedien fort « der Kult um die Serie begann.

Die zwölfjährige Tätigkeit von Autor und Produzent David Simon als Polizeireporter der »Baltimore Sun« diente als Basis für »The Wire«: Die realitätsbezogene Nähe zu den Detectives der Mordkommision und seine damit verbundenen Erlebnisse beschrieb Simon vor etwa 20 Jahren in seinem Buch »Homicide - ein Jahr auf mörderischen Strassen« und llieferte damit die inhaltliche Vorgabe für »The Wire«.
Die Fälle, mit denen sich die Sondereinheit der Polizei von Baltimore in »The Wire« beschäftigt, scheinen vordergründig den ganz normalen Ermittlungsalltag der Beamten in einer der gefährlichsten Städte der USA darzustellen: Drogenhandel, Diebstahl, Raub und Mord. Allerdings wird dem Betrachter in akribischer Erzählweise kein schmutziges Detail oder Elend vorenthalten, sondern vielmehr geholfen, die Gründe für die Verbrechen zu verstehen.

Nach und nach taucht der Zuschauer in die Stories der schnörkellos erzählten, sehr realistischen TV-Serie ein. Ständige Perspektivwechsel und die Weiterführung der unterschiedlichen Handlungstränge sowohl aus Sicht der Polizei als auch ihrer Verdächtiger lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Verbrechen und Gesetz verschwimmen. Auf den von Drogen verseuchten Strassen von West-Baltimore braucht man manchmal mehr als nur eine Dienstmarke um zu unterscheiden, wer auf welcher Seite des Gesetzes steht. Im realistischen Blick auf den Kampf einer Stadt ums Überleben nimmt die hohe Authentizität der Figuren einen entscheiden Stellenwert ein.

Jede Staffel in »The Wire« konzentriert sich auf einen bestimmten Themenkomplex. In der ersten Ermittlungaktion (»The Wire« steht als Slang-Bezeichnung für die Abhöraktionen der Polizei) versucht das Baltimore Police Department den Drogenring des mächtigen Avon Barksdale (Wood Harris) zu sprengen. »Listen Carefully« » so die Subline « führt den Zuschauer in die Serie ein und stellt die anspruchsvoll arrangierte Handlungstränge mit den Hauptprotagonisten vor. Erzählt wird vom Leben und Kampf um die »Ecken« in West-Baltimore sowie von der streng hierarchischen Organisation der Dealer-Szene.

Obwohl Musik in der Serie nur punktuell und im Kontext eingesetzt wird » zum Beispiel via Autoradio oder aus der Jukebox -, nimmt sie eine wichtige Rolle ein. Die unverkennbare akustische Signatur der Serie liefert der Titelsong «Way Down in the Hole» aus der Feder von Tom Waits (Album: «Franks Wild Years», 1987): Jede Staffel beginnt mit einer anderen Version des Songs. Die erste Staffel lässt «The Blind Boys of Alabama» den Titel interpretieren. In der zweiten Staffel ist es die Original-Version von Tom Waits, gefolgt von einer sehr rhythmusorientierten Fassung der legendären Neville Brothers. Staffel vier setzt eine Version ein, die von fünf Jugendlichen aus Baltimore eingesungen wurde. In der finalen, fünften Staffel ist US-amerikanische Country-Sänger Steve Earle nicht nur der Interpret der musikalischen Serienthemas, sondern spielt auch die Rolle des «Walon». Interessant am Rande: Die Gastrolle von Wu-Tang-Clan-Mitbegründer und East-Coast-Rap-Legende «Method Man» als Drogendealer «Cheese» in der dritten Staffel.

Des Weiteren werden die Titel «Step by Step» von Jesse Winchester, «I Feel Alright» von Steve Earle, der Van Morrison Song «Fast Train» (von Solomon Burke interpretiert), die Dr.-John-Komposition «I Walk On Gilded Splinters» (von Paul Weller gesungen), verwendet. Nicht zu vergessen:  The Pogues mit «The Body Of An American» und der Nighthawks-Song «Sixteen Tons».
Der Soundtrack ?The Wire: And All The Pieces Matter? ? Five Years of Music from The Wire? wurde gerade dieser Tage auf Nonesuch Records veröffentlicht.

(fest/news.ch mit Agenturen)

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