Ladan und Laleh verlieren Kampf um Eigenständigkeit
publiziert: Dienstag, 8. Jul 2003 / 15:11 Uhr

Singapur - Seit Jahren hatten die am Kopf zusammengewachsenen siamesischen Zwillinge Laleh und Ladan Bidschani dafür gekämpft, getrennt zu werden. Den Schwestern war bewusst, dass sie dabei sterben konnten. Doch sie nahmen das Risiko in Kauf und verloren den Kampf um Eigenständigkeit.

Laleh und Ladan Bidschani gingen auch zusammen in den Tod.
Laleh und Ladan Bidschani gingen auch zusammen in den Tod.
Geboren wurden Laleh und Ladan vor 29 Jahren in Karadsch rund 20 Kilometer von der iranischen Hauptstadt Teheran entfernt.

Ihre Eltern hatten nicht das Geld, um die Babys zu einer Operation zu schicken. So waren die Schwestern gezwungen, Kopf an Kopf aufzuwachsen.

Die Zwillinge kämpften für ein Leben, dass so normal wie möglich sein sollte. Beide waren gut in der Schule, trieben Sport und fuhren Auto.

Suche nach Spezialisten

Als Erwachsene begannen die Zwillinge rund um die Welt mit der Suche nach Ärzten, die sie operieren könnten.

Im Jahre 1996 wurden sie von einer deutschen Klinik abgewiesen.

Die deutschen Ärzte warnten, die Schwestern könnten bei dem Eingriff sterben oder schwerste geistige Schäden davontragen.

Selbst bei Säuglingen ist die Operation hoch riskant. Im November schliesslich wandten sich die Zwillinge an das Raffles Hospital in Singapur.

Sie hatten gehört, dass der dortige Neurochirurg Keith Goh in einer 97-stündigen Operation erfolgreich ein am Kopf zusammengewachsenes siamesisches Zwillingspaar aus Nepal getrennt hatte.

Goh versuchte zunächst, Ladan und Laleh ihren Wunsch auszureden. "Wir haben ihnen die Risiko sehr deutlich gemacht", berichtete Goh im vergangenen Monat. "Wir haben versucht, sie umzustimmen, aber ohne Erfolg."

Der Schwester ins Jurastudium gefolgt

In einer Pressekonferenz hatten die Schwestern im vergangenen Monat ihr problematisches Leben in engster Zweisamkeit geschildert: "Ich lese gern Zeitungen im Internet oder e-maile an Freunde. Laleh dagegen spielt stundenlang Computerspiele", klagte Ladan entnervt.

Und obwohl sie eigentlich lieber Journalistin geworden wäre, musste Laleh notgedrungen ihrer Schwester ins Jura-Studium folgen.

"Wir sind individuelle Persönlichkeiten, wir haben unterschiedliche Ansichten", erklärte Laleh. Und schliesslich hatten die beiden auch einen ganz simplen Wunsch: "Wir möchten uns gerne endlich direkt ins Gesicht sehen können - ohne Spiegel."

Keine Klagen

Trotz aller Schwierigkeiten klagten die beiden nicht über ihr Schicksal. "Das Leben war sehr hart für sie. Wenn die eine schlafen wollte, wollte die andere vielleicht gerade lesen", beschrieb sie die gemeinsame Freundin Montesa Fuladi, die eigens für die Operation von Iran nach Singapur geflogen war, um moralischen Beistand zu leisten.

"Trotzdem waren sie immer fröhlich und haben gelacht. Wenn sie geweint haben, haben sie es nicht gezeigt", schrieb die Freundin weiter.

Iran fieberte mit

Ganz Iran hatte mit den Bidschani-Zwillingen gebangt. Das Land bete für die beiden, sagte Präsident Mohammed Chatami zu Beginn der Operation am Sonntag. Für die Todesnachricht unterbrachen die Staatsmedien am Dienstag das laufende Programm.

In Singapur hatte sich die kleine Gemeinschaft von Exil-Iranern in den vergangenen Tagen um das Raffles Hospital geschart, völlig Fremde und Freunde der Familie Bidschani hatten sich dort mit Gebeten und Koranlesen abgewechselt. Ihre Hoffnung wurde am Dienstag traurig enttäuscht.

(Karl Malakunas/afp)

 
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