Lausanne redet über ihre Zukunft
publiziert: Dienstag, 15. Jul 2003 / 09:50 Uhr

Lausanne - Als erste Stadt der Romandie macht sich Lausanne mit einem breit angelegten Mitbestimmungsprojekt an die Umsetzung der Lokalen Agenda 21 für nachhaltige Entwicklung. Gegen 1200 Einwohner beteiligen sich an der Debatte über die Zukunft ihrer Stadt.

Kathedrale in Lausanne.
Kathedrale in Lausanne.
Ein Werktagsabend in einem Pfarreisaal im Lausanner Quartier Chailly: Gegen 60 Männer und Frauen nehmen auf den bereit gestellten Stühlen Platz.

Auf einem Flipchart vorne die Spielregeln des Projektes "Quartiers 21": "Jeder Teilnehmer hat eine Stimme und zwei Ohren" oder "keine Killersätze" heisst es da.

Eine von insgesamt zehn Innovationswerkstätten in den dafür definierten Stadtkreisen nimmt seinen Lauf.

Nach dem Modell Zukunftswerkstatt formulieren die Quartierbewohnerinnen und -bewohner vorerst in einer Kritikphase, was sie stört, bevor Wünsche und Utopien in realistische Vorschläge umgemünzt werden.

Utopien erlaubt, sofern umsetzbar

Träume wie die Abschaffung von Schulnoten oder der Armee sind zwar erlaubt, aber unrealistisch.

Die Vorschläge müssen im Kompetenzbereich der Stadt liegen, um eine Chance auf Umsetzung zu haben - wie zum Beispiel eine bessere Busverbindung, ein Spielplatz, ein Quartiertreffpunkt oder Fussgängerzonen.

Mit der Unterzeichnung der Charta der europäischen Städte für die Nachhaltigkeit hat sich Lausanne 1998 verpflichtet, ein entsprechendes Programm zu lancieren. Die Agenda 21 enthält fünf Unterkapitel.

"Quartiers 21" konzentriert sich auf den Bereich Soziales und Wohnen.

Ziel des Mitbestimmungsprojektes ist es, Betroffene zu Wort kommen zu lassen, die wenig Erfahrung haben mit politischen Prozessen. Die Behörden bleiben denn in den ersten Projektphasen vor der Tür.

Konsens-Konferenzen

"Die Bevölkerung betreibt das Agenda-Setting und nicht die Experten", betont "Quartiers 21"-Projektleiterin Christine Ziegler.

Die Vorschläge aus den Ateliers werden thematisch gruppiert und an quartierübergreifenden Konsens-Konferenzen mit Vertretern von Interessengruppen weiter entwickelt.

Die Behörden treten erst in einer dritten Projektphase auf den Plan, wenn die Verwaltung die Projekte auf ihre Machbarkeit abklopft, bevor die politischen Behörden ein Aktionsprogramm verabschieden. In Lausanne soll dies bis Juni 2004 der Fall sein.

Vorzeigemodell Basel

"Quartiers 21" orientiert sich am Vorbild der "Werkstadt Basel". Das Basler Projekt gilt als Vorzeigemodell für ein gelungenes Stadtentwicklungsprojekt.

Mit der Umsetzung des Aktionsprogramms wurde 1999 begonnen. Dazu gehören etwa der Bau von 5000 Wohnungen oder die Einrichtung eines Strands am Rheinufer.

Christine Ziegler hat als Mitarbeiterin des Basler Kommunikations- und Beratungsbüros ecos bereits in der "Werkstadt Basel" mitgearbeitet.

Das Modell lasse sich aber nur bedingt auf andere Städte überstülpen, warnt Ziegler. "Ein solcher Prozess muss auf die lokalen Bedürfnisse massgeschneidert werden."

Politisches Bekenntnis

Wie in jedem neuen Projekt müsse eine Kultur der Mitbestimmung neu entwickelt werden, sagt Ziegler. Der Druck von unten genüge aber nicht.

"Es braucht ein politisches Bekenntnis der Regierung". Wichtig sei zudem Transparenz und eine klare Kommunikation, um Frustrationen zu verhindern.

Dies scheint in Lausanne erkannt: Gleich drei Stadtregierungsmitglieder touren durch die Quartiere, um die Innovationswerkstätten zu eröffnen.

So auch in Chailly, wo sich Syndic Daniel Brélaz nach kurzer Ansprache aber gleich wieder verabschiedet: "Maintenant la parole est à vous."

(Theodora Peter/sda)

 
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